, wenn die Straßen frei sind und der Markt aus , der Ketzer Lehren sind mir ein Gräuel , und die Juden speie ich an , Mariä Lichtmeß hab ' ich geopfert eine geweihte Kerze im Dom zu Havelberg und den Rabbiner Eliezar stieß ich mit dem Ellenbogen an der Treppe . Sancta Clara , Sancta Martha , Sancta Ursula , Sancta Beata und das heilige Blut in Wilsnack , Gold und Perlen waren nicht drin , die lieben Heiligen sollen ' s zählen ; zehn zum Aufgeld , was mich ' s kostet und Zehrgeld , den Hafer nur einen Groschen über ' m Marktpreis will ich schwören . Alle gute Geister - « Die Hexe hatte ihn noch nicht am Schöpfe gegriffen ; er murmelte noch , als er den Kopf leise aufhob und unter den wirren Haaren vorschielte ; aber je schärfer er blickte , um so leiser wurden die Töne . Es rauschte und klatschte noch immer zwischen den Kiefern , als er plötzlich sich aufrichtete und ärgerlich , den Staub abklopfend , rief : » Dummes Zeug ! das sind des alten Herrn Götz seine . Sollen mir wenigstens für die zerrissenen Riemen gut sein . « Fünftes Kapitel . Die Burg Hohen-Ziatz . Der Wetterhahn auf dem Giebel des Wohnhauses drehte sich noch immer in seinen verrosteten Angeln , ob doch der Sturm längst aufgehört hatte . Der Mond sah durch die zerrissenen Wolken auf die alte Burg Hohen-Ziatz , und wenn er ein Gefühl für irdische Dinge hätte , müßte der Mann im Monde sich gewundert haben . Ein altes verräuchertes Nest hätte es der Reisende bei Tage genannt . Auf einer Anhöhe , die aus den Sumpfwiesen vorragte , war es erbaut . Ringsum , wo die Gräben und Teiche aufhörten , zogen sich weite Föhrenwälder auf unebenem Boden , dessen Bestandtheil , der helle weiße Sand , schon dicht neben dem schwarzen Moorboden zu Tage lag . Enge und krumme Wege schlängelten sich mühsam durch die Waldung und die Roggen- und Haferfelder , die in der Lichtung der Forst lagen , schienen dem Auge im Verhältniß zu dem Walde so klein , daß es zweifeln konnte , ob die in der Burg lebten , wirklich davon leben konnten . Und doch stieß auf der einen Seite noch ein kleines Dorf daran , dessen elende Lehmhütten sich aus der Niederung in den Wald verloren . Aber ein sicheres Nest mußte es in den alten Tagen gewesen sein , ein rechter Versteck für Verfolgte . Der Hügel , auf dem das Schloß gebaut war , war nicht Sand , sondern festgestampfte Erde , mit kurzem , dichten Rasen bekleidet ; bei genauerer Betrachtung sah man ' s ihm an , daß er , wenigstens in seinen obern Theilen , nicht das Werk der Natur , sondern der Menschenhand war . Ein Bollwerk , ein alter Burgwall der Wenden , das Castell des älteren Dorfes , auf dem erst später die deutsche Cultur mit Steinen gemauert hatte . Aber ein Schloß , wie sie im Frankenlande , in Schwaben , auch drüben in Sachsen auf den Bergen und Hügeln mit den rothen Ziegeldächern in der Sonne flimmerten , war es doch nicht geworden . Die dicken Mauern und Thürme , die über und hinter den Erdwällen sich erhoben , waren nicht in dem Verhältniß ausgebaut , als sie angelegt schienen . Mochten den Herren die Mittel oder die Lust ausgegangen sein , mit so schwerem Geräth ein Haus aufzubauen . Sie waren zu dem Stoff und zum Theil zur Sitte ihrer Väter zurückgekehrt , und wo der Stein aufhörte , war mit Holz gezimmert , und wo die gebrannten Steine ausgingen , selbst der Lehm nicht verschmäht , um das Fachwerk auszufüllen . Selbst die Umfassungsmauer schien nicht auf allen Seiten fertig geworden , und wo sie Lücken bot , waren diese durch eingerammte Stämme mit Klammern , Gegenbalken und eisenbeschlagenen Spitzen ausgefüllt . Das Thor war noch ein großer steinerner Bogen , freilich nicht größer als in manchem Bauerhofe der sächsischen Lande , aber der achteckige Thurm drüben war schon aus Holz in einander gefugt , das mit rothem Ziegelstein ausgemauert war , und wo der Ziegelstein ausgefallen , hatte man in spätern Zeiten sich mit Mörtel und Lehm genügen lassen . Bunt genug , und nicht immer sehr rechtwinklig , sah es von draußen aus ; aber wenn Markgraf Friedrich der Erste , seligen Andenkens , vor hundert Jahren mit seiner faulen Grete vor der Burg sich gelagert , wäre es schneller zu Ende gegangen mit den Mauern von Hohen-Ziatz als mit denen von Plauen , Lentzen und den andern , die sieben Ellen dick waren . Die Bredow von Hohen-Ziatz hatten sich gefügt . Was nicht zu ändern ist , muß man gehen lassen , hatte der Vorfahr des Herrn Götz gedacht , als der erste Spaß vorüber war von der lustigen Schlacht am Kremmer Damm . Sie dankten Gott , daß die fränkischen Kriegsleute an ihrem Sumpf vorübergingen und Keiner Lust zeigte , den geschlängelten Damm durch die Wiese hinaufzureiten . Hätte doch Herrn Gottfrieds Großvater für den Fall sich sogar entschlossen , die alte Fahne auszuliefern , die er damals dem Hohenloher im Getümmel abnahm . Nun war sie in Hohen-Ziatz geblieben ; nicht im Saal unten bei dem andern Rüstzeug , vielmehr hing sie oben in der Giebelkammer , über Götzens Bett , wohin der Ritter sich zurückzog , wenn ' s ihm zu kraus und wirr unten ward . Der Stiel war schon von den Würmern zerfressen , die Seide auch , von der Zeit und dem Staub ; ja ein Käuzchen hatte in einem Sommer darin genistet , und der gute Herr Gottfried hatte es erst gemerkt , als die Kleinen einmal in der Nacht zu pipen anfingen . Zuerst hatte er etwas anders gedacht , was ein christlicher Ritter ohne Schande immer denken mag , denn vor bösen Geistern kann auch der Frömmste einmal erschrecken