keinen ebenbürtigen Gegner gehabt . So wenigstens hatte Ahriman gerechnet , dabei aber nicht angenommen , daß schon das erste Rennen für ihn verloren gehen könne . War er denn gedankenschwach geworden ? Er sah doch unsere Rappen stehen , gegen welche diese Schecke unmöglich aufkommen konnte ! Wenn sie dieses zweite Rennen verlor , wurden wir Sieger und brauchten gar nicht weiter mitzumachen ! Wir fragten unsern Kara , ob er es übernehmen wolle , den angeblichen Iblis mit dem Barkh behaglich um die Ecke zu reiten , und er war mit Wonne bereit dazu . So wurden also diese beiden Pferde und ihre Reiter ausgerufen . Wir sahen , daß der » Freund « jener Vertraute war , der mit dem Obersten der Schatten den geheimen Gang in den Ruinen untersucht hatte . Er stieg auf und schaute von seiner Schecke herab , als ob er die Absicht habe , seinen Gegner sofort in Grund und Boden zu reiten . Es kam aber anders ! Hatte nämlich der Ustad mit dem Geheimnisse gespart , so tat Kara jetzt das Gegenteil . Kaum waren nach dem gegebenen Zeichen die Pferde in Gang , so gab er es und war schon in der nächsten Minute dem » Freunde « so weit voraus , daß alle Zuschauer staunten . Und das wuchs und wuchs ! Die Schecke lief gut ; sie lief , was sie nur konnte ; aber sie kam gegen unsern Rappen nicht vorwärts , trotz ihres guten Willens . Auch der Reiter gab sich alle Mühe , doch umsonst . Als Kara , die zweite Runde beginnend , an uns vorüberkam , hatte er das Geheimnis bereits wieder ausgelöst ; die Schecke war aber noch jenseits draußen vor dem Duar , dessen ganze Ausdehnung also schon zwischen ihnen lag . Und nun tat Kara weiter nichts , als daß er diesen Abstand unausgesetzt erhielt , bis er nach der zweiten Runde das Ziel erreichte . Zwei Touren gewonnen von dreien ! Wir waren also Sieger ! Da aber erhob Ahriman Mirza von dem Ausruferstand , den er bestieg , lauten Einspruch . Das erste Rennen gelte nichts , weil der Scheik ul Islam unehrlich gewesen und vorgeritten sei . Er beschimpfte also seinen eigenen Partner und drang auf die dritte und letzte Tour . Nur wer diese gewinne , sei Sieger , sonst aber Keiner ! Die Preisrichter nahmen diese Frage vor und entschieden für uns , denn man könne die Unehrlichkeit doch nicht belohnen und der Ustad habe ausdrücklich erklärt , daß er nicht protestiere . Die Gegner aber standen zum Mirza und wollten sich nicht fügen . Schon standen wir in Begriff , mit Gewaltmaßregeln zu drohen , da geschah etwas sonderbar Seltsames . Schakara verließ nämlich , ohne uns vorher hierüber zu verständigen , ihren Sitz , stieg die Stufen zum Stand hinauf und winkte Schweigen . Das Erscheinen eines Mädchens da eben verwunderte . Man war still . Da begann sie zu sprechen , kurz , klar , bestimmt . Sie forderte Ahriman Mirza auf , seinen Chandschar mit zu den Preisen zu legen , dann werde das dritte Rennen sofort stattfinden , und wer es gewinne , der habe gesiegt . Sie tat sogar noch mehr : Sie setzte gegen den Dolch die bereits gewonnenen Kamele , so daß also dem Sieger dieser letzten Tour der ganze Gewinn und dazu der Chandschar zu gehören habe . Wir staunten ! Der Mirza auch ! Woher nahm dieses sonst so bescheidene , zurückgezogene Mädchen den Mut , hier in dieser Weise öffentlich aufzutreten ? Uns allen in einer so wichtigen Sache ohne Erlaubnis vorzugreifen ? Da drückte mir der Ustad die Hand und sagte : » Erschrecke nicht ! Du weißt , sie kommt von Marah Durimeh ! Sie hat geheime Gründe ! Wenn der Mirza darauf eingeht , tue ich es gern . Du hast ja den Syrr ! « Da verließ Ahriman seinen Platz . Mit weit geöffneten Augen Schakara anstarrend , schritt er langsam zu ihr hin , löste den Chandschar vom Gürtel und reichte ihn ihr hinauf . Sie nahm ihn . Nun legte er sich beide Hände vor die Augen und stand eine Weile still , doch mit zuckendem Körper . Hierauf nahm er die Hände hinweg , richtete sich kerzengerade empor , warf beide Arme in die Höhe und rief aus : » Meinen Chandschar , meine Waffe , mein Höchstes ! Nicht um ein Reich zu beherrschen , sondern für Pferde und Kamele ! Aber ich muß , ich muß ! Sie hat ihre Augen ! Sie hat ihre Gestalt , ihre Stimme ! Und sie hat auch ihre Gedanken und ihre Macht ! Da bin ich nichts ; da muß ich gehorchen ! - - - Wohlan ! Holt mir den Teufel ! Aber den echten , den wahren , den wirklichen , nicht den faschen , den gelogenen ! Es gilt ein Reiten , wie es wohl noch nie geritten worden ist ! Denn wenn Marah Durimeh mich zwingt , in den Sattel zu steigen , um meinen Chandschar zu retten , so stellt sie mir auch jenes von der Hölle gehaßte Geschöpf , aus dessen Haar beim Ritt die Funken springen ! Also den Teufel her , den Iblis ! Und schnell , denn es hat Eile ! « Wen oder was meinte er mit jenem » Geschöpf , aus dessen Haar die Funken springen « ? Hatte er das nur figürlich gemeint ? Oder war er bereits verrückt ? Vielleicht das Letztere , denn sein Gebaren glich augenblicklich ganz dem eines Irren , der auf Etwas warten muß und es doch nicht erwarten kann . Und als man das verlangte Pferd brachte , sprang er auf dasselbe zu , schnellte sich in den Sattel und rief aus : » Das ist er , das , der schnellste aller Teufel ! Und ich bin Ahriman , sein Meister und sein Herr ! Wo ist der