eine Weile da , dann kommt wieder das Bernerwägelein mit den zwei Schimmeln , drinn sitzen die Bauersleute und holen sie ab und sagen : Du bist unser Kind ; denn gewiß erzählt jetzt der Bauer daheim von dem Begegniß mit ihr . Mit seltsamen Blicken starrte sie oft in den Herbsthimmel , er war so hell , so wolkenrein ; und auf der Erde , da sind die Wiesen noch so grün und der Hanf liegt zum Dörren darüber gebreitet wie ein feines Netz , die Zeitlosen schauen dazwischen auf und die Raben fliegen darüber hin und ihr schwarzes Gefieder glitzert hell im Sonnenglanz ; kein Luftzug weht , die Kühe weiden auf den Stoppeläckern , Peitschenknallen und Singen tönt von allen Aeckern und der Holzbirnenbaum schauert still in sich zusammen und schüttelt die Blätter ab . Der Herbst ist da . So oft Amrei jetzt Abends heimkehrte , schaute sie die schwarze Marann ' fragend an , sie meinte , diese müsse ihr sagen , daß der Landfriedbauer geschickt habe , um sie abzuholen , und mit schwerem Herzen trieb sie die Gänse auf die Stoppelfelder , die so entfernt waren vom Weg und immer wieder lenkte sie nach dem Holderwasen . Aber schon standen die Hecken blätterlos , die Lerchen zwitscherten kaum mehr in schwerem niederem Fluge , und noch immer kam keine Nachricht , und Amrei hatte ein tiefes Bangen vor dem Winter , als wie vor einem Kerker . Sie tröstete sich nur mit dem Lohne , den sie jetzt erhielt , und der war allerdings reichlich . Keine ihrer Untergebenen war gefallen , ja nicht einmal eine flügellahm geworden . Die schwarze Marann ' verkaufte die Federn , die Amrei gesammelt hatte , zu gutem Preise , und wies Amrei an , sich neben dem bräuchlichen Geldlohn , das gewöhnliche Stück Kirchweihkuchen für jede einzelne Gans , die sie gehütet , in Brod verwandeln zu lassen . Und so hatten sie fast den ganzen Winter vollauf Brod , freilich oft sehr altbackenes , aber Amrei hatte , wie die schwarze Marann ' sagte , lauter gesunde Mauszähne , mit denen sie Alles knuppern konnte . 6. Die Eigenbrätlerin . Eine Frau , die ein einsam abgeschiedenes Leben führt und sich ihre Nahrung ganz allein kocht und brät , nennt man eine Eigenbrätlerin und eine solche hat in der Regel auch noch allerlei Besonderheiten . Niemand hatte mehr Recht und mehr Neigung eine Eigenbrätlerin zu sein , als die schwarze Marann ' , obgleich sie nie Etwas zu braten hatte , denn Habermus und Kartoffeln und Kartoffeln und Habermus waren ihre einzigen Speisen . Sie lebte immer abgesondert in sich hinein und verkehrte nicht gern mit den Menschen . Nur gegen den Herbst war sie stets voll hastiger Unruhe , sie plauderte um diese Zeit viel vor sich hin und redete auch die Menschen von freien Stücken an , besonders Fremde , die durch das Dorf gingen ; denn sie erkundigte sich , ob die Maurer von da und dort schon zur Winterrast heimgekehrt seien und ob sie nichts von ihrem Johannes berichtet hätten . Wenn sie die Leinwand , die sie den Sommer über gebleicht hatte , noch einmal kochte und auswusch und dabei die ganze Nacht aufblieb , murmelte sie stets vor sich hin . Man verstand nichts davon , nur der Zwischenruf war deutlich , denn da hieß es : » Das ist für dich und das ist für mich ; « sie sprach nämlich täglich zwölf Vaterunser für ihren Johannes , aber in der Waschnacht da wurden sie zu unzähligen . Und wenn der erste Schnee fiel , war sie immer besonders heiter . Jetzt giebt ' s keine Arbeit mehr draußen , jetzt kommt er gewiß heim . Sie sprach dann oft mit einer weißen Henne im Gitter und sagte ihr , daß sie sterben müsse , wenn der Johannes komme . So trieb sie ' s nun schon viele Jahre und die Leute im Dorfe ließen ab , ihr vorzuhalten , daß es närrisch sei , immer an die Heimkehr des Johannes zu denken , denn sie war doch nicht zu bekehren und sie wurde den Menschen unheimlich . In diesem Herbst wurden es nun achtzehn Jahre , seit der Johannes davon gegangen war , und jedes Jahr wurde Johann Michael Winkler als verschollen ausgeschrieben in der Zeitung bis zu seinem fünfzigsten Jahre . Er stand jetzt gerade im sechs und dreißigsten . Im Dorfe ging die Sage , Johannes sei unter die Zigeuner gegangen , und die Mutter hielt auch einmal einen jungen Zigeuner , der dem Verschollenen auffallend ähnlich sah , für denselben ; er war auch so » pfostig « ( untersetzt ) , hatte die gleiche dunkle Gesichtsfarbe und schien es nicht ungern zu haben , daß man ihn für den Johannes hielt ; aber die Mutter hatte ihn auf die Probe gestellt , sie hatte noch das Gesangbuch und den Corfirmandenspruch des Johannes und wer den nicht kennt und nicht anzugeben weiß , wer seine Pathen sind , und was mit ihm geschehen ist an dem Tage , als des Brosi ' s Severin mit der Engländerin ankam und später als der neue Rathhausbrunnen gegraben wurde , wer diese und andere Wahrzeichen nicht kennt , das ist der Falsche . Dennoch beherbergte die Marann ' immer den jungen Zigeuner so oft er in das Dorf kam und die Kinder auf der Straße schrieen ihm : Johannes ! nach . Der Johannes wurde als militärpflichtig auch als Ausreißer ausgeschrieben und obgleich die Mutter sagte , daß er » zu klein « und unter dem Maaß durchgeschlüpft wäre , wußte sie doch , daß er bei der Heimkehr einer Strafe nicht entgehe und sie meinte , er käme nur deßwegen nicht wieder . Es war nun gar seltsam , wie sie in einem Athem um das Wohl des Sohnes und um den Tod des Landesfürsten betete ; denn man hatte ihr gesagt , daß wenn der