– Auch aus dem Kreise Berliner Künstler wird ähnliches berichtet . Der polnische Graf Cz . verliert plötzlich sein einziges Kind , eine Tochter von zehn Jahren . Er ist untröstlich und will wenigstens eine Büste von der Hingeschiedenen besitzen . Er wendet sich wenige Tage später an einen unserer Bildhauer , dieser aber muß ablehnen , als er erfährt , daß nur eine schon vor etwa sechs Jahren angefertigte Kreidezeichnung von der jungen Komtesse vorhanden sei . Auf dem Heimwege begegnet der Bildhauer seinem Freunde dem Maler M. und erzählt ihm das eben Erlebte . Der Maler , als er den Namen des Grafen hört , hält im Gehen inne und fragt : » War das nicht Graf Cz . , dem wir vor kaum drei Wochen am › großen Stern ‹ begegneten ? Er fuhr mit einer Dame ; rückwärts saß ein schönes Kind ? « » Das war er « , antwortete der Bildhauer . » Nun , dann läßt sich vielleicht helfen . « Und der Maler zeichnete alsbald einen Kopf , der vollständig ähnlich befunden und nach dem seitens des Bildhauers die Büste angefertigt wurde . 24 In den betreffenden Kapiteln des 1. , 2. und 4. Bandes dieser » Wanderungen « sind diese Bilder und Zeichnungen ausführlicher beschrieben . 25 In Potsdam führte Schinkel folgende Bauten aus : das Kasino , Schloß Glienicke , die Nikolaikirche , das Kavalierhaus auf der Pfaueninsel , die Brücke zu Glienicke , Charlottenhof , Schloß Babelsberg ( teilweis ) . In Tegel : das Schlößchen ; in Stralau : die Kirche . Dazu verschiedene Villen in der Umgegend von Berlin . 26 Es darf nicht vergessen werden , daß dieser Aufsatz vor mehr als zwanzig Jahren geschrieben wurde . Bis zum Jahre 60 und dann immer mehr sich abschwächend bis zum Jahre 70 hin harte das vorstehend Gesagte Gültigkeit ; seitdem aber hat die Welt der Renaissance die Schinkelsche Welt abgelöst . 27 Thorwaldsen starb drei Jahre später . Ihm war freilich ein schönerer Tod gegönnt . Er war mit Oehlenschläger im Kopenhagener Theater und ein nationales Stück , dessen Titel ich vergessen habe , wurde gegeben . An einer schönen , ergreifenden Stelle , als aller Augen auf die Bühne gerichtet waren , fühlte Oehlenschläger , wie das weiße , mächtige Haupt Thorwaldsens langsam und beinahe leblos schon auf seine Schultern niederfiel , und sich erhebend , rief er mit mächtiger Stimme in die Bühne hinein : » Still ! Thorwaldsen stirbt « ... Und alles wurde still . 28 Schinkels Porträtfigur an der Blücherstatue befindet sich auf dem Seitenfelde rechts , dem Opernhause zu . Es ist ein Soldat , der sich , nach der Schlacht , an sein Pferd lehnt , während Verwundete und Erschöpfte um einen großen , über dem Feuer hängenden Kessel herum sitzen . – Auf dem Beuthdenkmal ist Schinkel derjenige , der sich ( Seitenfeld rechts ) mit dem Entwurf des Musters zu einem Gewebe beschäftigt . 29 In solchen Momenten war ihm der kunstsinnige Kronprinz ein Trost und eine Erhebung . » Kopf oben , Schinkel ; wir wollen einst zusammen bauen « , das war die Zauberformel , vor der alle Trübsal schwand . Charlottenhof , » das in Rosen liegt « , war nur ein Anfang , ganz andere Dinge noch waren geplant und harrten ihrer Ausführung . Ob das Einvernehmen dasselbe geblieben wäre , wenn Schinkel die Thronbesteigung Friedrich Wilhelms IV. um mehr als wenige Monate überlebt hätte , steht freilich dahin . Fast möchten wir es bezweifeln . Der König war eben König , und Schinkel , wenn auch in vielem nachgiebig , war doch sehr fest in seinen Kunstprinzipien . Die einzige Begegnung , die sie noch hatten , verlief nicht ermutigend . Schinkel , wenige Tage nach der Thronbesteigung bereits zum Könige berufen , war nicht da ; er war ohne Urlaub nach Ruppin gereist . Als er erschien , wurde er mit den Worten empfangen : » Sie haben sich wohl vor dem Kanonendonner gefürchtet , der meinem Volke meine Thronbesteigung verkündete . « Gewiß wäre alles auf eine Weile hin wieder eingeklungen ; aber , wie immer auch , der König war eben – der Kronprinz nicht mehr . 30 Es existiert ein natürlicher Gegensatz zwischen dem Chevaleresken und dem Merkantilen , der natürliche Gegensatz von geben und nehmen . Schon der einfache Kalkul : » ich kaufe zu 1 und verkaufe zu 2 « , enthält ein Etwas , das dem noblesse oblige widerstreitet , dem überall , wo es echt ist , die Neigung innewohnen muß , den vorstehenden Rechnungssatz umzukehren . In den höchsten Handelssphären haben sich freilich diese Gegensätze von geben und nehmen gelegentlich versöhnt , und die Kaufhäuser erwiesen sich dann den Fürstenhäusern verwandt , in denen sich die Gewinnfragen zu Kulturfragen gestalteten . Aber so gewiß es in Jahrhunderten , die nicht allzuweit zurückliegen , solche Handelshäuser gegeben hat , so gewiß ist es doch auch , daß unsere Sandmark – von Berlin selbst ist abzusehen – jederzeit der unglücklichste Boden für sie gewesen ist . Hier war , als Regel , immer nur der Kleinhandel zu Hause , der , bis in die neueste Zeit hinein , seine Normen weder aus Venedig und Florenz , noch aus Amsterdam und dem alten Hansa-Lübeck entnehmen konnte . 31 Prinz Friedrich von Schleswig-Holstein , Sohn des Prinzen von Noer , wurde 1803 geboren und starb 1881 . Er erhielt 1870 vom König von Preußen für sich und seine Deszendenz den Titel Graf von Noer , Prinz Friedrich war ein begeisterter Orientalist , der , nachdem er jahrelang in Indien gelebt , über seine Reisen in Kleinasien geschrieben und zuletzt ein sehr beachtenswertes Werk : » Geschichte des Kaisers Akbars des Großen « hinterlassen hat . 32 Sohn des berühmten Hallenser Anatomen , ein Schüler Hans Gudes , lebt in Karlsruhe . 33 W. Gentz scheint hiernach davon auszugehen , daß beiden berühmten Malern ( Rembrandt und Menzel )