' s in der Gesellschaft erregte . Die wilden Leidenschaften der Jugend hatten sich bei ihm gelegt , sein Sohn , der Mutter Liebling , war ihm fremd geblieben ; er vermißte eine freundliche Heimath , die Anhänglichkeit einer Familie , und so konnte es nicht fehlen , daß der Tochter demüthige Ergebenheit , ihr kindliches Anschmiegen ihn fesselten . Er liebte sie , wie er zu lieben im Stande war . Sie war sein Stolz , die Krone seines Besitzes , und alle seine Wünsche gingen darauf hinaus , diese Tochter so glänzend , als möglich , versorgt zu sehen . Wie angenehm mußte es ihn also überraschen , als die Commerzienräthin , die das freundliche Verhältniß ihres Mannes zu der Tochter stets mit gewohnter Gleichgültigkeit betrachtet hatte , ihm einst ganz unvermuthet die Frage vorlegte , ob es jetzt , da Clara bereits im zwanzigsten Jahre sei , nicht Zeit werde , an die Verheirathung derselben zu denken . Sie theilte ihm mit , daß sie schon seit längerer Zeit mit ihrer in England verheiratheten Schwester den Plan entworfen habe , den einzigen Sohn derselben mit Clara zu verbinden . Sie bewies , daß ihr Schwager Hughes , nach englischer Sitte an die Bevorzugung des ältesten Erben gewöhnt , gern bereit sein werde , Ferdinand im Besitze des väterlichen Vermögens zu lassen , und daß auch ohne dieses Clara reicher und glänzender versorgt sein würde , als es in Deutschland jemals der Fall sein könnte . Der Plan , den die Commerzienräthin dabei hatte , war , einst die gleiche Theilung des Vermögens zwischen ihren beiden Kindern zu vermeiden ; und er fand , wenn auch aus andern Gründen , bei ihrem Gatten volle Billigung . William Hughes galt nach Allem , was man über ihn wußte , für einen gescheidten und wackern Jüngling . Die Millionen seines Vaters kannte der Commerzienrath aus Erfahrung , und daß der alte Hughes Mitglied des Unterhauses war , daß auch William dies einst werden und sich eine glänzende Laufbahn für ihn eröffnen könne , entschied nicht wenig zu Gunsten dieser Angelegenheit , so daß die Commerzienräthin volle Freiheit erhielt , dieselbe nach ihrer Ansicht einzuleiten . Nichts war leichter , als den jungen reiselustigen Engländer zu einem Ausflug nach dem Continent und zu dem gelegentlichen Besuche seiner Familie zu überreden , die er nur als Knabe gesehen hatte ; und der schmeichelhafte Empfang , der ihm von Onkel und Tante wurde , die große Freude , welche Ferdinand , dem die Plane seiner Mutter nicht unbekannt waren , über des Vetters Anwesenheit an den Tag legte , bewogen diesen bald zu einem längeren Verweilen in dem verwandten Hause . Für Clara begann mit des Vetters Anwesenheit ein neues Leben . Mutter und Bruder überboten sich in tausend Freundlichkeiten gegen sie , man bemühte sich , sie in dem vortheilhaftesten Lichte erscheinen zu lassen , und war jetzt plötzlich bereit , ihren Ansichten und Wünschen zu schmeicheln , weil man sie zu ähnlicher Fügsamkeit zu überreden wünschte . Von Natur weich und hingebend , fühlte Clara sich zum ersten Mal in ihrem Leben wahrhaft glücklich , durch das Wohlwollen , von dem sie sich umgeben sah ; und da auch auf sie das Glück seinen verschönenden , belebenden Einfluß zu machen nicht verfehlte , war es nur natürlich , daß William seine Cousine sehr liebenswürdig fand . Er beschäftigte sich angelegentlich mit ihr , und bald begann sich ein zutraulich heiteres Verhältniß zwischen ihnen zu bilden , dessen Entstehen von der ganzen Familie mit Freuden bemerkt wurde . Da kam an dem Abende , an dem diese Erzählung beginnt , der unglückliche Zufall dazwischen , der Clara für lange Zeit von der Gesellschaft trennte , die Heirathsentwürfe ihrer Mutter für sie zunächst hinausschob , und Eduard in ihre Nähe brachte . Nach dem ersten Aufruhr , den dieses Ereigniß verursacht hatte , fing man im Hornschen Hause bald wieder an , sich den gewöhnlichen Beschäftigungen und Zerstreuungen hinzugeben , und Clara wurde von ihrer Mutter vernachlässigt wie früher , was ihr nach dem kurzen Traume von Glück um so schmerzlicher sein mußte . Fast immer , wenn ihr junger Arzt sie besuchte , fand er sie mit einer Wärterin allein , und seinem geübten Auge konnte es nicht entgehen , daß bei seiner Kranken die Seele empfindlicher noch als der Körper leide . Die Geduld , mit der sie ihre Schmerzen ertrug , die Sanftmuth und Ruhe ihres ganzen Wesens , und ein Zug von stiller Resignation machten ihm die Kranke werth . Er bemühte sich , durch Unterhaltungen mancher Art ihre Aufmerksamkeit zu beleben ; er kam , so oft er es konnte , dehnte seine Besuche lange aus , und fand den schönsten Lohn dafür in der dankbaren Freude , mit der das junge Mädchen ihn begrüßte ; in dem Genuß , den er selbst bald dabei zu empfinden begann . Oft , wenn er sie am Morgen in möglichst gutem Wohlsein verlassen hatte , war sie Abends in einem aufgeregten , beunruhigenden Zustande , für den in ihrem körperlichen Befinden kein Grund vorhanden war , und den er mit Recht unangenehmen Gemüthsbewegungen zuschreiben mußte . So fand er sie denn auch eines Abends , weinend und so bewegt , daß sie kaum seine Fragen zu beantworten vermochte . Ein heftiger Streit der Eltern , veranlaßt durch Ferdinand ' s Verschwendung und seine ungeregelte Lebensart , war unglücklicherweise in dem Krankenzimmer ausgebrochen . Der Vater hatte sich mißbilligend darüber geäußert , daß Ferdinand jetzt fast niemals mehr bei Tisch erscheine , daß er seine Zeit in leichtsinniger Gesellschaft verbringe , daß er durch die unverzeihliche Schwäche der Mutter in all diesen Fehlern bestärkt werde , die er als Vater nicht länger dulden wolle . Gereizt durch den doppelten Tadel , der sie und ihren Liebling traf , hatte die Commerzienräthin heftig erwiedert , sie könne eine Lebensweise an ihrem Sohne nicht so strafbar finden , zu der des Vaters früheres