Selbst Chodeh giebt nicht mehr , als man besitzt . Wir haben genug . Laß uns das ! « » Hast du einen Sohn ? « » Nein . « » Ich hörte es . Er ist tot . « » Ermordet von deinen Massaban ! « » Das ist vorüber ! Hast du eine Tochter ? « » Nein . « » Wer ist dein Erbe ? « » Der Stamm wird es sein . « » Wer wird nach deinem Tode Scheik ? « » Der , welchen die Dschemma wählt und unser Ustad bestätigt . « » Kann er schon vorher gewählt werden ? Also wenn du noch lebst ? « » Ja . Ich wünsche sogar , daß es geschehe . « » Hierauf bezieht sich mein Vorschlag . « » Maschallah ! Du willst dich in die Wahl meines Nachfolgers mischen ? « » Nein . Es soll gar nicht gewählt werden . Ich will ihn euch bezeichnen . « » Wer soll es sein ? « » Tifl . « Man kann sich die Wirkung dieses einen , kleinen , einsilbigen Wörtchens denken ! Aber niemand sprach . Tiefe Stille herrschte rundum . Auch der Pedehr schwieg , doch war jetzt sein Lächeln ein ganz anderes als vorher . » Also Tifl wird als zukünftiger Scheik gewählt , « setzte der Perser seine Rede fort , » und der Schah-in-Schah giebt ihm eine Frau . « » Das also ist das Gnaden- oder Ehrengeschenk ? « fragte der Pedehr . » Ja . Ein kostbares Geschenk , denn sie ist die Tochter eines Freundes von mir , der Prinz ist und also den Titel Mirza hat . Ich sehe , daß ich mich nicht in euch getäuscht habe . Ihr scheint vor Entzücken über dieses unerwartete Glück ganz starr zu sein . « » Macht das Entzücken starr ? « » Ich denke es . Die Sprache hat es dir aber nicht geraubt . Was hast du mir zu sagen ? « » Ich ? Hier kann doch wohl nur der , den es betrifft , zu sprechen haben . Tifl , komm her ! « Der Gerufene trat näher . Er lachte am ganzen Gesicht ; aber es war ein Lachen deutlichster Verlegenheit . » Hast du gehört , was gesagt worden ist ? « fragte ihn der Pedehr . » Ja , « antwortete das Kind . » Was sollst du werden ? « » Scheik . « » Willst du ? « » Nein . « » Warum nicht ? « » Ich bin ja viel zu dumm dazu ! « » Aber das ist ja grad der Grund , weshalb er dich vorgeschlagen hat ! « » Wenn er so dumm ist , wie er denkt , daß ich bin , so mag er es selber werden ! « » Jetzt hältst du dich aber doch wieder für klug ! « » Auch das ist richtig ! « » Wieso ? « » Um Scheik zu sein , dazu bin ich zu dumm . Und um mich zum Scheik machen zu lassen , bin ich zu klug . Eben weil ich mich für dumm halte , bin ich gescheit . Bei diesem Perser aber ist es umgekehrt : er hält sich für gescheit und ist folglich dumm ! « Das war ein urechtes Tiflwort . Alle lachten , nur Ahriman Mirza nicht . » Noch etwas , lieber Tifl ! « fuhr der Pedehr fort . » Hast du alles gehört ? « » Ja . « » Auch daß du eine Frau bekommen sollst ? « » Auch das . « » Was meinst du dazu ? « » Ich mag keine . « » Aber sie ist eine Prinzessin ! « » Umso schlimmer ! « » Also nicht ? « » Nein ! Wenn ich mir eine Frau nähme , so könnte es doch wohl keine andere sein als meine Pekala . Die bäckt und kocht . Die kann alles und thut alles . Die erzieht mich sogar . Eine Prinzessin aber müßte ich erziehen , und das ist mir nicht einmal bei meiner Pekala eingefallen und kann mir also bei einer Fremden erst recht nicht einfallen ! « » Aber du sollst doch von ihr erzogen werden ! Das ist es ja eben , was dieser Ahriman Mirza will ! Einen dummen Scheik der Dschamikun mit einer verschmitzten , arglistigen , ränkevollen Frau , welche ihren Anhang mit allen Fehlern , Gebrechen und Sünden , an denen wir dann langsam zu Grunde gehen sollen , mit zu uns bringt ! Und das bezeichnet man als ein Gnaden- und Ehrengeschenk des Schah-in-Schah ! Solche Geschenke giebt die Hölle , aber nicht der Beherrscher , der nur das Gute will ! Uebrigens , mein lieber Tifl , will ich dir ein Wort der Wahrheit sagen . Schau dir den Perser an ! Genau ! « Tifl that es sehr eingehend . » Bist du fertig ! « fragte dann der Scheik . » Ja . « » Gefällt er dir ? « » Nein ! « » Uns auch nicht . Auch wir gefallen ihm nicht , obgleich er , um uns zu überreden , das Gegenteil behauptete . Das war aber von ihm gelogen . Er hat sich über dich lustig gemacht . Er kennt dich nicht , deinen Mut , deine Gewandtheit , deine Fertigkeiten , deine Treue und Liebe , dein reines Herz , dein tiefes Gemüt und alle , alle die tausend Himmelsgaben , die dir von Chodeh verliehen worden sind . Er ist genau und wirklich das , was du vorhin von ihm sagtest : dumm ! Wenn der neue Scheik der Dschamikun jetzt gleich bestimmt werden sollte und wir hätten die Wahl zwischen dir und ihm , so versichere ich dir , daß wir dich wählen würden ; er aber müßte mit einer Nase abziehen , die gewiß zehnmal größer wäre als