Das ist mein Pfand . Glauben Sie aber nicht , daß ich es für ein paar armseelige Guineen zurückzugeben gedenke ! Sie können es sobald Sie wollen bei einer schicklichen Gelegenheit eintauschen . « - Der Scherz mißfiel mir , aber um ihm keine Wichtigkeit zu geben , und seine Bedeutsamkeit nicht überlegend , ließ ich ihn im Besitze des Rings . Wie ich mit meinem , durch so bittre Verlegenheit erworbenen , Schatz nach Hause kam , untersuchte ich meinen Geldvorrath , und fand zu meinem Erstaunen , daß neun bis zehn Pfund alles sey , was er enthielt . Mir war es räthselhaft , wohin mein Geld gekommen seyn könnte ; aber da ich ein ähnliches Erstaunen bei meinem Vater voraussetzen mußte , wenn ich ihn um Vorschuß ersuchte , wendete ich mich zuvörderst mit meinem Gesuch an meine Freundin Miß Julie . Mit einem Erguß von Bedauerniß und Selbst-Anklage , erklärte sie mir , kaum einige Guineen zu besitzen ; sie habe zwar baar Geld in Händen gehabt , allein bei ihrem letzten Besuch bei ihrem Bruder habe sie ihn in einer Verlegenheit gefunden , » und gut , wie ich bin « , waren ihre Worte , » half ich ihm aus , indem ich mir eine Freude daraus machte , ihm diesen Beweis von der Großmuth meiner edlen , hochherzigen Freundin gegen ihre Julie geben zu können . Am Ende des Monats zahlt er mirs zurück , und daß Lord Friedrich so lange warte , ist ja das Gleichgültigste von der Welt . « - Der Meinung war ich nicht ; meine nächste Absicht ging ernstlich dahin , mich an meinen Vater zu wenden , allein Miß Arnold machte mich aufmerksam , daß ich dieses nicht könnte , ohne ihm mein gesellschaftliches Verhältniß zu Lord Friedrich zu verrathen , sie stellte mir die Unannehmlichkeiten , die ein Verbot von seiner Seite mir zuziehen könnte , so fühlbar vor , sie bewies mir so klar , daß der Schritt bei der Sicherheit , in wenig Tagen zahlen zu können , so unnöthig sey , ja daß mir meines Vaters Aushülfe im äußersten Fall immer zu Gebot stände - so daß ich , zwar ängstlich und ungewiß , ihm die Sache zu verhehlen , einwilligte . - Möge doch hier jeder meiner Leser , der noch am Eingang seiner Lebensbahn steht , meinen warnenden Zuruf hören : jede seiner Handlungen , die er vor seinem natürlichen Verstand , wer er seyn mag , zu verhehlen sucht , mit scharfem Blick zu untersuchen ! Ist diese Handlung wichtig , so verlasse er sich nicht auf sein eignes Urtheil über sie ; ist sie geringfügig , so hüte er sich , daß Verhehlen sie nicht zu drückender Wichtigkeit anwachsen mache ! Ein schüchternes Gemüth verliert , indem es sich durch diese heimlichen Pfade durchwindet , die sichre Haltung des reinen Bewußtseyns ; ein kühnes , stolzes , wie das meinige war , dem die Anerkennung von Irrthum , von Bedürfniß nach Beistand so schwer wird , erfaßt mit einer Eigenmacht , die in ihrer Kraft noch nicht wie etwas Schlechtes aussieht , diesen Ausweg , Vorwurf zu vermeiden , und der frohe Muth der Wahrheit ist für dasselbe dahin . Für dieses Mal war Miß Arnold mit ihrem Sieg über meinen besten Willen zufrieden . Wie ein guter Feldherr , begnügte sie sich , den eroberten Posten zu sichern . Erst am folgenden Morgen fragte sie mich nachlässig : ob ich an Lord Friedrich einige Worte zur Entschuldigung geschrieben . - Ich verneinte es und setzte hinzu : daß es mir ungeschickt schiene . - Wenn Sie nicht schrieben , meinen Sie ? fragte Julie , gewiß wäre das ungeschickt . Außerdem sollten Sie gar keine Gelegenheit zu schreiben aus den Händen lassen ; denn es besitzt Niemand in dem Grade , wie Sie , die Grazie des Styls , der Wendung in einem Billet . - Der dunkle Begriff von Unziemlichkeit , ein solches Billet zu schreiben , der mich bis dahin beschäftigt hatte , verschwand vor dieser Schmeichelei ; ich schrieb , ich erhielt eine Antwort , die mich in die Nothwendigkeit versetzte , meinem Liebhaber - denn Lord Friedrich als solchen zu betrachten , hatte ich nun stillschweigend eingewilligt - nicht ohne einige Zeilen zu lassen ; Briefe , Sonette , Episteln in Versen flogen hin und her und nahmen bald den Gang eines geregelten Briefwechsels an . Miß Mortimer durfte von diesem allen nichts ahnen , und das Unrecht nimmt so schnell von unsrer Seele Besitz , daß mich die Geschicklichkeit , mit der wir unsere geheime Kurzweil verbargen , mir bald zu einem eignen Vergnügen gereichte . Der Maskenball rückte indessen näher , mein Sultaninnenputz beschäftigte mich so lebhaft , daß ich wenig auf die gewöhnlichen Umgebungen Achtung gab ; nur auf Miß Mortimer wendete sich , durch Gewissensunruhe angetrieben , zuweilen mein Blick . Ich bemerkte , daß sie leidend aussah ; zwar war ihre Gesundheit immer sehr zart , allein in dieser Zeit fielen mir ihre krankhafte Farbe , ihre tief liegenden Augen und ein schmerzlicher Zug ihrer bleichen Lippen um so ängstlicher auf , als ihr Blick , der oft traurig auf mir ruhte , mein Unrecht zu errathen schien . Sie befreite mich selbst von dieser Sorge , indem sie mir freundlich klagte , daß mein Vater ihr abschlage , eine kleine Gesellschaft für den fünften Mai zu veranstalten , wie sie mir am Abend des Maskenballs erträglicher die Zeit zu verkürzen gewünscht hätte . O Ellen , unterbrach sie sich selbst , wie ähnlich sehen Sie Ihrer guten Mutter , wenn Sie erröthen ! - Da möchte ich immer erröthen , antwortete ich , denn ich möchte Niemandem lieber ähnlich sehen , wie ihr . - Nun , liebe Ellen , wenn Sie nicht eitel seyn wollen , so will ich Ihnen sagen , daß Sie eine noch wesentlichere Aehnlichkeit mit ihr haben . Sie sind , gleich ihr