, sagte indeß nichts weiter , sondern schritt gleich zur Ausführung dessen , was sie so eben dem Marquis mitgetheilt hatte . Deshalb hieß sie dem herzukommendem Juwelier , ihr das Bild sauber aus der Fassung heben , diese dann abschätzen , und den Handel selbst übernehmen , oder ihn gefälligst anderweitig zu besorgen . Der Mann ging sogleich an die Arbeit . Felicitas stellte sich neben ihn , den Werth der Steine mit ihm zu besprechen , sie wollte der Freundin gern zum Vortheil , und sich auch nicht zum Schaden die Sache eingeleitet wissen , und legte Maaß und Gewicht in ihre Blicke , die auf und ab über das Bild hingleiteten . Die Schönheit der Züge fiel ihr daneben auch in die Sinne , sie faßte sie daher scharf auf , und sagte , da ihr die Sache klar ward : ich habe den Herrn kürtzlich gesehn , als die französischen Regimenter die Stadt besetzten . Ihn gewiß nicht , erwiederte die Baronin , vielleicht seinen Sohn , denn die Aehnlichkeit ist sprechend , vergleiche ich diesen mit dem , was der Herzog in seinem Alter war . Nun , auch mit Ihnen , gnädige Frau , sagte Felicitas , ist die Familienähnlichkeit sehr auffallend . Antonie fuhr schmerzlich mit der Hand auf die Brust ; sie fühlte dort den Dolch , welchen sie vergessen hatte , sah verwirrend zur Erde , und ging mit gesenktem Auge zum Zimmer hinaus . Achtes Kapitel Alles war nach und nach in ruhigen Gang gekommen . Die Baronin war wieder geschmackvoll und bequem gekleidet , hatte ein Zimmer neben ihren Nichten bezogen , jedes fügte sich , und wurden heimathlich und vertraut mit Lage und Umgebung . Die Tante hatte es gern , wenn Marie erzählte ; sie saß dann behaglich auf dem Ruhebett , die Arme übereinander geschlungen , den Oberleib etwas vorgebeugt , und sah mit anmuthiger Neugier und seitwärts geneigtem Kopfe , in die weichen , beweglichen Züge der Kleinen . Oft unterbrach sie dies auch , spielte mit ihren blonden Locken , und sagte wohlgefällig : wie hübsches weiches Haar ! Marie küßte ihr dann die schönen Hände , und gab ihr die kleinen Schmeicheleien reichlich wieder zurück . Antonie war meist still , doch aufmerksam , ja zärtlich bis zur Demuth , gegen die Baronin . Sie lernte vom Juwelier allerlei feine Arbeit machen , auch in Kupfer stechen , und in Gold und Silber graviren . Es beschäftigte sie dies dauernd , und oft bis zur Erschöpfung angestrengt . Sie bemühete sich indeß vergebens , ein höchst widriges Gefühl hierbei zu bekämpfen , was sie zu Zeiten nöthigte , mit der Arbeit inne zu halten , und mehrere Stunden zu feiern . Es gab nehmlich Tage , vorzüglich bei scharfem Sonnenschein , wo ihr das Berühren aller Metalle höchst empfindlich war . Sie versuchte sich mit allen , doch jedes wirkte eigens unangenehm . Ganz besonders gaben ihr Kupfer und Eisen die gröste Qual . Letzteres goß Todeskälte durch ihren Körper , da Ersteres durch bittere Säure ekelhaft auf Geruch- und Geschmacksnerven wirkt . Auch mit dem Golde ging es ihr nicht besser , dies stach ihr prickelnd , wie elektrische Fünkchen , durch Arme und Finger . Sie war an solchen Tagen , heftig , ungleich , Fieberkrank , konnte weder bei der Werkstatt des Goldarbeiters vorbeigehn , noch diesen überall um sich dulden . Eigen war es , daß sie , auf solche Weise gereitzt , mit einer Art von Begier den stählernen Dolch ergriff , welchen sie heimlich von ihrem Wirthe eingehandelt und in ihren Kleidern verborgen hatte , an diesem hin und her griff und einen wohlthätigen Strom durch ihre Adern rinnen fühlte . Fast immer in sich verschlossen , kam von allem dem nichts zu der Kenntniß der Andern , als was die Aufmerksamkeit dieser erspähte , oder was sich durch die spröde Sonderbarkeit Antoniens ihnen unverständlich aufdrang . Auch standen beide Schwestern jetzt einander wieder entfernter . Marie war höchst behaglich und wie zu Hause bei der Tante . Beide plauderten vor ihr Leben gern , und mochten von allem hören , was um sie vorging . Zudem hatte Marie mit großer Freude jenes zierliche Kind , was sie jüngst so auf der Straße entzückte , unter Felicitas Schülerinnen wahrgenommen . Sie war eine Veroneserin , um weniges jünger als Marie , noch kleiner als diese , und auf die anmuthigste Weise lebhaft und gewandt . Beide gesellten sich leicht zu einander , und war Marie ganz Entzücken , sah sie Giannina die üppige Tarantela nach dem schallenden Takt der Kastagneten tanzen ; oder hörte sie sie , im Wechselmaaß , den Streit zweier Liebenden mit geläufiger Zunge komisch parodiren ; so bewunderte jene in ihr das feine Französisch und die vornehmen Sitten . Die Baronin hatte Giannina schon früher lieb gewonnen , sie sah es gern , wenn sie nach der Arbeit zu ihr herauf kam . Sie wußte so wunderliche Geschichtchen zu erzählen , oder zärtliche Romanzen zu singen , die auch Alexis anzogen , so daß er niemals dabei fehlte . Der Herbst kündigte sich überdem jetzt , von den Gebirgen her , schon ziemlich stürmisch an ; Im Freien war es nicht mehr hübsch ; um den Kamin saß es sich behaglicher . Die Baronin war nicht viel davon wegzubringen und nie erschien sie heiterer , als wenn sie die lieben , kleinen Menschengesichter , wie sie ihre jungen Freunde nannte , umgaben . Der Marquis hielt sich von all dem heitren Verkehr ziemlich entfernt . Er hatte sich wieder in seinem Zimmer eingebauet , und kam selten und nur flüchtig zur Baronin herüber . Sie dankte ihm sein Schweigen , und vermied es gern , ihn nach der Ursach einer immer wachsenden Unruhe zu fragen , die sich deutlich in seinem Wesen offenbarte . Doch ward sie endlich durch ihn selbst gezwungen , näher darauf einzugehn . Er fand sich einst mit ihr