hatte sich eine Wohnung in der Nähe der Gräfin gemietet ; er würfelte mit seinen Gedanken in Gedanken , ihm war es einerlei , ob er etwas oder nichts geworfen ; in dieser Gesinnung sind die folgenden Verse damals von ihm ins Tagebuch geschrieben : Da steh ich an meinem Fenster , Und sehe doch nicht heraus , Da gehen so viel Gespenster , Die tauschten mein Liebchen mir aus . Das sind so geistreiche Männer , Die sprachen mit Liebchen so tief , Bis sie von allem die Kenner , Was in der Seele noch schlief ; Das haben sie aufgewecket , Noch eh ' es recht wachen konnt , Und haben sich mit genecket , Als wenn der Mondschein sich sonnt , Die Seel ist ihr ausgetauschet , Sie war mir ja sonst so lieb , Wo nun ihr Geschrei mir rauschet , Da mein ich , es werde so trüb . Ich hatte so fromm sie verlassen , Als trostlos ins Städtlein ich ging , Sie tät noch so heimlich da spaßen , Ich mußte ihr messen den Ring ; Zwar lang mußt im Städtlein ich warten , Bis ich ein Ringlein ihr fand , Der Feinen und der Vielzarten , Das paßte an ihre Hand . Da bin ich auf Freunde gestoßen Und sagt es doch keinem nicht , Warum die Tränen mir flossen Froh über mein Angesicht , Und will es auch keinem hier sagen , Warum ich nun traurig und stumm , Denn alle Worte versagen , Wo alles geht so dumm . Denn wie ich zurückgekommen , Da saßen so viele beim Schmaus , Die hatte sie aufgenommen , Mir blieb da kein Plätzchen im Haus . Da fehlt es an Schüssel und Teller , Zwar gab sie das Beste mir gern , Doch waren die andern viel schneller , Es sorgten für sich nur die Herrn . Sie hatten sich selber geladen , Und rühmten sie alle so sehr , Das muß ihr wahrlich noch schaden , Daß sie so vorlaut wär ; Sie hat den einen geschlagen , Er wußte gar nicht warum , Den andern auf Händen getragen , Ich saß da betreten und stumm . Da hat mich der eine betrogen , Gar heimlich um meinen Ring , Ihn auf ein Bändlein gezogen , Im Kreise er da ging ; Ich kann wohl beten und singen , Doch weiß ich nicht für was , Vor Ärger möchte ich springen , Wenn das noch heißt ein Spaß ! Was steh ich und sinn über andre , Und bin nicht recht bei mir , Viel lieber geh ich und wandre , Viel tausend Meilen von hier ; Viel tausend Meilen und weiter , Geh über und unter im Meer , Drin steht eine Himmelsleiter , Ach wer nur im Himmel erst wär . Kaum hatte er diese Worte geschrieben , so übte die Ermüdung ihr Recht ; er warf sich unausgezogen auf den Sessel am offenen Fenster und betrat die ersten Stufen der Himmelsleiter , auf denen sich der Mensch ohne zu schwindeln erhalten kann . Frische Jugend , reich an Hoffen , wie der Frühling an blauen Blumen , jeder Morgen weckt neue für die abgeblühten am Abend , deren Stelle kaum mehr zu finden , unzählige Knospen warten noch ungeduldig auf ihre Entfaltung ! Am Morgen , der ihn aus schönem Traume zum schöneren Leben erweckte , war des jungen Mannes Gram von der Brust , die am offenen Fenster voll Tau hing , bald mit diesem hinweggesonnt ; der Wind trieb das Zimmer voll Blüten aus dem Schloßgarten her ; die Ebene von den einzelnen Baumreihen der abgeteilten Gärten durchschnitten , wo jeder Zweig ihm altbekannt , hallte vom alten Jubel ; er schalt seinen Argwohn , der ihm den Genuß der ersten Freude getrübt hatte , eine Torheit , eine Krankheit , eilte hinunter , im vorbei rauschenden Flusse sich rein zu baden und aus zu frieren . Als er so im Flusse gegen den Strom sich zu erhalten strebte , sah er ferne in dem gräflichen Schlosse ein Fenster sich öffnen ; es war Dolores , die er wohl zwischen den Gesträuchen durch , aber sie nicht ihn erkennen konnte ; wie Tantalus spannte er die Arme nach ihr aus , und dachte mit seliger Zuversicht : Du siehst mich nicht , du schönster Apfel der ganzen Flur und meine Hände können dich nicht erreichen und doch bist du mein , bald mein , und ich bin bei dir ; wohl mir , daß ich nicht bin wie die Erle und wie die wilde Rose neben mir , die auch ihre Ärme zu dir ausstrecken ; ich kann wandeln über Berg und Tal , durch Luft und Wasser und bald bin ich bei dir , und du reichst mir die Hand ! - Wir wollen nicht lächeln , daß ein Mensch sich einmal freut ein Mensch zu sein , verfluchen es doch so viele und verleugnen es . - Er zog sich zierlich an , Weste und Pantalons von rot und weiß gestreiftem Sommerzeuge , eine rund geschnitten Jacke von leichtem grünen Tuche ; so trat er in das Zimmer der Gräfin , die ihn in einem gegen die gestrige Pracht allzu sehr vernachlässigten , durchgestoßenen Morgenanzuge von dem fatalen Zeuge , das Sanspeine genannt wird , empfing , doch ganz die alte in Liebenswürdigkeit und Zutraulichkeit . Mit vieler Laune spottete sie über einen großen Teil der Gesellschaft , die ihr nur zur Zerstreuung wegen der Abwesenheit ihrer Schwester dienen sollte . Der Graf deckte nun ein Paket auf , wonach sie neugierig geblickt hatte ; oben auf lag der Verlobungsring , den er ihr aus der Nachlassenschaft seiner Mutter verehrte : die zwölf Apostel , jeder mit seinem Zeichen , bildeten in halberhabener Silberarbeit den Reifen ; in ihrem Kreise glänzte in Golde Christus in einem Strahlenscheine hoch erhaben , in seinen Händen Kelch und Brot : alles von sehr schöner Arbeit , aber