sich , ein Postpferd zu besteigen und so , mit dem Postillion , noch heute nach Bellegarde zu reiten , von wo er uns am andern Morgen mit einem Wagen abzuholen versprach . Ich wurde mit meiner Mutter auf ein Oberzimmer geführt . Sie fühlte sich so angegriffen , daß sie sich sogleich zu Bette legen mußte , und da ich nach einiger Zeit Neigung zum Schlaf bei ihr gewahr wurde , so ging ich , wie sie zu wünschen schien , wieder hinunter ins Wohnzimmer . Die Dämmerung war indessen hereingebrochen , ohne daß ich es bei dem Geschwätz der ältesten Tochter des Försters sonderlich bemerkt hätte . Sie machte mich zwar darauf aufmerksam , doch setzte sie hinzu : » Der Vater liebt dieses trauliche Feierstündchen und sieht nicht gern , wenn wir früh Licht anzünden . « Ein Wagengeräusch im Hofe machte uns aufmerksam . » Da kommt der Vetter ! « rief das Mädchen und hüpfte aus der Tür . Sie kehrte bald mit dem Förster und einem Fremden zurück , dessen Gestalt ich nur sehr schwach in der Dämmerung unterscheiden konnte . Der Förster machte ihn mit meiner Anwesenheit im Zimmer bekannt und erzählte die Geschichte unseres Mißgeschicks , worüber mir der Fremde sein Bedauern in herzlichen Worten und mit einer sehr schönen Stimme bezeugte . Das Gespräch fiel dann auf allgemeinere Gegenstände . » Wissen Sie wohl , lieber Oheim « , sagte plötzlich der Fremde , » daß Sie mich vielleicht zum letzten Male sehen ? « - » Wie das ? « fragte dieser . » Ich gehe in einigen Wochen , vielleicht Tagen , zur Armee ab und wünschte nur , Ihnen Lebewohl zu sagen . « - » Du Soldat ? « rief der Oheim , » das hätte ich nimmer gedacht . Also hat dich das fatale Los doch getroffen , nachdem es dir schon zweimal vorübergegangen ? « - » Ich habe seine Entscheidung nicht wieder abgewartet « , sagte der Fremde , » ich habe mich freiwillig dazu bestimmt . « - » Freiwillig ? « rief der Förster mit Erstaunen . » Unmöglich kannst du , nach deiner Lebensweise , Neigung zum Soldatenstande fühlen . « - » Wenn auch nicht diese , so doch Neigung , das Vaterland zu verteidigen . « - » Du mochtest ja niemals meinen Füchsen den Krieg erklären , und wenn ich dich beim Treibjagen aufmerksam auf deinem Posten glaubte , fand ich dich mit dem Virgil in der Hand nachlässig am Baume gelagert , die Büchse neben dir . « - » Oder mit Tyrtäus ' Kriegsliedern , Oheim . Wollt ihr ewig schlafen den Schlaf des Feigen ? weckt euch nimmer der Nachbarn Hahn , nimmer der Schwächeren Mut ? « - » Aber woher denn so auf einmal diese Änderung ? Du wirst doch nicht nach Spanien wollen , um von auflauernden Buschkleppern gemordet oder von Weibern vergiftet zu werden ? « - » Nein , Oheim . Ich ahnde den Volkswillen , so unklug er auch sein mag . Aber die Kriegsflamme droht schon wieder , von seiten Östreichs ; England bläst mit vollen Backen in den immer glimmenden Zunder , man glaubt uns diesmal in einen Hinterhalt fallen zu lassen . Napoleon ist in Spanien , hinter seinem Rücken will man Frankreich angreifen , welches er sonst mit dem flammenden Schwerte , wie der Engel den Eingang des Paradieses , bewacht ; aber nur zu bald werden sie das gefürchtete Antlitz des Rächers sehen . Unterdessen muß Frankreichs ganze Heldenjugend sich erheben , daß der Führer ein schlagfertiges Heer finde . « Der Fremde sprach diese Worte mit einem solchen Nachdruck , daß ein freudiger Schauer durch meine Nerven bebte . Des Mädchens Hand zitterte in der meinigen . » Ach ! « rief sie mit schluchzender Stimme , » ihr bösen Männer redet vom Kriege wie von einem Vogelschießen , ihr denkt nur an den Ruhm , ohne an die Tränen zu denken . Was nützt uns Armen des Kaisers Macht und Ruhm ; noch einmal so lieb wollte ich ihn haben , wenn er friedfertiger wäre und nicht so eroberungssüchtig . « » Liebe Marie « , sagte der Fremde mit einiger Heftigkeit , » du redest wie ein Weib und verstehst es nicht . Napoleons Ruhm ist Frankreichs größte Stärke , seine Macht ist des Vaterlandes Sicherheit . Man möchte gern dies freie Land wieder in die Fesseln des verflossenen Jahrhunderts schmieden , welche wir nur vom Hörensagen kennen , da sie fast mit unsrer Geburt zerbrochen wurden . « » Ich habe sie wohl gekannt « , redete der Förster dazwischen , » und um sie abzuwehren , wollte ich selbst noch meinen alten Kopf den feindlichen Reihen gegenüberstellen . « - » Um wieviel mehr wir Jünglinge ! « fuhr der Fremde fort ; » welche Elende wären wir , wenn wir nicht unser Herzblut hingeben wollten für unser Vaterland und seine Verfassung , unter deren Schatten wir erwuchsen , für den Kaiser , der die Wunden der Revolution heilte , den Bürgerkrieg endete und den Ruhm der Nation auf den höchsten Gipfel erhob . Jeder Bürger fühlt sich Teilnehmer dieses Ruhms ; sollte es nicht auch ein weibliches Herz ? « Diese Apostrophe an mein Geschlecht reizte mich zum Mitgespräch , ich drückte meinen Freiheitssinn und meine glühende Vaterlandsliebe in lebhaften Worten aus . Der Fremde schien mich mit Bewunderung zu hören , es waren seine eigenen Begriffe , welche er aus einem fremden Munde vernahm . Mir ging es ebenso , ich glaubte mein eigenes Ich zu hören . Jeder von uns setzte häufig , im Feuer des Gesprächs , die angefangenen Perioden des andern fort , genau mit denselben Worten , welche dieser eben laut werden lassen wollte . Es war etwas Übernatürliches in dieser Übereinstimmung . Die beiden andern schwiegen voll Erstaunen still , wir beide redeten allein und vergaßen auch , daß es außer uns