jetzt schon wissen , daß vielleicht die Freimaurer , trotz alles Leugnens der Forscher , das Geheimniß der Tempelweihe in sich aufnahmen ! Diese geistlichen Ritterorden standen zwischen den Weltlichen und zwischen den Geistlichen in der Mitte , vom Papste und den Königen zugleich geehrt und zugleich verfolgt und immer ehrwürdig durch sich selbst , durch ihre Entsagung , durch ihre Tapferkeit . Sie retteten die Weltlichkeit vor allzu gedankenloser und unheiliger geistiger Richtung , sie retteten den geistlichen Stand vor allzu mönchischer Verdummung und thatenloser Beschaulichkeit . Das Schwert war ihre Inful , der Mantel mit dem Kreuze ihr Pallium . Laß mich ' s dir sagen , Bruder , heute zum ersten male in Worten , die meiner stillen Bewunderung ein lautes Zeugniß geben , daß dein herrliches Bild , der Feuertod Jakob ' s von Molay , auch mich tiefinnig ergriffen hat . Ich habe dir bisher nur in lauer Weise , scherzend fast , darüber gesprochen , weil du weißt , wie ich dich verehre , und wie Alles , was von deiner Künstlerhand kommt , mir schon von selbst sich anpreist . Aber ich sehe ein , daß Diejenigen wenig verstehen , mit schaffenden Genien umzugehen , die nicht Alles und Jedes , was diesen entstammt , immer wieder neu begrüßen , neu anerkennen . Nichts kann im Künstler eine bloße Fortsetzung seiner einmal aufgezogenen Thätigkeit sein . Jeder Gedanke , den er verkörpert , entspringt aus einer neuen Offenbarung seines Geistes , die heute durch die Luft , morgen durch Feuer und Wasser zu ihm spricht . Vergib mir , daß ich dir erst heute so theilnehmend und hingegeben von deinem Werke rede ! Dankmar ! sagte Siegbert tief gerührt und ergriffen . Eine Thräne stand ihm im Auge , er faßte zitternd des Bruders Hand , die dieser an sich zog und ans Herz drückte . Dankmar ! Du bist gut ! war Alles , was Siegbert sagen konnte . Ja , fuhr Dankmar begeistert fort , die Prophezeiung , die man dir und dem so früh sich verrathenden Genius des Knaben stellte , erfüllt sich doch wunderbar . Erlebte Das der Vater , der so früh auf unsere Gaben lauschte , und in mir nur den kalten Verstand des Advocaten , in dir die Wärme und das Talent des Künstlers entdeckte ! Hat er uns nicht gepflegt wie zarte Pflanzen , geschützt vor rauhem Sturme der Sorge ; hat er nicht selbst gedarbt , um uns den Weg des Glücks zu bahnen ? Auch Dankmar ' s Augen zitterten . Auch ihm feuchteten sie sich . Seine Nerven schienen erregter als sonst . Es mußte mit dieser starken , metallenen Natur wirklich eine gewaltige Erschütterung vorgefallen sein , daß sie einmal so ihre gewöhnliche Weise von sich warf . Doch war es nur ein Augenblick . Während Siegbert seinen Gefühlen der Erinnerung an einen sorgsamen , liebenden , zu früh dahingegangenen Vater freien Raum ließ , fuhr Dankmar , schon wieder gesammelt , fort : Alles Das bewegte mich in dem Bibliothekzimmer der Tempelherren beim Klange der Orgel aus der St.-Johanniskirche. An die kahlen Wände zauberte ich mir dein Bild . In dem dunkeln , von den Flammen rembrandtisch erhellten Vorgrunde , das Antlitz König Philipp ' s des Schönen , der am Vorsprung eines Fensters es wagte , dem Tode der Opfer seiner Habgier beizuwohnen , neben ihm der Legat des Papstes , der seinem noch zögernden und vielleicht nicht ganz erstickten Ehrgefühl den Muth zuzusprechen scheint , diese Hinrichtung deshalb zu wagen , weil die Tempelherren falsche Götzen anbeteten und gotteslästerliche Ceremonien übten ! Auf hundert Schritte von diesen beiden Köpfen , neben denen sich im Vorgrunde eine Reihe anderer mit dem gemischtesten Ausdrucke und in wunderherrlicher Flammenbeleuchtung hinzieht , der edle Ordensmeister auf dem Holzstoße , hinter und neben ihm einige andere dem Tode geweihte Ritter , alle von den Flammen umzüngelt und glücklicherweise im Rauche schon erstickend , ehe sie noch das grausame Feuer erreicht . Die weißen Ordensmäntel mit den eingestickten Kreuzen wehen schon angesengt und halb verbrannt im Winde . Hier und da sieht man unter ihnen noch einen geschuppten Waffenrock und auf der Brust das Wappen der Ritter , wozu du bei einem , der dem Vater ähnlich sieht , unser altes Wappen nahmst und dir darunter Hugo von Wildungen dachtest . Über dem Ganzen aber im Wiederschein des Qualms und der Flammen gegen den reinen Äther schwebt eine wie zufällig aufflatternde Taube , die so majestätisch in dem feurigen Lichte schwebt , daß sie Jeder für das Symbol des siegreich aufsteigenden heiligen Geistes erkennen wird . Ich entlehnte , fiel Siegbert lächelnd über des Bruders Beschreibung seines Bildes ein , ich entlehnte diesen Gedanken der Sage vom Feuertode des Johann Huß . Gleichviel , fuhr Dankmar fort ; auch von diesem Aschenhaufen des Jahres 1314 stieg die Taube der Unschuld , das Symbol der Liebe empor , wenn auch vielleicht noch nicht das der Gedankenfreiheit , in dem ich mir lieber einen Adler mit trotzig ausgebreiteten Schwingen denken möchte . Der in Frankreich , Italien und England aus Habsucht verfolgte Orden erhielt sich längere Zeit in Deutschland , wo ihn , wie manchen andern bessern Gedanken , gerade die Zerrissenheit des Staats zu retten schien . Ein Fürst gönnte des Ordens Besitzthümer dem Andern nicht und so wäre er vielleicht von allen verschont geblieben , wenn ihn eine Bulle des Papstes nicht gezwungen hätte , ein Nebenzweig des Johanniterordens zu werden . Auch im Harze hatte der Orden Tempelhöfe , und sandte von ihnen Ritter aus , die für das Grab des Erlösers in Syrien kämpften . Als die Tempelherren Johanniter wurden , kämpften sie auf Rhodus und Malta . Andere standen im Dienste der Republiken Venedig und Genua , immer um gegen die Ungläubigen und für die Wiedereroberung des heiligen Grabes zu fechten . Sie gewannen dabei kostbare Schätze , die jedoch nicht ihnen , sondern dem Orden gehörten . So hatte Hugo