, und in acht Tagen muß ich ihm folgen . Um mich völlig zu bestimmen , hat er mir meine alten Kamaraden zugeschickt . Sie bestehen darauf , ich soll sie anführen und schieben mir ihre Ehre ins Gewissen . Was konnte ich thun ? - ich habe Ja gesagt , und so geht es denn wieder in die feindlichen Säbel . Wenn einer mich träfe ! - Wenn ich die Einzige nicht wiedersähe ! Wenn ich nach dem Tode fortdauern müßte , ohne sie zu besitzen ! - Nein ! nein ! das ist nicht möglich ! Allenthalben durchbreche ich die Schranken und eile wieder zu ihr hin . Der König weiß , daß sie nicht reich ist , und hat ihr eine Pension angeboten , mit der Erlaubniß sie verzehren zu können , wo es ihr gut dünkt . Natürlich hat sie sie ausgeschlagen . Man muß ihm verzeihen . Er ist an seine bettelnden Schranzen gewöhnt . Auch hat er nicht den Muth gehabt , selbst von der Sache zu sprechen . Die Mutter ist wieder hergestellt , und Julie geht mit Wilhelminen nach W ... Antonelli wird unter mir dienen . Es ist ein Trost für mich , den herrlichen Jungen an meiner Seite zu haben . Wäre er bey Julien geblieben - der Gram hätte mich getödtet . Er liebt sie und mich bis zur äußersten Schwärmerey . Mit seiner kindlichen Unschuld schlägt er die Eifersucht in dem Augenblicke nieder , wo er sie reizt , und zwingt sie sich in Liebe zu verwandeln . Er hat sich bey mir angesiedelt und weicht nicht mehr von meiner Seite . Oft erschüttern mich seine kindischen Spiele bis in das Innerste der Seele . Eins seiner liebsten ist , wenn er durch die ganze Reihe von Zimmern bis in das äußerste laufen kann . Dann muß ich rufen : wo bist Du mein Sohn ? und nun stürzt er in meine Arme , und weint und lacht , und bedeckt mein Gesicht mit unzähligen Küssen . Letzt war Julie dabey , und da ruhte er nicht , sie mußte die Worte in ein Rezitativ bringen . Nun hat er eine Antwort komponirt , die er nach den Umständen verändert . Bald hat der Sohn den Vater verloren , und kann ihn , trostlos , nicht finden . Dann schildert er die Sicherheit des väterlichen Hauses , und die Liebe des Vaters . Dieser ist immer ein Krieger und hat tausend Gefahren überwunden . Bis ans Ende der Welt will der Sohn ihm nun folgen . In den Tod will er gehen , um den Vater zu retten u.s.w. Aber der Sohn hat auch eine himmlische Freundin . Von Lichtglanz umflossen , schwebt sie nur über der Erde und tröstet die leidenden Menschen . Wenn er gut ist , wird sie ihn lieben ... Ach ! und was weiß ich , was die kindische , liebliche Phantasie sonst noch erdichtet . So bin ich den ganzen Tag von seinen Zauberbildern umgaukelt und höre ich dann einmal wieder von andern Leuten ein vernünftiges prosaisches Wort , ohne Musik , so wird mir ganz unheimlich zu Muthe . In dieser Zauberwelt verstärken sich alle meine Gefühle . An den Abschied mag ich nicht denken . Vier und funfzigster Brief Wilhelmine an Reinhold Diesen Morgen ist der Obriste abgereist . Von ihm und Julien hörte ich kein Wort ; aber Antonelli drückte wechselweise ihre Gefühle aus . Dieser wunderbare Mensch scheint durch eine Art von Inspiration die geheimsten Empfindungen zu kennen . Mit bewundernswürdiger Leichtigkeit weiß er sich in jeden Zustand zu versetzen und spricht andere Gefühle mit einer Kraft und Wahrheit aus , die zur Bewunderung hinreißt . Wo er sich naht , da werden alle Gegenstände verwandelt . Man befindet sich nicht mehr auf der kleinen alltäglichen Erde . Alles ist groß , alles verkündigt ein reicheres , höheres Leben . Selbst der Schmerz wird in seiner Nähe zum Genuß ; denn er muß sich veredlen und verschönern . Wahrlich ! der Obriste ist und bleibt doch ein verzogenes Kind des Schicksals . Welcher Mensch kann sich zweyer Wesen wie Julie und Antonelli rühmen ? - Wenn jetzt etwas aus ihm wird , so kann er sich nicht damit brüsten . Sonnabend gehe ich mit Julien nach * * * . Ich habe einen zweyten Bedienten angenommen , damit Friedrich unser ordentlicher Führer werden kann . Sein Alter , seine Welt- und Menschenkenntniß und sein äußerst gebildeter Ton macht ihn mir in dieser Rücksicht unschätzbar . In * * * kommt er nun recht in seine Sphäre . Er freut sich wie ein Kind auf die Gemählde-Sammlung und hat mir schon wer weiß was für Wunder davon erzählt . Meine Mutter ist wohl und schreibt mir sehr fleißig . Da aber diese Briefe nur Versicherungen ihrer Liebe und Beschreibungen kleiner häuslicher Scenen enthalten ; so habe ich Ihnen bis jetzt nichts davon mittheilen wollen . Julie läßt Sie grüßen . Leben Sie wohl , aus * * * ein Mehreres . Fünf und funfzigster Brief Olivier an Reinhold Welch ein fürchterliches Wetter . Ist es nicht , als ob der ganze Himmel in Regen herabstürzen wollte . Meine armen Leute sinken ein bis an die Knie und die Kanonen sind kaum mehr fortzubringen . Schon den vierten Theil der Mannschaft haben wir durch Krankheit eingebüßt . Es ist schrecklich ! Jeder leidet für sich , aber ich leide für sie alle . Ich lasse Wein , Brandwein und alles was stärken und erquicken kann , unter sie austheilen ; aber wenn ich des Morgens den bleichen Gesichtern das Marsch ! zurufen soll ; so muß ich mich wohl zehnmal räuspern . Wären wir nur wo wir seyn sollen ! Gienge es nur gegen den Feind ; dann müßte alles schon werden . Aber dieses Kämpfen mit den Elementen zerstört die Kraft der Seele und des Körpers . Antonelli freilich scheint von dem allen nichts zu empfinden . Er ist