für mich ist Amalie keine Lebende mehr , so hab ' ich sie immer betrachtet , wenn ich jetzt einmal träumend meiner Jugend und ihrer gedachte - und so wird es immer bleiben . « » Herr Graf , « versetzte Thalheim , » nur der sehnliche Wunsch einer Sterbenden konnte meine Aufforderung an Sie und diese Scene entschuldigen und heiligen - es ist in Ihrer Macht , mich und Amalien dem allgemeinen Spott preiszugeben - aber ich denke besser von Ihnen . « » Das hoff ' ich zu verdienen . Sie werden nie Ursache haben , es zu bereuen , mir gegenüber der Stimme des Gefühls gefolgt zu sein . Ob und wie wir uns auch wieder im Leben begegnen , wir werden es mit dem Bewußtsein können , einander vertrauen zu dürfen . « So schieden sie von einander . Als Thalheim die Vorsaalthüre geöffnet hatte , bot ihm Jaromir noch die Hand , die jener schweigend drückte . Dies war der Augenblick , in welchem Elisabeth aus der entgegengesetzten Thüre trat , welche zu der Blumenfabrikantin führte . Thalheim trat zurück und schloß die Thüre , ohne sie bemerkt zu haben . Aber sie hatte ihn und den Händedruck gesehen , mit dem er von dem Grafen schied , und war deshalb unwillkührlich einen Augenblick auf ihrem Platze stehen geblieben . Jetzt begegnete ihr Auge dem des Grafen - sein Blick auf sie ward immer schwärmerischer , leuchtender - sie senkte schnell ihre Augenlider und eilte die Treppe hinab . Sein Weg führte ja auch hinunter , aber er folgte ihr nur langsam . Für Amalien hatte er Nichts mehr empfinden können , als Mitleid - er empfand jetzt dasselbe beinahe für sich selbst . Ihr Leben schien vergiftet und elend geworden zu sein von dem Augenblick an , wo sie das Liebesverhältniß zu ihm aufgelös ' t hatte , und so war es ihm selbst auch ergangen . Von jenem Augenblick an hatte für immer seine glückliche Jugend mit all ' ihren glücklichen Zukunftsträumen geendet - er war ein anderer Mensch geworden . Er dachte jetzt an dieses Jugendglück . - Da fiel sein Blick auf Elisabeth - - auf diese schlanke , weißgekleidete Gestalt mit den schwärmenden Augen , der stolzen Stirn und den ernsten , fest aneinander geschlossenen Lippen , diese ganze Erscheinung , um welche der Zauber der heiligsten Jungfräulichkeit schwebte , einer schönen Unschuld , welche doch nicht mehr die eines spielenden Kindes war - es war eine Unschuld , die Würde und Grazie zugleich hatte und von hohem Ernst zeigte neben dem Ausdruck unentweihten Engelfriedens . Jaromir fühlte in diesem Augenblick ein neues Gefühl in seinem Herzen , das er aber nicht einmal zu fragen vermogte : woher kommst Du mir ? Als er so hinter ihr in ihrem Anblick verloren langsam die Treppe herabschritt , trat die Schauspielerin Bella aus dem Garten am Arme eines geschwätzigen Leutnants . » Sie suchten mich in meinem Zimmer , lieber Graf ? « sagte Bella zu Jaromir . » Vermuthlich um Ihr unartiges Billet von diesem Morgen wieder zurückzufordern , oder wenigstens dessen Ausdrücke zu corrigiren ? Nun - kommen Sie als reuiger Sünder , wer weiß , ob nicht Vergebung für Sie zu hoffen ist - ich bin gerade in gnädiger Laune . « Bella hätte zu jeder andern Stunde eher Jaromir begegnen und ihn wieder zu ihrem Sclaven machen können - aber nur jetzt nicht ! Der Contrast der Stimmungen und der Erscheinungen war zu groß - er fühlte plötzlich einen heftigen Widerwillen gegen Bella , und alle Höflichkeit , sogar alle gewöhnlichen Rücksichten vergessend , antwortete er heftig : » Es thut mir leid , daß ich in meiner jetzigen Stimmung unfähig bin , Ihr Gesellschafter zu sein , « und eilte mit flüchtigem Gruß an ihr vorüber . Elisabeth war eben zur Hausthüre herausgegangen , Bella hatte sie vorher auch begegnet , und war von der idealischen Schönheit des Mädchens überrascht gewesen . - Wer ist diese junge Fremde , fragte sie sich jetzt , mit welcher Szariny es wagt , sich in demselben Haus ein rendez-vous zu geben , welches ich bewohne , und mit der er es zugleich verläßt ? Daß sie den höchsten Ständen angehört , sah man auf den ersten Blick . - Und trotz dieser stolzen Haltung und diesem hochmüthigen Ausdruck im Gesicht wagt sie es , um des Grafen willen , die Etiquette zu verletzen ? - Ja , Szariny ist ein Zauberer ! - Und indem Bella dies dachte , fühlte sie heute mehr , als jemals , welche Macht Jaromir über Frauenherzen besitzen müsse , da das ihre , das er so eben schwer verletzt , gerade heute glühender , als jemals , für ihn schlug . V. Eine Genesende » Du aber , Mensch , dem Gott die Mittel gab Das Elend Deines Bruders zu vermindern - Du legtest ihm zu seiner Noth die Qual Der Täuschung noch und des Verlassenseins ! - « H. Riedel . Der Tag , wo Jaromir und Amalie einander wiedersahen , war für den Zustand dieser ein entscheidender gewesen . Eine große Krisis war in ihrer Krankheit eingetreten . Von diesem Tage an besserte es sich mit ihr . Ihr Arzt erklärte bald , daß jede Gefahr für sie vorüber sei . Schon hatte sie wieder Kraft , das Lager zu verlassen . Unterdeß waren die Sorgen in Thalheim ' s Familie auf ' s Höchste gestiegen . Henriette Krauß hatte ihm zwar Elisabeth ' s Geld gegeben , aber da sie hartnäckig den Namen der Person verschwieg , von der sie es empfangen , und da sie es an demselben Tag erhalten , an welchem Jaromir bei Thalheim gewesen war , so glaubte dieser nicht anders , als die Gabe komme von dem Grafen . Von ihm aber eine Gabe anzunehmen , vermogte er nicht ; weder sein Stolz , noch sein Ehrgefühl duldeten es - er siegelte die Banknote ein ,