, in ihren dunkeln , wunderbaren Kammern , zum Empfängniß himmlischer Gaben und zur freudigen Erhebung über die Welt und ihre Bedrängnisse ausgerüstet würden . Der Steiger gab mir nach geendigtem Gottesdienst eine Lampe und ein kleines hölzernes Krucifix , und ging mit mir nach dem Schachte , wie wir die schroffen Eingänge in die unterirdischen Gebäude zu nennen pflegen . Er lehrte mich die Art des Hinabsteigens , machte mich mit den nothwendigen Vorsichtigkeitsregeln , so wie mit den Namen der mannichfaltigen Gegenstände und Theile bekannt . Er fuhr voraus , und schurrte auf dem runden Balken hinunter , indem er sich mit der einen Hand an einem Seil anhielt , das in einem Knoten an einer Seitenstange fortglitschte , und mit der andern die brennende Lampe trug ; ich folgte seinem Beispiel , und wir gelangten so mit ziemlicher Schnelle bald in eine beträchtliche Tiefe . Mir war seltsam feyerlich zu Muthe , und das vordere Licht funkelte wie ein glücklicher Stern , der mir den Weg zu den verborgenen Schatzkammern der Natur zeigte . Wir kamen unten in einen Irrgarten von Gängen , und mein freundlicher Meister ward nicht müde meine neugierigen Fragen zu beantworten , und mich über seine Kunst zu unterrichten . Das Rauschen des Wassers , die Entfernung von der bewohnten Oberfläche , die Dunkelheit und Verschlungenheit der Gänge , und das entfernte Geräusch der arbeitenden Bergleute ergötzte mich ungemein , und ich fühlte nun mit Freuden mich im vollen Besitz dessen , was von jeher mein sehnlichster Wunsch gewesen war . Es läßt sich auch diese volle Befriedigung eines angebornen Wunsches , diese wundersame Freude an Dingen , die ein näheres Verhältniß zu unserm geheimen Daseyn haben mögen , zu Beschäftigungen , für die man von der Wiege an bestimmt und ausgerüstet ist , nicht erklären und beschreiben . Vielleicht daß sie jedem Andern gemein , unbedeutend und abschreckend vorgekommen wären ; aber mir scheinen sie so unentbehrlich zu seyn , wie die Luft der Brust und die Speise dem Magen . Mein alter Meister freute sich über meine innige Lust , und verhieß mir , daß ich bey diesem Fleiße und dieser Aufmerksamkeit es weit bringen , und ein tüchtiger Bergmann werden würde . Mit welcher Andacht sah ich zum erstenmal in meinem Leben am sechzehnten März , vor nunmehr fünf und vierzig Jahren , den König der Metalle in zarten Blättchen zwischen den Spalten des Gesteins . Es kam mir vor , als sey er hier wie in festen Gefängnissen eingesperrt und glänze freundlich dem Bergmann entgegen , der mit soviel Gefahren und Mühseligkeiten sich den Weg zu ihm durch die starken Mauern gebrochen , um ihn an das Licht des Tages zu fördern , damit er an königlichen Kronen und Gefäßen und an heiligen Reliquien zu Ehren gelangen , und in geachteten und wohlverwahrten Münzen , mit Bildnissen geziert , die Welt beherrschen und leiten möge . Von der Zeit an blieb ich in Eula , und stieg allmählich bis zum Häuer , welches der eigentliche Bergmann ist , der die Arbeiten auf dem Gestein betreibt , nachdem ich anfänglich bey der Ausförderung der losgehauenen Stufen in Körben angestellt gewesen war . Der alte Bergmann ruhte ein wenig von seiner Erzählung aus , und trank , indem ihm seine aufmerksamen Zuhörer ein fröliches Glückauf zubrachten . Heinrichen erfreuten die Reden des alten Mannes ungemein , und er war sehr geneigt noch mehr von ihm zu hören . Die Zuhörer unterhielten sich von den Gefahren und Seltsamkeiten des Bergbaus , und erzählten wunderbare Sagen , über die der Alte oft lächelte , und freundlich ihre sonderbaren Vorstellungen zu berichtigen bemüht war . Nach einer Weile sagte Heinrich : Ihr mögt seitdem viel seltsame Dinge gesehn und erfahren haben ; hoffentlich hat euch nie eure gewählte Lebensart gereut ? Wärt ihr nicht so gefällig und erzähltet uns wie es euch seit dem ergangen , und auf welcher Reise ihr jetzt begriffen seyd ? Es scheint , als hättet ihr euch weiter in der Welt umgesehn , und gewiß darf ich vermuthen , daß ihr jetzt mehr als einen gemeinen Bergmann vorstellt . - Es ist mir selber lieb , sagte der Alte , mich der verflossenen Zeiten zu erinnern , in denen ich Anläße finde , mich der göttlichen Barmherzigkeit und Güte zu erfreun . Das Geschick hat mich durch ein frohes und heitres Leben geführt , und es ist kein Tag vorübergegangen , an welchem ich mich nicht mit dankbarem Herzen zur Ruhe gelegt hätte . Ich bin immer glücklich in meinen Verrichtungen gewesen , und unser aller Vater im Himmel hat mich vor dem Bösen behütet , und in Ehren grau werden lassen . Nächst ihm habe ich alles meinem alten Meister zu verdanken , der nun lange zu seinen Vätern versammelt ist , und an den ich nie ohne Thränen denken kann . Er war ein Mann aus der alten Zeit nach dem Herzen Gottes . Mit tiefen Einsichten war er begabt , und doch kindlich und demüthig in seinem Thun . Durch ihn ist das Bergwerk in großen Flor gekommen , und hat dem Herzoge von Böhmen zu ungeheuren Schätzen verholfen . Die ganze Gegend ist dadurch bevölkert und wohlhabend , und ein blühendes Land geworden . Alle Bergleute verehrten ihren Vater in ihm , und so lange Eula steht , wird auch sein Name mit Rührung und Dankbarkeit genannt werden . Er war seiner Geburt nach ein Lausitzer und hieß Werner . Seine einzige Tochter war noch ein Kind , wie ich zu ihm ins Haus kam . Meine Ämsigkeit , meine Treue , und meine leidenschaftliche Anhänglichkeit an ihn , gewannen mir seine Liebe mit jedem Tage mehr . Er gab mir seinen Namen und machte mich zu seinem Sohne . Das kleine Mädchen ward nach gerade ein wackres , muntres Geschöpf , deren Gesicht so freundlich glatt und weiß war , wie ihr Gemüth . Der Alte sagte mir oft , wenn er sah ,