ein Haupt erblichen , sanft an , schwebte dann näher , und je näher es kam , desto deutlicher erkannte er das Medusenantlitz , welches ihm zuletzt voll furchtbaren Ernstes , und doch unendlich milde , tief in die Augen blickte . Darauf wich es zurück , und so schwankte dieses wache Traumbild zwischen Nähern und Entfernen , Milde und Schreck einige Male hin und her , bis es plötzlich wie eine Maske umfiel , und eine lachende Gestalt , die sich dahinter verborgen , hervorsprang , welche Flämmchens Züge trug . Sanfte Töne erweckten ihn nach einigen Stunden aus dem dumpfen Morgenschlafe , in welchen sich denn doch zuletzt jene Spiele der Einbildungskraft verloren hatten . Ein roter Schein zitterte durch das Haus . Noch war es leer . Sein erster Gedanke suchte die Kinder . Er stieß eine Tür auf , da ward ihm ein Anblick , der nicht schöner sein konnte . Auf einer über den Fußboden gebreiteten Matratze ruhten die Unschuldigen lächelnden Gesichts nebeneinander . Die trotzigen Züge des Knaben waren gemildert , der Kopf des Mädchens lag auf der Brust des Bruders , sie hielt ihre Hände gefaltet . Der Knabe hatte seine Schwester im Arme . Das Morgenrot beleuchtete die Gruppe , und gab dem dunkelblauen Pfühle , auf dem die Kinder schliefen , eine tiefe Purpurfärbung . Dazu erklangen von draußen die gehaltnen Töne der Blasinstrumente . Doch nur wenige Augenblicke dauerte dieses schöne Gesicht . Das Morgenrot setzte sich schnell in den gelben Schein des Tages um , die Gestalten der Kinder erbleichten , und die Farbe des Pfühls wurde ein kaltes Blau . Draußen fielen die Instrumente mit einem hallenden Jägerstückchen ein . Hermann ging hinaus . Vier bis fünf Grünröcke standen im Kreise und bliesen . Nachdem sie ihr Stückchen vollendet , wandte er sich an den , der ihm der Herr und Meister der übrigen zu sein schien . » Herr Förster « , sagte er etwas bitter , » Ihre Frau lebt noch , aber Ihre armen Kinder sind fast vor Angst gestorben . « Der Förster , der sich seines Hagestolzenstandes in Ehren bewußt war , und schon mit Verdruß einen Fremden aus seinem Hause hatte kommen sehn , musterte Hermann vom Kopf bis zum Fuß , und entgegnete nichts , als ein langgezognes : » Was ? « Man erklärte sich indessen bald . Die Kinder waren mit ihrer kranken Mutter tags zuvor angekommen , und hatten den Förster um den Liebesdienst gebeten , sie aufzunehmen , weil die Mutter vor übergroßen Schmerzen nicht einen Schritt weiter fahren konnte . Woher sie gekommen ? Wie die Familie heiße ? Was der Frau fehle ? um alles dieses hatte sich jener Westfale nicht bekümmert . Denn er war der Meinung , daß das Wissen aufblase , und unnütze Neugier vom Übel sei . Es war gleich nach dem Arzte geschickt , die Kinder selbst hatten , entschlossen , wie Hermann sie kannte , einen Boten an ihren Vater gedungen . Somit war alles Nötige geschehen , und der Förster hatte sich nicht weiter um die Sache bekümmert , sondern seinen gewöhnlichen Holzgang gehalten . » Es war keine Seele im Hause . Wie konnten Sie die Unglücklichen über Nacht allein und hülflos lassen ? « fragte Hermann mit Heftigkeit . » Mein Herr , was geht Sie denn eigentlich meine Handlungsweise an ? « entgegnete kaltblütig der Förster . » Ich war auf dem Tanz bei dem Hofschulzen , wohin ich alle Jahre mit meinen Leuten gehe . Engel sollte zu Hause bleiben , ist Engel fortgelaufen , so kriegt Engel die Karbatsche ! « - Er verstand unter diesem Engel seine Magd Angela , welchen Namen das Volk dort solchergestalt zusammenzieht . Hermann war überzeugt , daß er hier ins Mittel treten müsse , um die Gefühllosigkeit des Grünrocks durch das Interesse zu bezwingen . Die Goldstücke der Herzogin , die ihm freilich zu einem andern Zwecke gegeben waren , brannten in seiner Tasche ; er rief : » Ich bezahle alles , was die Kinder mit ihrer Mutter bei Ihnen verzehren , aber ich bitte mir aus , daß Sie gewissenhafter sich ihrer annehmen . Heute abend oder morgen früh bin ich wieder hier . « Er ging , ohne den Förster nach dem Wege zu fragen , was auch unnötig war . Denn nur die Nacht hatte ihn getäuscht . Das Försterhaus lag auf einer Waldblöße , und hinter einem dünnen Saum von nahem Gebüsch lief der große Heerweg . In kurzer Entfernung sah er den wohlbekannten Turm des Städtchens . Er hatte sich also am Abend zuvor im Zirkel umhergetrieben . Der Förster stand nach der leidenschaftlichen Anrede Hermanns einige Minuten schweigend , als müsse sich seine Seele erst besinnen , wie sie solche Beleidigungen aufzunehmen habe . Dann brach er mit einem grimmigen Fluche los , und rief zornig , daß seine Rüden zu bellen begannen : » Brauche ich denn dein Geld ! Bin ich denn ein Schenkwirt ? So soll doch das Donnerwetter dareinschlagen ! « Er ging eiligst in sein Haus , entschlossen , wie rohe Menschen in solchem Fall zu sein pflegen , für die Schuld eines Dritten die Unschuldigen büßen zu lassen . Zwölftes Kapitel Nach der tiefsinnigen Bemerkung des seligen Asmus rühren die Mißverständnisse gewöhnlich daher , daß einer den andern nicht versteht . Dieser Satz erhielt durch das , was nunmehr zwischen Hermann und dem Komödianten vorfiel , eine neue Bestätigung . Flämmchens Fluchtgeschichte war einfach genug . Das Mädchen war die Tochter eines polnischen Offiziers , der , unter den Fahnen des Eroberers dienend , Mutter und Kind auf den Kriegszügen durch Deutschland mit sich umhergeführt hatte . Er blieb in einer großen Schlacht , bald nachher starb auch seine Geliebte , eine Spanierin , von Klima und Mangel aufgezehrt . Aus den Händen armer Leute empfing der Komödiant das elternlose Geschöpf . Er war ein gutmütiger Mensch und spielte schon damals edle Väter