mit sich , wie der Gefangene die Kette . Ich kenne das ! - Ueberlege es Dir selbst , wie viele von unsern früheren Bekannten glücklich oder innerlich gefördert worden sind durch die Ehe , die ich übrigens nicht angreifen will . Sie paßt nur nicht für Jeden , und ich glaube , ich würde mich jetzt darin ausnehmen , als wenn ich mir die Kleider anzöge , die ich zu meinem Confirmationstage trug . Hätte ich zu sechsundzwanzig Jahren geheirathet , ich wäre nun vielleicht ein solider Hausvater , der seinen Kohl baut , die Frau Gemahlin Sonntags in die Kirche führt und die Jungen buchstabiren lehrt . Jetzt möchte das mir nicht mehr anstehn . Nimm selbst den Fall , ich fände ein Weib , wie ich es wünschen müßte , das Wort und Probe hielte - wo wäre die Gewißheit , daß ich für sie paßte ? In der Ehe wird gar zu oft nur Einer von den Gatten glücklich , und das scheint mir auch zwischen dem Geheimrath von Meining und seiner Frau der Fall zu sein , bei denen ich neulich einen Abend zugebracht habe . Er ist , das sieht man , mit seinem Loos durchaus zufrieden ; ob sie es ist ? Ich zweifle . Auch ist sie in Wahrheit zu jung für ihren Mann , den Jeder für ihren Vater halten muß . Sie kann wirklich noch recht schön sein , gradezu noch schön . Obgleich sie mir , als ich sie zuerst wiedersah , gewaltig verändert schien , finde ich mich jetzt in den bekannten Zügen zurück , erfreue mich an dem feinen Ausdruck ihres Gesichts und namentlich an ihrer schönen Farbe , wenn sie lebhaft spricht . Es ist nicht jenes plumpe Roth , das heißes Blut und die Sinne in die Wangen treiben , sondern der lichte , zarte Wiederschein einer warm empfindenden Natur und ganz etwas Eigenthümliches an ihr . Sie ist noch immer eine interessante Frau . Heute Abend will ich noch einen Ball mitmachen , morgen noch ein paar Besuche , und dann geht ' s in den Wald zurück . Der Hauptmann v. Feld an Robert Thalberg . Den 11. December . Ich kenne Dich zu lange , um nicht zu wissen , daß ich diesen Brief in Gottes Namen nach Berlin richten kann , und daß er Dich dort finden wird . Fährst Du nicht wirklich sehr bald ab , liebster Freund , so bleibst Du lange dort ; und willst Du wissen , was Dich festhalten wird ? die Geheimräthin von Meining . Ich habe immer die Ueberzeugung gehabt , daß Dir Clementine weit mehr war , als Du nachher in Deiner Sturm- und Drangperiode selbst geglaubt hast ; wo Du von Freundschaft , herzlicher Anerkennung und allem Teufelszeuge fabeltest , während eine ganz gesunde , innige Liebe Dir im Herzen saß , bis jene unglückselige , aber freilich reizende Brigitte , wie ein Komet an Deinem Horizonte erschien , und Dich in ihren Weltfahrten und Wirbeln mit sich fortriß . Es war eine tolle Zeit . Du bist übrigens mit den Frauen lange nicht so fertig , als Du glaubst , und wenn Du Dir nicht bald eine vernünftige Frau nimmst , stehe ich für Nichts . Sei gescheut und mache aus Großmuth und Reue , » aus herzlicher Anerkennung und Freundschaft « , keine dummen Streiche . Das ist ein ehrlich Soldatenwort - kurz und bündig , wie ich es liebe . Aus Clementinens Papieren . Den 6. December . Gott sei Dank ! Der Abend ist vorüber . Der Mensch kann doch gewaltig viel über sich gewinnen . Nach dem Eindruck , nach dem Entzücken und der bangen Scheu , mit der ich Robert gestern wiedersah , hätte ich es nicht für möglich gehalten , den heutigen Abend so ruhig mit ihm verleben zu können . Wie schlug mir das Herz , als er in unser Wohnzimmer trat , als ich ihn hier erblickte , wo ich einst an seinem Herzen die bittersten Thränen des Abschiedes weinte , und doch einen Himmel von Hoffnungen in der Brust trug . Auch ihn schien es zu bewegen , als er in die alte , ihm einst so bekannte Wohnung trat , die ihm doch fremd geworden sein muß , in den neuen Anordnungen , wie ich selbst es ihm geworden bin . Seine Stimme klang mir gestern so weich , so mild , es lag die Versöhnung einer langen Vergangenheit darin - oder trog mich nur mein Wunsch ? Er ist noch ganz der Alte , mir noch derselbe , der er mir immer war ; auch Meining schien ihn sehr anziehend zu finden . Er hat ihn dringend zur Wiederkehr geladen , die ich aber nicht wünschen kann und darf . Es ist so schwer , gegen Jemand den gleichgültigen Ton der Gesellschaft zu finden , der uns einst so nahe stand , dessen Stimme das Echo in unsrer Seele erweckt . Aber was man ernstlich will , das soll man ja erreichen können ; und Robert fährt bald wieder fort , und Alles bleibt wie es bis jetzt gewesen . Er muß viel gedacht , viel erlebt haben , seit ich ihn nicht gesehen . Es klingt so Vieles aus seinen Reden hervor , was er nicht ausspricht und was ich dennoch höre und verstehe . Wenn ich nur Herr wäre über mich ; aber mein Herz klopft und meine Nerven beben , wenn er kommt . Ich wollte , er wäre nicht mehr hier . Den 8. December . Es ist fast zwei Uhr in der Nacht ; ich komme von Mariannens Ball zurück , und ich bin munter und frisch wie in der Jugendzeit . Es ist mir noch nicht möglich , mich zur Ruhe zu legen . Das erste klare Winterwetter hat immer einen so belebenden Einfluß auf mich ausgeübt . Sogar schreibelustig bin ich ; habe ich doch vorgestern und heute meinen alten Vertrauten , das