wie glücklich ist sie ! Soll ich - darf ich sie beneiden ? Nein , Tiridates ! Ich kann nicht , wenn ich auch dürfte . Nein , daß ich dich liebe , und so innig , so unaustilgbar , so mit aller Kraft meines Wesens , ist mein Glück , und wenn es mich auch verzehrt . Du aber , der du weißt , daß deine Briefe jetzt mein einziger Trost , der einzige helle Strahl in der Nacht meines Kummers sind : schreibe mir bald , oft , Alles , was dich betrifft , jede Kleinigkeit , jeden Gedanken , jeden Wunsch . Bedenke , was mir diese Briefe zu ersetzen haben , für was sie mich entschädigen sollen - und laß mich nicht verzweifeln . 14. Agathokles an Phocion . Nikomedien , im Mai 301 . Nach einer ziemlich beschwerlichen Seereise , wo unstäte Winde , und ein empörtes Meer uns beinahe auf immer von dem Ziele unserer Reise , dem holden Vaterlande , getrennt hätten , langten Tiridates und ich vor acht Tagen in Nikomedien an . Süßer Zauber der heimathlichen Gefilde ! Wie sanft bewegst du unser Herz ! Wie lieblich erscheint die Küste des Vaterlandes nach langer Abwesenheit ! Zwar wirst du mir sagen , nach einer gefahrvollen Seereise wäre uns jedes Ufer erwünscht erschienen ? Doch es ist nicht ganz so . Bei Erblickung dieser Hügel , die ich als Knabe bestieg , dieses Gestades , an dem ich so oft lag , um Aug ' und Gemüth an der Unermeßlichkeit des Meeres zu stärken , und endlich des väterlichen Hauses , seiner nächsten Umgebungen , wo so Manches vorgefallen war , das noch jetzt süß und schmerzlich meine verödete Brust bewegt - ich fühle mich ergriffen , und ich schäme mich nicht , zu gestehen , daß ich die theuren Gegenstände mit einigen Thränen grüßte , die unwillkührlich über meine Wangen floßen . Auch Tiridates , obwohl noch fern von seinem Vaterlande , war durch den Anblick des asiatischen Ufers des Schauplatzes großer noch unentschiedener Thaten , nicht weniger bewegt , als ich . Wir umfaßten uns , und schwuren ernst und heiter , uns selbst und dem treu zu bleiben , was wir für gut und recht erkannten . So sprangen wir an ' s Land , so eilten wir in die Stadt , in meines Vaters Haus . Er kam uns sehr freundlich entgegen . Die Gesellschaft des Prinzen , des Lieblings zweier Cäsaren , schielt ihm angenehm für sich , und ehrenvoll für mich . Ich gab mich , ohne weiter zu grübeln , dem Gefühl des Augenblicks hin , und genoß die Freude , meinen Vater so zuvorkommend und gütig zu sehen , mit vollen Zügen . Ich durchlebte einen frohen Tag . Am zweiten ging es schon anders . Wir sollten zum Diocletian . Mein Vater wollte mich ihm vorstellen . Auch Tiridates billigte diesen Schritt , und schien ihn nothwendig zu finden . Mir widerte das Ansehen von Aufwartung und Unterthänigkeit , das er durch die Umwege und feierlichen Anstalten bekam , die jetzt nöthig sind , um sich dem Imperator zu nähern . Ich dachte an das alte Rom , an die Hof- oder Haushaltung der ersten Cäsarn , wie selbst der schlaue Octavian , der edle Marc-Aurel , der tugendhafte Pertinar , aus Biedersinn oder List des Volkes Meinung schonend , nichts anders als Roms erste Bürger schienen - und mein Inneres empörte sich . Was mußte da herumgeschickt , angefragt , gebeten , zubereitet werden ! Selbst an unserer Kleidung wurde gemustert . Endlich schien meinem Vater Alles würdig und gehörig bestellt , und wir traten in sehr kostbaren Gewändern , von vielen Sclaven gefolgt , unsern Weg nach dem Palast an . Ich glühte vor Schaam und Unwillen . Ich glaubte in den Mienen jedes Vorübergehenden den verächtlichen Spott über unsere eigennützige Erniedrigung zu lesen . Mir war ' s , als schwebten in dem Augenblicke die Schatten der Ahnen um uns , und sehen verachtend auf die entarteten Enkel nieder , die sich knechtisch vor dem zu bücken gingen , den sie in ihren Zeiten als einen ihres Gleichen behandelt hatten . Tiridates nahm es viel gelassener auf . An orientalische Sitte gewöhnt , bewegte ihn unsere Lage nur zu seinem Spott , mit dem er sich selbst nicht schonte . So kamen wir in den Palast . Durch eine Reihe Gemächer geführt , in denen asiatische Wollust und Pracht um den Vorrang stritten , ließ man uns endlich in einem der Innersten unter einer Menge schimmernder Sclaven und Clienten warten - warten - drei tödtlich lange Stunden , und - schickte uns in der vierten unverrichteter Dinge nach Hause , weil der Augustus nicht für gut fand , uns vorzulassen . Nur der ausdrückliche Befehl meines Vaters , und mein fester Vorsatz , unser scheinbar gutes Einverständniß , so lange ich in Nikomedien bleiben mußte , nicht zu stören , brachte mich dazu , am andern Morgen den erniedrigenden Versuch zu erneuern . Diesmal dankte ich ' s dem Einfluß des Tiridates , daß wir ziemlich bald vorkamen . Aber , o mein Phocion ! Welche Wunden schlug meinem Herzen der blendende Schimmer , die empörende Eitelkeit , das lächerlichsteife Ceremoniel1 am Hofe dieser gekrönten Sclaven ! Aus dem Staube der Dienstbarkeit durch eignen Genius , noch mehr durch Umstände und eine Denkart , der kein Mittel zu schlecht war , auf den Thron erhoben und befestigt , herrscht er mit einem Trotz und Uebermuth über die zitternde Welt , der mit nichts als dem ungeheuren Glücke zu vergleichen ist , das ihn in seiner Laune erhob , und mit bisher beispielloser Treue hegt und pflegt . Nicht daß ich seine wahrhaft großen Geistesanlagen , verkennte , nicht daß ich ihm die Stille nicht dankte , die während seiner Regierung das erschöpfte Menschengeschlecht genießt : aber sehen - sehen muß man so etwas nicht in der Nähe , wenn man