wieder eingefunden hatte und für morgen gewisse Vorbereitungen zu treffen begann , welche den Hafenmeister zwangen , ihn und seine Bewaffneten einzusperren . Dilke war nicht mit dabeigewesen . Uebrigens , hätte es sich nur um den verpönten Opiumhandel und nicht zugleich auch um einen Gewaltstreich nebenbei gehandelt , so wäre der Pu-Schang an sich Manns genug gewesen , » Seine Exzellenz , den Europäer « vorausgesagter Weise aus dem Hafen schaffen und draußen verbrennen zu lassen . Unser Kreis am Tisch war nicht sehr groß . Rechts von mir saß Pfarrer Heartman , links der Oekonom von Raffley-Castle , ein hochgebildeter Chinese , der seine Studien in England , Frankreich und Italien gemacht hatte und sich wiederholt bei mir entschuldigte , daß er nicht auch in Deutschland gewesen sei . Mir gegenüber saß Yin . Man wird sich erinnern , daß ich auf Sumatra zum Governor sagte : » Dieses Portrait der Yin ist ein Rätsel , ein neues , ein schönes , ein entzückendes Rätsel , an dessen Lösung ich mein Leben setzen würde , wenn ich Maler wäre ! « Nun hatte ich das Original des Bildes gerade vor meinen Augen . Wie stand es um das Rätsel ? War es noch da ? Verdichtete es sich ? Oder begann es bereits , sich aufzulösen ? Ich will da einmal sehr wichtig tun und den Geheimnisvollen spielen . Bekanntlich ist dem Schriftsteller viel , sehr viel erlaubt ; ich aber gehe noch weit über dies hinaus und erlaube mir etwas , was sich noch keiner dieser Herren je gestattet hat , nämlich - - zu schweigen ! Ich beschreibe unsere Yin auch heut noch nicht und jedenfalls auch morgen und übermorgen nicht ! Und ich habe ein Recht dazu , denn alle meine bisherigen Reiseerzählungen sind nur Vorstudien , Uebungen und Skizzen , bei denen ich lang oder kurz , breit oder schmal sein kann , ganz wie es mir beliebt . Ich habe ja bereits gesagt , daß ich kein Künstler bin , und fühle mich also frei von jedem Zwang , unter dem - - - bald hätte ich gesagt : die Kunst zu seufzen hat . Als ob die wahre Kunst , der wahre Künstler irgend einem Zwange zu gehorchen hätte ! Im Gegenteile , die Kunst ist die Bezwingende ; sie macht sich alles , alles untertan ! Ich saß ihr heut gegenüber , ihrer schönsten , ihrer überzeugendsten Personifikation - - unserer Yin . Aber man glaube ja nicht , daß sie viel erzählt und viel erklärt und überhaupt viel gesprochen habe ! Und man glaube auch nicht , daß ich erzählen werde , wovon wir uns unterhielten ! Ich hoffe , nun bald über die Zeit der Vorübungen und Studien hinaus zu sein . Und ich hoffe , daß meine Leser mit mir bis hierher gegangen sind , wo sie mich nun wohl begreifen , oder doch wenigstens begreifen wollen . Dann hören wir mit diesen Etuden und Vorarbeiten auf und gehen an das eigentliche Werk . Die Leinwand wartet ja schon längst darauf . Und Yin , die einzig wahre Kunst , wird uns den Stift , wird uns den Pinsel führen ! Sie hat es mir an diesem Abend versprochen , und ich weiß , sie hält ihr Wort ! Wir saßen da wohl bis Mitternacht beisammen . Da wurde John an den Fernsprecher gerufen , um von Fu eine Meldung zu empfangen . Er führte uns dann hinaus auf den Söller und zeigte uns ein Licht , welches weit , weit draußen am östlichen Himmel glühte , fast wie ein Stern , der aber flackerte . Es brannte ein Schiff auf der Reede von Ocama . » Das ist Seine Exzellenz , der Europäer , dem es an das Leben geht , « erklärte er . » Fu meinte , daß er wohl kurzen Prozeß mit ihm machen werde , und das ist nun geschehen . Eine Warnung für die Fan-Fan ! Wir können unbesorgt zur Ruhe gehen . « Ich war am andern Morgen soeben aufgestanden , da klopfte es an meine Tür . » Wer ist ' s ? « fragte ich . » Ich , dein Sejjid Omar . Kann ich hinein ? « » Ja ; es ist offen . « Er war ganz atemlos , als er eintrat . » Sihdi , weißt du , was heut ist ? « fragte er . » Dienstag , « antwortete ich . » Nein , sondern Revolution ! Du siehst , daß ich es besser weiß ! Das macht , weil ich so gut chinesisch reden kann ; ich gattere alles aus ! Die ganzen Diener , die es hier gibt , wollen von mir arabisch lernen , weil sie sich nicht so gut chinesisch mit mir ausdrücken können , und da erzählen sie mir alles , was geschieht . Diese Revolution ist aber eine , bei welcher nicht geschossen wird , auch nicht gehauen oder gestochen , sondern es wird nur gelacht , weiter nichts , weiter gar nichts . Begreifst du das ? « » Ja . « » Was ? Das begreifst du ? « fragte er verwundert . » Ich habe es nicht begriffen . Bei einer Rebellion muß man doch alles totschlagen ! Den Vizekönig , die Pascha ' s , die Generäle und ganz besonders Jedermann , der im Ministerium ist . Das weiß ich von Aegypten aus , wo sie so gemacht würde , wenn eine wäre . Aber es gibt keine . In Stambul machen sie bloß den Sultan tot ; das ist dann eine ! Aber hier kommen sie über die Grenze herüber , um große Reden zu halten . Sie werden zum Essen eingeladen und bekommen viel , sehr viel Samschu zu trinken . Das ist ein starker Schnaps , von dem sie einschlafen . Das ist dann eine ! Und wir sitzen dabei und lachen ! Glaubst du wirklich , daß das eine ist