ihr allein . Keine malt besser , keine bildet besser in Erz , Wachs und Holz . In der Stickerei übertrifft sie alle alten und neuen Weiber . Man weiß nicht in welcher Art der Gelehrsamkeit sie sich am mehrsten ausgezeichnet . Nicht mit den europäischen Sprachen zufrieden , versteht sie hebräisch , arabisch , syrisch und schreibt ein Latein , daß kein Mann , der sein Leben darauf verwendet , es besser kann . Der berühmte Niederländer Spanheim nennt sie » eine Lehrerin der Gratien und Musen « , der noch berühmtere Salmasius gesteht : er wisse nicht in welcher Art der Gelehrsamkeit er ihr den Vorzug geben sölle , und der Pole Rotyer nennt sie gar » das einzige Exemplar aller Wunderwerke an einem gelehrten Menschen , und ein gänzliches Monstrum ihres Geschlechts doch ohne Fehler und Tadel . « Denn in der That behielt sie bei ihrem außerordentlichen Wissen eine bewunderswürdige Demuth , wiewohl sie selbst gesteht , daß die unmäßigen Lobsprüche der Gelehrten sie jezuweilen zu eigener Selbstverblendung verleitet hätten . In späteren Jahren trat sie zu der Gemeine der Labadisten über , welche manche Aehnlichkeit mit den neuem Muckem gehabt zu haben scheint , starb aber unvermählt , da eine frühe Liebe ( schon in ihrem 15ten Jahre ) mit dem Holländer Caets sich zerschlagen hatte . Als Seltsamkeit von ihr wird angeführt , daß sie gerne Spinnen gegessen . Ihre gesammelten Werke gab der berühmte Spanheim unter dem Titel : Annae Mariae a Schurmann opuscula , Leyden 1648 , zuerst heraus . 17 Schenkungsurkunde . Capitel 11. Wie ich die ganze Gemein gespeiset , item wie ich nach Gützkow zum Roßmarkt gereiset und was mir alldort gearriviret . Des andern morgens zutheilete mein Töchterlein die lieben Brod , und schickte einem Jeglichen im Dorf eine Schnede . Doch da wir sahen , daß unser Fürrath bald würde auf die Neige laufen , schickete abermals die Magd mit einer Karren , so ich von Adam Lempkem gekauft , nach Wolgast mehr Brod zu hohlen , welches sie auch thate . Item ließ ich im ganzen Kapsel herumbsagen , daß ich am Sonntag wölle das heilige Abendmahl halten , und kaufete unterdeß im Dorf alle großen Fische , so sie fingen . Als nun endlich der liebe Sonntag kam , hielt ich erstlich Beicht mit der ganzen Gemein , und darauf die Predigt über Matth . 15 , 32. Mich jammert des Volks , denn sie haben nichts zu essen . Solliches deutete aber fürs erste nur auf die geistliche Speiß , und erhobe sich ein groß Seufzen unter Männern und Weibern , als ich zum Schluß auf das Altar wiese , worauf die liebe Seelenspeise stund , und die Worte wiederholte : mich jammert des Volks , denn sie haben nichts zu essen . ( NB . den bleiernen Kelch hatte mir in Wolgast geliehen , und vor die Patene ein klein Tellerlein gekaufet , bis Meister Bloom den silbernen Kelch und die Patene , so ich bestellet würde fertig halten . ) Als ich nun darauf das heilige Nachtmahl consacriret und ausgetheilet , item den Schlußvers angestimmet , und ein Jeglicher still sein Vater unser gebet , umb aus der Kirchen zu gehen , trat ich abermals aus dem Beichtstuhl herfür , und winkete dem Volk annoch zu verharren , da der liebe Heiland nit blos ihre Seelen sondern auch ihren Leib speisen wölle , angesehen er mit seinem Volk noch immer eben dasselbige Erbarmen hätte , wie weiland mit dem Volk am galiläischen Meer . Solliches sollten sie sehen . Trat also in den Thurm und langete zween Körbe herfür so die Magd in Wolgast gekaufet , und ich zu guter Zeit hier hatte verhehlen lassen , satzete sie für das Altar und zog die Tüchlein womit sie bedecket waren , davon , worauf sich fast ein laut Geschrei erhob , massen sie den einen voller Bratfisch , den andern aber voller Brod funden , so wir heimlich hineingethan . Machte es darauf wie der Heiland , dankete und brach es und gab es meinem Fürsteher Hinrich Seden , daß er es den Männern und meinem Töchterlein , daß sie es den Weibern fürlegen mußte , worauf den Text : mich jammert des Volks denn sie haben nichts zu essenauch leiblich anwandte , undauf und nieder in der Kirchen schreitend , unter großem gemeinen Geschrei sie vermahnete , immer Gottes Barmherzigkeit zu vertrauen , fleißig zu beten fleißig zu arbeiten und in keine Sünde zu willigen . Was übrig blieb mußten sie vor ihre Kinder und alten Greise aufheben , so zu Hause geblieben waren . Nach der Kirchen , und als ich kaum meinen Chorrock abgethan , kam Hinrich Seden sein gluderäugigt Weib wieder und verlangete trotziglich noch ein Mehres vor die Reise ihres Mannes nach der Liepe ; auch hätte sie vor sich selbsten noch Nichtes erhalten , angesehen sie heute nit in der Kirchen gewesen . Solliches verdroß mich fast , und sagete ich zu ihr : warum bistu nit in der Kirchen gewesen ? Doch wärestu demüthig kommen , hättestu auch jetzt noch etwas erhalten , da du aber trotziglich kümmst , geb ' ich dir Nichts . Gedenke doch wie du es mit mir und meinem Kinde gemacht . Aber sie blieb bei der Thüren stehen und gluderte trotzig in der Stuben rings umbher , bis sie mein Töchterlein beim Arm nahm , und heraus führete , indeme sie sprach : » hörstu ? du sollst erst demüthig wieder kommen , ehe du etwas empfähest ; kömmstu aber also , so solltu auch deinen Theil haben und wir wollen nit weiter mit dir Auge um Auge , Zahn um Zahn rechnen , das möge der Herr thun so ihm beliebt , wir aber wöllen dir gerne vergeben ! « Hierauf schritt sie endlich nach ihrer Weiß , heimlich mummelnd aus der Thüren , doch spiee sie verschiedentlich auf der Straßen aus , wie wir durch das Fensterlein sahen