Er gehörte zu dem weitläuftigen Geschlechte derer von Schnuck , welches weit umher in diesen Landschaften seine Besitzungen hatte , und sich in folgende Linien , Zweige , Äste und Nebenäste spaltete , nämlich in die I. Ältere , oder graumelierte Linie - Linie Schnuck- Muckelig ; gestiftet von Paridam , Herrn auf und zu Schnuck-Muckelig . 1. Älterer oder aschgraumelierter Zweig - Zweig Schnuck-Muckelig-Pumpel . 2. Jüngerer oder silbergraumelierter Zweig - Zweig Schnuck-Muckelig-Pimpel . II. Jüngere oder violette Linie - Linie Schnuck- Puckelig , gestiftet von Geyser , Burgmannen auf und zu Schnuck-Puckelig . 1. Älterer oder violetter Zweig mit Schüttgelb . Zweig Schnuck-Puckelig-Schimmelsumpf . a. Ast Schnuck-Puckelig-Schimmelsumpf-Mottenfraß . b. Ast Schnuck-Puckelig-Schimmelsumpf , genannt aus der Rumpelkammer . ( NB . Stand nur auf vier Augen . ) 2. Jüngerer oder violetter Zweig , genannt im Grützfelde . Zweig Schnuck-Puckelig-Erbsenscheucher . a. Ast Schnuck-Puckelig-Erbsenscheucher von Donnerton . b. Ast Schnuck-Puckelig-Erbsenscheucher in der Boccage . Davon der Nebenast : Schnuck- Puckelig-Erbsenscheucher in der Boccage zum Warzentrost . Von diesem Nebenaste war unser alter Baron entsprossen . Die vielfältige Teilung des Geschlechts derer von Schnuck hatte eine bedeutende Teilung des Stammerbes zur Folge gehabt , und namentlich in der jüngeren Linie , welche von jeher durch große Fruchtbarkeit ausgezeichnet war , die Güter in eines jeden Erbherrn Händen merklich gemindert . Man war daher zu der Erfindung überzugehen genötigt gewesen , daß denen von Schnuck alle Kirchenpfründen und alle Kriegsämter im Fürstentume von Rechts wegen gehören ; eine Erfindung , die um so eher bei den Fürsten von Hechelkram Glauben fand , als die Schnucks , wie gesagt , über das ganze Land verbreitet waren , und Vetter Botho sagte , es sei so , Vetter Günter behauptete , es sei so am besten , Vetter Achaz einfließen ließ , die Schnucks und ihr Anhang bildeten die eherne Mauer um den Thron , Vetter Bartholomäus folgerte , weil es notwendig sei , daß die Schnucks existierten , so müßten sie auch die Mittel zu ihrer Existenz , d.h. Pfründen und Ämter , haben , sechsunddreißig andre Schnucks aber noch sechsunddreißig andre Gründe für die Richtigkeit der Erfindung zum Vorschein brachten . Die Fürsten , welche nur von Schnucks umgeben waren , und von diesen nichts anderes hörten , als vorgedachte Reden , mußten wohl endlich an die Richtigkeit der Erfindung glauben . Bedeutend wirkte auch auf die Stärkung dieses Glaubens der Umstand ein , daß nach der Verfassung von Hechelkram der jedesmalige Fürst seine jedesmalige Geliebte aus dem Geschlechte derer von Schnuck zu beziehen hatte . Diese Damen waren aber , wie sich von selbst versteht , im agnatischen Interesse tätig . Die Erfindung war daher bald fest begründet , und gelangte als Anhang in den Landeskatechismus . Nun konnten die von Schnuck unbesorgt hinleben und ihren Samen mehren , wie Sand am Meere . Wenn sie das Ihrige verzehrt hatten , so zehrten sie als Generale auf Regimentsunkosten weiter , und die Söhne , außer einem , ließen sie Prälaten oder Geheime Räte im höchsten Kollegio werden . Denn ich habe die Erfindung nicht ganz vollständig vorgetragen : Nach derselben war jeder Schnuck , wenn er den Zivildienst wählte , geborner Geheimer Rat im höchsten Kollegio . - - » Sie stocken ... Sie seufzen ... Herr Herausgeber ? « » Ach , meine Gnädige , ist es nicht ein Unglück für einen armen Erzähler , daß er immerfort die alten Geschichten wieder aufwärmen muß ? Die Sachen , die ich da berichte , schienen schon vor fünfzig Jahren durch die Romanenschreiber jener Zeiten so verbraucht zu sein ! Und ich muß den längstgekochten Kohl doch wieder zum Feuer rücken ! « » Sie erzählen ja von der Vergangenheit , Herr Herausgeber , und dahinein gehören allerdings solche alte Geschichten . « » Ich danke Ihnen tausendmal für diese Erinnerung , meine Gnädige . Jawohl , ich erzähle von der Vergangenheit , von Dingen , die ab und tot sind , wie die weiland in der Schmiede gewesene Adelskette . Meine Phantasie riß mich nur hin , daß ich mir die Erfindung derer von Schnuck als der Gegenwart oder nächsten Zukunft angehörig vorstellen mußte . Nein , sie wird nicht wieder aufkommen , diese Erfindung ; gegen sie spricht wirklich eine ungeheure Majorität , die Majorität aller rechtlichen Leute , die es sich haben sauer werden lassen in der Welt . Also nur ohne Stocken und Seufzen weiter in diesen Sagen der Vorzeit ! « Unser alter Baron hatte in seinen jungen Tagen von dem Herrn Vater nur das Schloß Schnick-Schnack-Schnurr ererbt , welches früherhin ein Pachthof gewesen , und erst späterhin zu seinem Ehrentitel gediehen war . Es warf jährlich etwa zweitausend Gulden ab , oder höchstens zweitausendfünfhundert . Der selige Vater hatte das Wohnhaus wohl in Fach und unter Dach erhalten , die Wappenlöwen standen recht majestätisch auf den beiden Pfeilern , zwischen denen sich eine eiserne Pforte befand , wie sie nur sein mußte , der Hof war damals auch noch gepflastert , und in den Zimmern hingen schöne bunte Familienbilder , standen rötlich lackierte Stühle und Kommoden mit goldnen Leisten . Hinter dem Schlosse aber hatte der Vater einen Garten in streng-französischem Geschmack anlegen und Schäfer und Liebesgötter von Sandstein hineinsetzen lassen . Zweitausend oder zweitausendfünfhundert Gulden jährlich sind zwar nur ein schmales Einkommen für einen Edelmann , allein unser alter Baron hätte sich damit in seiner ländlichen Abgeschiedenheit doch wohl aufrechtzuerhalten vermocht , wenn er nur nicht mit dem Gedanken aufgewachsen wäre , er sei geborner Geheimer Rat im höchsten Kollegio . Aber seit seinem vierzehnten Jahre legte er sich mit dieser Vorstellung nieder , und stand mit derselben morgens wieder auf ; sie gab ihm eine Sicherheit des Bewußtseins , welche nichts zu erschüttern vermochte . Gelernt hatte er , die Wahrheit zu sagen , wenig oder nichts , sein Herr Vater war dagegen , und der Meinung gewesen , viel wissen sei für einen Kavalier unanständig . Er hatte eine freie , sorglose