Euretwillen wurde Glockenläuten , Gesang und Gottesdienst zerschlagen . « Dann die zornbebende Stimme des Ingolstädters : » Warum sperrt Ihr um meinetwillen die Kirchen ? Laßt sie offen für die anderen ! Dann könnt Ihr läuten , singen und Messe lesen nach Herzenslust . Belagert nicht meinen Weg ! Ich will zum König . Wozu das Reich , wozu der Herrscher , wenn die beiden sich verschließen vor der Not eines Deutschen ? « Im Zelt sagte Sigismund heiter : » Oh ? Wo bleibt Paris ? Mein Land ist reicher geworden um einen deutschen Mann . « Da stürmte Herzog Ludwig in das Zelt , mit Staub bedeckt , das Gesicht von Gram zerstört , in den Augen den zerbrochenen Stolz . Schweigend biß er die Zähne übereinander und beugte das Knie . Die Majestät trat zurück , blieb stumm und streckte abwehrend , mit einer anmutsvollen Geste , die schönen Hände vor sich hin . Herzog Ludwig drückte den starren Nacken noch tiefer hinunter und harrte zitternd auf ein gütiges Wort . Weil es nicht kommen wollte , erbarmte sich der Markgraf dieses Gebeugten , wollte ihm mit einem freundlichen Scherz über den bösen Augenblick hinüberhelfen und sagte freundlich : » Oheim ? Ihr habt keine gute Farbe . Seid Ihr ein so strenger Christ , daß Ihr im Übermaße fastet ? « Die gute Absicht dieses Scherzes mißverstehend , fuhr Herzog Ludwig vom Boden auf , mit brennender Stirne , mit Trauer und erneutem Haß in den Augen . » Willst du mich höhnen ? Du ? Der verschlang , was in meines großen Ahnherren goldenem Kessel gekocht wurde für Witteisbach ? « » So ist es nicht . Aber wenn es so wäre , könnt ich nicht leugnen , daß es mir mundet . « Noch heißer gereizt durch diese lächelnde Ruhe , wandte sich der Herzog an die Majestät . » König ! Leidende haben ein helles Gesicht . Laß dich warnen vor diesem allzu Gesunden . Er wird dir die deutsche Krone nehmen , wie er meinem Hause die Mark genommen . « » Die gab ich ihm doch . Als Dank für redliche Dienste . « » Laß dich warnen ! « Die Stimme des Herzogs war rauh von Zorn . » Seine Federn sind schwarz und weiß wie die der Elster . Was eine richtige Elster ist , die läßt ihr Hüpfen nicht . « Herr Sigismund lachte heiter . Dennoch war es ihm anzumerken , daß diese Warnung bei seinem leicht erregbaren Mißtrauen ihr Ziel nicht völlig verfehlt hatte . Des Königs achtete der Markgraf in diesem Augenblick nicht . Er sah nur den von Zorn und Leid durchwühlten Herzog an und sagte ernst : » Leidende haben kein helles Gesicht , sie haben verschleierte Sinne . Dieses Wissen versöhnt mit ihnen . Ihr seid ein vergrämter Vogel , Oheim ! Man merkt es an Eurem verstimmten Gesang . Ich habe schon bessere Lieder von Euch vernommen . Seht zu , daß Eure Kehle sich bald wieder bessern möge . « Er neigte sich vor der Majestät und ging im Geklirr seines schweren Panzers aus dem Zelt . Die Augen des Königs , die ihm folgten , hatten eine unmutigen Blick . Dann sagte er zu Herzog Ludwig mit jener gütigen Strenge , deren Ton er glücklich zu treffen wußte : » Oheim , du bist ein männlicher Fürst . Auch warst du ein Mächtiger an Barschaft . Das haben Wir zu Unseren Gunsten oft erfahren . Wir schulden dir viel . Des wollen Wir gedenk bleiben . Aber dir ist es ergangen , wie es allen ergeht , die mehr Vertrauen in sich selbst haben als in Gott . « Während immer das ferne Glockenläuten summte und das Zinkengeschmetter des festlichen Zuges näher und näher tönte , zwang Herr Ludwig die Worte heraus : » Was ich habe , will ich geben . Jetzt bin ich arm . Reichtum wird wiederkommen . Die Majestät verspreche mir nur , mich ungeschädigt bei meiner ererbten Herrschaft zu halten . Was ich erbitte , ist mein fürstliches Recht . « » Der Schuldige muß empfangen , was ihm zugesprochen wird , um christlicher Güte willen . Du bist besiegt durch die Kraft der anderen und durch die eigene Torheit . « Das Gesicht des Herzogs entstellte sich . » Mich besiegte einer , den ich nicht nenne . Man kann einen Menschen beugen . Sein Recht bleibt stehen . Ich fordere mein Recht . « » Wer fordert und nicht die Macht hat , seinen Willen durchzusetzen , ist ein Narr . « Bei diesem Worte nahm die heiter gewordene Majestät dem Herzog die pelzverbrämte Mütze vom Kopf und setzte ihm die Schellenkappe der Narren auf . Herr Ludwig stand unbeweglich . Draußen erscholl ein süßer , lieblicher Gesang von tausend Kinderstimmen . » Wir werden entscheiden im Rat der Fürsten ! « sagte Sigismund . » Unsere treuen Regensburger kommen . « Er wandte sich . » Meine Krone ? « Unter spöttischem Grinsen brachte der Zwerg das von edlen Steinen funkelnde Königsgeschmeid : » Nimm , barmherziger Vetter , das ist deine Narrenkappe ! « » Meinst du , Wir hätten nicht den klugen Kopf , den sie verlangt ? « » Den hast du , leider ! Du versäuerst mir mein hartes Brot , das wir zuweilen schuldig bleiben . Oft bist du witziger als ich . « Der Narr hörte das Rauschen eines seidenen Kleides und schmunzelte . » Die Funken deines Witzes erlöschen nur , wenn du Ehemann wirst . Und da kann ich meinen Witz nicht zeigen . Weil ich außerhalb des Türchens bleibe , hinter dem du klein und töricht wirst . « Königin Barbara , die zweite Gemahlin der Majestät , trat aus der Zeltkammer , in milchblaue Seide gekleidet , die jede Form des schönen Körpers nachzeichnete . Funkelnd thronte das Krönlein über dem kupferroten Haar , und wie ein Glitzerhauch umfloß der