ihn nicht genesen zu lassen . Nur dann , sagen Sie , wird sein wahres , sein himmlisches Künstlerleben beginnen , nur dann wird er die unsterblichen Werke hervorbringen , die nun mit ihm untergehen . Was fordert die Welt nun von mir ? was kann und muß sie nun fordern ? Daß er erhalten werde , um welchen Preis es auch sey , ja , daß , liebt ' ich ihn , sogar dieser Liebe nicht geachtet werde . Mit diesen Worten schien ein Lichtstral in seine Seele zu fallen . Er betrachtete sie mit schweigender Rührung , und sagte dann sanft : Warum aber , wenn sie ihn lieben , zwingen Sie mich zu dieser Härte ? warum wollen Sie ihn nicht sich selbst und uns Allen erhalten ? Es ist ja eben die Frage , ob ich dieses vermag ? Ja Sie vermögen es ! Das Herz hat seine Launen . Wie himmlisch auch mir und Vielen das Mädchen erscheint , Ihnen gehört nun einmal sein Herz , und über Verwandschaft der Geister läßt sich nicht rechten . Aber das Alles ist Täuschung . Sieht er das Mädchen , muß sie verschwinden . Doch was thut ' s ? hat doch seine Laune ihr freies Spiel gehabt . Mir Weggeworfenen , Nichtgeachteten mag das Herz nur brechen . Hat er doch Alles gekonnt , was er gewollt hat . Nun ging er wieder schweigend und heftig auf und ab . Sie strafen mich hart sagte er dann - für meine unbesonnenen Worte . Oft - erwiederte sie - scheint uns unbesonnen , was das Besonnenste ist . Indem Sie mir die Zukunft so wahr und treu vorhielten , wurden Sie mein Wohlthäter , und Ihre Härte wurde die höchste Güte . Sie haben mich mir selbst erhalten , mich vor dem grausamsten Spiele geschützt . Ein Spiel , was die Männer mit unserm ganzen herabgewürdigten Geschlechte treiben , und dessen Anblick mir das Herz schon lange empört und zerrissen hat . Ich will die Schmach dieses schändlich mißhandelten Geschlechts nicht länger mit ansehen . Ich bin dem Tode geweiht , will es seyn , wer darf es mir wehren ? Er trat jetzt schnell auf sie zu , wollte etwas sagen ; aber mußte sich abwenden , denn seine Augen füllten sich mit Thränen . Wie aber - hub er endlich an - wenn das Herz , was so oft Recht hatte , auch hier Recht gehabt hätte ? Wenn er , den wir für den Unvernünftigsten hielten , der Vernünftigste gewesen wäre ? allein Ihren ganzen tiefen Werth , gegen den auch ich leider verblendet war , empfunden und für alle Zeiten gewürdigt hätte ? Wenn seine Ahnung , daß Nichts sie ersetzen kann , Wahrheit würde ? er sich Ihnen nach ins Grab stürzte , und Sie jenseits erränge ? O wenn er für uns dennoch verloren wäre ! Wer wäre Schuld daran ? - rief ich durch dieses Aufzählen meiner Schmerzen aus trostloser Betäubung erwachend - wer wäre Schuld daran , als die , welche dieses hohe , und wahrhaft liebende Wesen irre machten über seinen tiefen und ewigen Werth . Wer wäre Schuld daran , als die , welche mein Herz besser verstehen wollten , als ich selbst . Längst wäre sie mein , hätten grausame Vernünftler mich nicht für Augenblicke geblendet , und mir ihre verwirrten Ansichten aufgedrungen . Ach sie trauet nicht mehr der Kraft meines Herzens ! Jetzt ist sie verloren , und ich bin es mit ihr ! Nein ! - rief er - du bist es nicht und sollst es nicht seyn ! Nicht wir allein haben geirrt ; auch sie . Hatte sie nicht in ihrem eigenen Herzen den Maaßstab ihres Werthes ? mußte sie sich von uns Kurzsichtigen bethören lassen ? Hätte sie deine Wünsche erfüllt , längst wären wir beschämt . Sie wird sie erfüllen , denn sie hat ein liebendes Herz , und unser aller Trauer wird sich in Freude verwandeln . Sie lächelte ; aber ihr Lächeln war ein Stral der untergehenden Sonne , und in meinem Herzen blieb die Trauer . Gretchen an ihre Mutter . Endlich , herzliebste Mutter ! kann ich einmal wieder schreiben . Wir haben Nacht und Tag auf die Weihnacht gearbeitet . Dafür ists aber auch eine Freude geworden , wie ich in meinem Leben nicht gesehen habe . Die Frau Präsidentin macht es recht klug . Alles , was die Kinder das ganze Jahr durch nöthig haben , spart sie auf die Weihnacht . Sie hätten - sagt sie - tausendmal mehr Freude daran , und hielten es viel werther . Der Herr Präsident ist ein vortrefflicher Herr ; aber doch ein bischen sehr ernsthaft , und meint , die Frau Präsidentin mache gar zu viel aus dem Feste , und für die ältesten Kinder sey das ganze Wesen nicht mehr passend . Die Frau Präsidentin aber meint , man könne gar nicht genug aus dem Feste machen . Es sey die traurigste Zeit im ganzen Jahre , und ein wahres Glück für Groß und Klein , daß das Fest gerade in diese Zeit falle . Was den Kindern an Spielen in freier Luft abgehe , ersetze die Freude vor und nach Weihnacht . Sie halte ihren Geist munter , und stärke sie gegen vielerlei Unarten , und mit dem wildesten Buben sey im ganzen Jahre nicht so gut auszukommen . Das giebt dann der Herr Präsident für die Kleinen wohl zu ; spricht aber doch immer von der Unschicklichkeit für die Grossen . Die Grossen , sagt aber die Frau Präsidentin , seyen eben die Hauptsache . Sie wissen Alles , was die Kleinen bekommen , helfen es mit herbeischaffen und zubereiten , und freuen sich tausendmal vorher über die Freude der Kleinen . Sie geben sich auch um diese Zeit ein viel weniger gelehrtes Ansehen gegen sie , schlichten mancherlei Streitigkeiten , eben weil sie Freude im Sinne hätten , mit Güte , und