bestimmt , seinem Vater im Amte zu folgen , vielfache Verbindungen mit jungen Bauern anknüpfte , mit ihnen ganze Tage auf dem Felde lag oder auf Viehmärkte fuhr und mit Kennerblick die jungen Kühe betastete , hing die Tochter , sooft sie mir immer konnte , die griechischen Gewänder an den Nagel und zog sich in Küche und Garten zurück , dafür sorgend , daß die unruhige Gesellschaft etwas Ordentliches zu beißen fand , wenn sie von ihren Fahrten zurückkehrte . Auch war diese Küche nicht der schwächste Anziehungspunkt für die genäschigen Städtebewohner , und der große gutbebaute Garten zeugte für einen ausdauernden Fleiß und treffliche Ordnungsliebe . Der Sohn endigte sein Treiben damit , daß er eine begüterte rüstige Bauerntochter heiratete , in ihr Haus zog und alle sechs Werktage hindurch ihre Äcker und ihr Vieh bestellte . In Anwartschaft seines höheren Amtes übte er sich , als Säemann den göttlichen Samen in wohlberechneten Würfen auszustreuen und das Böse in Gestalt von wirklichem Unkraut auszujäten . Der Schrecken und der Zorn hierüber waren groß im Pfarrhause , zumal wenn man bedachte , daß die junge Bäuerin einst als Hausfrau dort einziehen und herrschen sollte , sie , welche weder mit der gehörigen Anmut im Grase zu liegen noch einen Hasen standesgemäß zu braten und aufzutragen wußte . Deshalb war es der allgemeine Wunsch , daß die Tochter , welche allmählich schon über ihre erste Jugend hinausgeblüht hatte , entweder einen standesgetreuen jungen Geistlichen ins Haus locken oder sonst noch lange die zusammenhaltende Kraft desselben bleiben möchte . Aber auch diese Hoffnungen schlugen fehl . Denn eines Tages geschah es , daß das ganze Dorf in große Bewegung gesetzt wurde durch die Ankunft eines schönen , schlanken Mannes , der einen feinen grünen Frack trug nach dem neusten Schnitte , enganliegende weiße Beinkleider und glänzende Suwarowstiefeln mit gelben Stulpen . Wenn es regnerisch aussah , so führte er einen rotseidenen Schirm mit sich , und eine große goldene Uhr von feiner Arbeit gab ihm in den Augen der Bauern einen ungemein vornehmen Anstrich . Dieser Mann bewegte sich mit einem edlen Anstande in den Gassen des Dorfes umher und trat freundlich und leutselig in die niederen Türen , verschiedene alte Mütterchen und Gevattern aufsuchend , und war niemand anders als der weitgereiste Steinmetzgeselle Lee , welcher seine lange Wanderschaft ruhmvoll beendigt hatte . Man kann wohl sagen ruhmvoll , wenn man bedenkt , daß er vor zwölf Jahren , als ein vierzehnjähriger Knabe , arm und bloß das Dorf verlassen hatte , hierauf bei seinem Meister die Lehrzeit durch lange Arbeit abverdienen mußte , mit einem dürftigen Felleisen und wenig Geld in die Fremde zog und nun solchergestalt als ein förmlicher Herr , wie ihn die Landleute nannten , zurückkehrte . Denn unter dem niedern Dache seiner Verwandten standen zwei mächtige Kisten , von denen die eine ganz mit Kleidern und feiner Wäsche , die andere mit Modellen , Zeichnungen und Büchern angefüllt war . Es war etwas Schwungvolles in dem ganzen Wesen des etwa sechsundzwanzig Jahre alten Mannes , seine Augen glühten wie von einem anhaltenden Glanze innerer Wärme und Begeisterung , er sprach immer hochdeutsch und suchte das Unbedeutendste von seiner schönsten und besten Seite zu fassen . Fr hatte ganz Deutschland vom Süden bis zum Norden durchreist und in allen großen Städten gearbeitet ; die Zeit der Befreiungskriege in ihrem ganzen Umfange fiel mit seinen Wanderjahren zusammen , und er hatte die Bildung und den Ton jener Tage in sich aufgenommen , insofern sie ihm verständlich und zugänglich waren ; vorzüglich teilte er das offene und treuherzige Hoffen der gebildeten Mittelklassen auf eine bessere , schönere Zeit der Wirklichkeit , ohne von den geistigen Überfeinerungen und Wunderseligkeiten etwas zu wissen , welche in manchen romantischen Elementen dazumal als deutsches Wesen durch die höhere Gesellschaft wucherten . Es waren nur wenige gleichgesinnte Arbeitsgenossen , welche die ersten , seltenen und verborgenen Keime bildeten zu der Selbstveredlung und Aufklärung , so den wandernden Handwerkerstand zwanzig Jahre später durchdrang , und welche einen Stolz darauf setzten , die besten und gesuchtesten Arbeiter zu sein , und dadurch , verbunden mit erhöhtem Fleiße und Mäßigkeit , die Mittel erlangten , auch ihren Geist zu bilden und äußerlich wie innerlich schon in ihren Wanderjahren als achtungswerte , tüchtige Männer dazustehen . Überdies war dem Steinhauer in den großen Werken altdeutscher Baukunst ein Licht aufgegangen , welches seinen Pfad noch mehr erleuchtete , indem es ihn mit heiteren Künstlerahnungen erfüllte und den dunklen Trieb jetzt erst zu rechtfertigen schien , welcher ihn von der grünen Weide hinweg dem gestaltenden Leben der Städte zugeführt hatte . Er lernte zeichnen mit eisernem Fleiße , brachte ganze Nächte und Feiertage damit zu , Werke und Muster aller Art durchzupausen , und nachdem er den Meißel zu den kunstreichsten Gebilden und Verzierungen führen gelernt und ein vollkommener Handarbeiter geworden war , ruhte er nicht , sondern studierte den Steinschnitt und sogar solche Wissenschaften , welche andern Zweigen des Bauwesens angehören . Er suchte überall an großen öffentlichen Bauten unterzukommen , wo es viel zu sehen und zu lernen gab , und brachte es durch seine Aufmerksamkeit bald dahin , daß ihn die Baumeister ebensoviel auf ihren Arbeitszimmern am Zeichnen- oder Schreibtische verwendeten als auf dem Bauplatze . Daß er dort nicht feierte , sondern manche Mittagsstunde damit zubrachte , alles mögliche durchzuzeichnen und alle Berechnungen zu kopieren , welche er erhaschen konnte , versteht sich von selbst . So wurde er zwar kein akademischer Künstler mit einer allseitigen Durchbildung , aber doch ein Mann , welcher wohl den kühnen Vorsatz fassen durfte , in der Hauptstadt seiner Heimat ein wackerer städtischer Bau- und Maurermeister zu werden . Mit dieser ausgesprochenen Absicht trat er nun auch im Dorfe auf zur großen Bewunderung seiner Sippschaft , und das Erstaunen wurde noch größer , als er , mit einem feinen Manschettenhemd bekleidet und sein reinstes Hochdeutsch sprechend , sich mitten unter die französisch-griechischen Gestalten des Pfarrhauses mischte und um die