sprach wenig , doch das fiel Faustinen nicht auf , sie wußte , wie gern er ihr zuhörte . Er achtete auch nicht auf den Weg , und das fiel ihr auch nicht auf , weil sie sich immer unbekümmert von ihm führen ließ , und die ungebahnten Stege sehr liebte . » Wo sind wir denn eigentlich ? « fragte sie endlich , als sie aus einem dichten Gehölz auf eine Wiese heraustraten , die rings von Wald umgeben war und durch die ein sumpfiger Bach langsam floß . » Es ist recht schauerlich hier ! - muß ich über den Bach ? « » Freilich ! « sagte Clemens , und ohne weiter zu fragen , nahm er sie zierlich auf den Arm und trug sie hindurch . Als Faustine drüben wieder festen Fuß gewonnen , sagte sie verdrüßlich : » Das verbitte ich mir ! ich kann meine Füße gebrauchen ! - Wohin nun ? « Sie schüttelte ihr Kleid ab , als wollte sie seine Berührung abstreifen . Sie that es ganz unwillkürlich und das eben kränkte ihn tief . Er antwortete auf ihre Frage : » Das weiß ich wirklich nicht . « » Warum trugen Sie mich denn durch den Bach , wenn ' s unnütz ist ? « » Das weiß ich auch nicht . « » Nun so gehen Sie , bitte , den Weg suchen . « Sie setzte sich auf einen Stein . Clemens blieb unbeweglich neben ihr stehen . » Sind Sie zu ermüdet ? « fragte sie . » Nein , ich möchte Sie nur um etwas fragen . « » Was zaudern Sie denn ? es ist so unbehaglich hier ! - Also ? « » Weshalb schüttelten Sie vorhin Ihr Kleid ab , als krieche garstiges Gewürm darauf ? « » Ich mag nicht , daß man mich anfaßt , « sagte sie und lachte . » Nehmen Sie es nicht übel , es ist eine Eigenheit . Und da Sie mich sans rime et sans raison durch den Bach getragen , so sehe ich wirklich nicht ein , weshalb ich Ihnen dankbar sein soll . « » Ich bin recht unglücklich ! « reif er . » Weil Sie den Weg verloren haben ? « » Nein , den Kopf . « » Das ist freilich übel , « sprach sie ernst . » Suchen Sie erst jenen , dann finden Sie auch wol diesen wieder . Es wird regnen , glaub ' ich . « Clemens sprang über den Bach zurück und verschwand im Gehölz . Faustine wartete ; die Zeit wurde ihr lang . Es dunkelte zwar noch nicht , allein finstere Wolken zogen sich herauf . Ihr graute auf dem öden Fleck . Sie beschloß , mit dem Bach zu gehen , ohne die Rückkehr ihres Gefährten abzuwarten . Einige Regentropfen fielen . Sie stand auf und ging durch die Wiese , durch das Gehölz , und stand nach einer tüchtigen Viertelstunde auf der Landstraße . Der Clemens hat wirklich den Kopf verloren , dachte sie ; dies ist ja das Thal von Oberwalldorf , und der kleine sumpfige Bach , der mir ein treuerer Führer gewesen ist , als er , fällt dort in unsern großen , wohlbekannten Waldbach . Nur nie auf Menschen sich verlassen , immer auf die Natur ! - Es regnete stark . So kam sie tüchtig durchnäßt , aber wohlbehalten nach Hause , wo sie ihr Abenteuer der staunenden Schwester erzählte und sich sehr über Clemens Ungeschick lustig machte . Adele sagte : » Er wird Dich jetzt suchen und in Todesangst sein . « » Freilich wird er das ! « » Du hättest ihn doch lieber erwarten sollen ? « » Dort auf der unheimlichen Wiese sitzen und mich naß regnen lassen ? Nein , seine Unachtsamkeit verdient die kleine Strafe . « » Solche Widerwärtigkeiten hat man von den Promenaden ! Du wirst den Schnupfen bekommen und er .... « - » Vielleicht den Husten ! « sagte Faustine lustig . » Das ist ja kein Unglück ! aber ich werde nicht mehr mit ihm spazieren gehen . « Clemens hatte den Weg wieder zurückmachen wollen , den sie gekommen . Da er ihn aber nicht beachtet , so kam er seitab zu einem Köhler , dessen Buben er mitnahm , um den Heimweg sich zeigen zu lassen . Auf die Waldwiese zurückgekehrt , fand er zu seinem Entsetzen Faustine nicht mehr . Statt gradeswegs nach Oberwalldorf zu gehen , fing er an umher zu irren und zu suchen , er rechts , der Bube links . Es regnete , es dunkelte ; er begegnete keiner Seele , kein Hirt , kein Kohlenbrenner , der sie gesehen hatte ! Daß ihr ein Unglück zugestoßen , glaubte er zwar nicht ; es gab hier keine Räuber , keine gefahrvollen Abgründe ; aber verirrt konnte sie sein , geängstigt . Er raufte sich das Haar aus vor Verzweiflung . Endlich that er , was er gleich hätte thun sollen , und gethan haben würde , wenn er eben nicht den Kopf verloren : er ging nach Oberwalldorf , um die Schloßbewohner , und sollte es Noth thun , auch die Dorfbewohner nach Faustine auszusenden - dachte er . Die Thurmuhr schlug elf . Sonst war um diese Stunde das ganze Schloß dunkel . Heute Licht in einigen Zimmern ! Sie ist nicht da , sonst wären sie wol schlafen gegangen - dachte er . Er trat in den Saal . Sie war da . Er flog auf sie zu , ergriff ihre Hände , küßte sie mit stürmischem Entzücken und sank dann halb ohnmächtig auf einen Stuhl , keines Wortes mächtig . Walldorf besprengte sein Gesicht mit Wasser , Adele hielt ihm Aether vor . Faustine sah zu . » Was dachten Sie denn eigentlich ? « fragte sie , nachdem er sich erholt . » Nichts ! « sagte er . » Sonst würd