gewaltigen Kirche , und da er sein Morgengebet noch nicht gestammelt hatte , so schritt er mit brünstiger Seele die große Treppe hinauf und trat durch die offene Tür unter Meister Wrens herrliche Wölbung . » Four pence , if you please , Sir ! « sagte da jemand , indem er unserm Freund auf die Schulter klopfte . Der Westfale blickte erschrocken zurück : » Aber nein , dies ist ja eine Kirche - « » Four pence to be paid , Sir ! « » Aber nein , ich habe noch nie in Münster Entrée in der Kirche bezahlt . « » Four pence ! « wiederholte der Küster zum dritten Male , und so gewiß , wie der Wirt in Norfolk Street zwei Nächte auf die Note gesetzt hatte , so gewiß mußte der Westfale schließlich 4 Pence Entrée bezahlen . Mit seinem letzten Schilling und mit einem so heißen Gebete , wie es je ein Gläubiger gesprochen hat , kniete da der Westfale auf den Marmorboden nieder . Wer weiß , wie lange er sich mit Gott unterhalten haben würde , wenn nicht plötzlich der Küster mit einem Bund Schlüssel in der Hand und mit einem Schweif von vielen Herren und Damen quer durch die Kirche gerannt wäre . Der Betende sah aufmerksam empor . Was soll das bedeuten ? Schließt man die Kirche zu ? Mit dem Schrei des Entsetzens sprang er empor , und der Gesellschaft nachlaufend , war er bald der nächste hinter dem Küster . Richtig ! Die Riegel knarrten , die erste Tür fiel rasselnd ins Schloß . » One shilling , if you please , Sir ! « Der Westfale war abermals wie vom Donner gerührt . » Aber nein , bezahlt man hier auch beim Hinausgehn ? « » One shilling to be paid , Sir ! « » Aber nein , ich habe noch nie in Münster bezahlt , wenn ich aus der Kirche ging . « » One shilling ! « Der Küster sprach dies mit so viel anglikanischer Würde und mit so unendlich kategorischem Episkopalernst , daß der arme Westfale vor Schrecken in den Boden zu sinken meinte und unwillkürlich in die Tasche der grünplüschenen Weste griff und ach , seinen letzten Schilling herausholte . Es mußte wohl so sein , denn alle übrigen bezahlten ebenfalls . Nachdem die Sache berichtigt war , schritt der Küster vorwärts . Der Westfale folgte ihm auf dem Fuße , seine Knie zitterten , er schnappte nach Luft , und in der Angst und Verwirrung achtete er gar nicht darauf , daß man , statt die Treppe hinunter nach der Straße zu gehen , die Treppe hinauf nach dem Turm schritt . Erst in der Mitte der ersten Windung bleibt er entsetzt stehen . Ein neuer Betrug ! Er will zurück , er macht kehrt - aber ach , wenigstens zwanzig Menschen sind schon hinter ihm ; keiner kann an dem andern vorüber , zu schmal ist der Gang , und » Follow me ! « ruft der Küster vor ihm , und » Go on ! « schreit die Menge hinter ihm , und weiter muß der Unglückselige , von einem Tritt zum andern , immer vorwärts , immer hinauf , unter Ächzen und Stöhnen , bis er endlich schweißtriefend oben in der Kuppel der Kirche anlangt . Herren und Damen sind indes nachgerückt ; immer voller wird der Raum , der eine drängt den andern , und unser Westfale sieht sich genötigt , eine kleine Erhöhung zu besteigen , von der man zu der höchsten Öffnung der Kuppel hinaufreichen kann . Sowie die Gesellschaft das Innere der Kuppel betrat , hatte sie alle Fenster und Luken in Beschlag genommen . Die Öffnung , welcher unser Freund zunächst stand , war bald allein noch unbesetzt , und man winkte ihm hinauszusehen und dann für andre Platz zu machen . Unwillkürlich faßte er daher rechts und links an die Seiten der Öffnung , und vom Boden emporspringend , hob er sich mit dem Oberkörper über das Dach hinaus , auf die Hände gestützt , die Beine noch immer baumeln lassend . Welch ein Anblick ! Aus dem stillen Westfalen plötzlich auf die Spitze der St.-Pauls-Kirche ! Ein kalter Schauder durchfuhr unsres Freundes Rücken : vor ihm ausgebreitet lag die Riesin London im heitersten Sonnenglanze . Des dichten Nebels wegen hatte der Westfale nur das bemerkt , was auf sechs Schritt zu bemerken war . Während er unten auf den Marmorstufen der Kirche betete , hatte aber der Wind den Nebel zerstreut , und alle Gegenstände der unermeßlichen Stadt traten jetzt aus dem Dunkel hervor und leuchteten in grandiosen Umrissen am entwölkten Horizonte . Dort die Yorksäule , die Nelsonsäule , die Türme der Westminsterabtei , St. James , die Bäume von Hyde Park und Palast an Palast bis hinaus in die weiteste Ferne . Nach der andern Seite die City mit ihren tausend und aber tausend verschlungenen und verworrenen Gassen und Gängen , mit den hochgegiebelten Häusern , vollgepfropft mit allen Schätzen des Erdballs , halb noch in bläulichen Rauch gehüllt , der sich in düstern Massen hinauswälzt bis in die entlegensten Felder . Und die Themse dann . Auf bläulicher Flut die schneeweißen Segel und Mast an Mast , so weit das Auge reichte , vom Tower bis hinab zur wogenden See . Dazu das Rasseln der Wagen , das Lärmen der Fußgänger , das Geräusch der Werkstätten und hunderterlei Stöhnen , Schreien , Murren , Brummen und Poltern , das in tollem Gemisch zu der Kuppel der Kirche emporklang - es schwindelte den armen Westfalen , krampfhaft faßte er den Rahmen der Luke , er dachte nicht mehr an den verlorenen Schirm , an den gestohlenen Mantel , an die verschwundene Uhr , an den konfiszierten Koffer , an die Rechnung des Wirts , an das Entrée der Kirche und an den letzten Schilling - nein , er dachte an nichts mehr , er sah nur , mit