anders als ruck- und stoßweise an den göttlichen Geliebten zu denken - wenn ' s überhaupt geschieht ! Aber für uns heißt es : Was droben ist , habet im Sinn , nicht was hienieden . Wir sind ja da , um uns in die Betrachtung seines Lebens und Leidens , seines Todes und seiner Herrlichkeit , seiner Lehre und seiner Liebe zu versenken ; sind ja da , um es nach unseren Kräften mitfühlend nachzuleben ; sind ja da , um ihm zu sagen , daß wir ihn lieben ; daß wir verlangen , ihn so zu lieben , wie er geliebt sein soll und sein will ; daß wir wünschen , der ganze Erdkreis möchte ihn erkennen und lieben ; daß wir begehren , jeden Blutstropfen zu vergießen , jeden Atemzug zu verhauchen , um zu bewirken , daß sein Name verherrlicht und sein Reich verbreitet werde . Er will hören , daß sein Geschöpf ihn liebe . Zwischen den Millionen von Worten , die eine armselige Liebe verherrlichen , und zwischen den Millionen von Beleidigungen , welche sein göttliches Herz durch sündige Liebe empfängt , will er doch auch ein paar Worte hören , die zu ihm allein von Liebe sprechen und denen der Beweis nachfolgt , daß es keine leeren Versicherungen sind . Dazu sind wir da ; das ist die Bestimmung unseres mystischen Karmels . Uns erwartet nicht ein großer Kreis von frommer Tätigkeit , der anderen Orden zugewiesen ist ; nicht die unmittelbare Wirksamkeit auf die Seelen , welche man in der Armen- , Kinder- , Gefangenen- und Krankenpflege übt . Wir sind nur da , um den göttlichen Liebhaber der Seelen zu lieben und es ihm zu sagen - betend , leidend . Wer das will - der denkt an ihn ! und wer einmal angefangen hat , an ihn zu denken - o , der findet das nicht mehr so schwierig , wie es Dir erscheint . Aber anfangen mußt Du ! Du mußt an ihn denken wollen , ihn lieben wollen . « » Ich will aber nicht Karmelit werden ! « versicherte Uriel eifrig . » Was soll denn eigentlich aus Dir werden ? « fragte sie , als habe sie seine innere Unruhe erkannt . » Ich weiß es nicht ! « brach Uriel aus . » Ich weiß nur dies : ich kann nicht mein Herz der Welt vor die Füße werfen ; nicht lieben , wie sie liebt ; nicht begehren , was sie begehrt ; nicht dienen , wem sie dient ! ich kann in nichts mit ihr Schritt halten . « » Gott Dank ! « rief Regina ; » ist das Herz gründlich von der Welt abgewendet , so kehrt es sich leicht dem Himmlischen zu . Aber , Uriel , zur Welt gehört auch die Welt Deines Ichs ; und der Abschied von ihr ist nicht so leicht , als von der äußeren Welt . « » Ich meine , « entgegnete Uriel , » ich hätte auch die verabschiedet . « » Suchst du kein Glück irgend einer Art zu erringen und zu genießen ? « » Doch ! « rief er lebhaft ; » die Seele ringt nach Glück . Allein sie will nur ein übernatürliches genießen . « » Sieh ! das ist noch Welt , Uriel : Genuß finden wollen im übernatürlichen Leben ! Begehrst Du den , so bist Du ja gleichsam ein Lohndiener . Als der göttliche Heiland am Kreuz hing , durchströmte ihn ohne Zweifel eine unbegreifliche Seligkeit , das Werk der Erlösung vollbracht zu haben ; allein er empfand so gar nicht den Trost , der doch in überschwänglicher Weise daraus hervor hätte strömen müssen , daß er wehklagte : Mein Gott , warum hast du mich verlassen ! So müssen auch wir unser Glück einzig und allein in der vollkommenen Hingebung an den Willen Gottes - ohne Beimischung von Genuß und Trost suchen . « » Ich bin aber nicht so vollkommen ! « rief Uriel . » Ich auch nicht ! « entgegnete Regina . » Daß wir es werden , ist Gnadensache ; daß wir uns alles Ernstes daran machen , es werden zu wollen , ist unsere Sache . Übrigens bleibt Dir keine Wahl ! da Du dein Herz nicht der Welt vor die Füße werfen willst , mußt Du es an ' s Kreuz heften . Eine Zwischenstation gibt es nicht . « » Allein es gibt ein Maß in der Kreuzigung , Regina ! Du hast immer das Leben nach den evangelischen Räten mit seinen drei entsetzlichen Nägeln im Sinn . « » O , « fiel sie lebhaft ein , » Du nennst sie entsetzlich ; ich nenne sie unser Brautgeschmeide . Mit ihrem Schmuck sind wir des Bräutigams wert , denn sie verähnlichen uns ihm . Schlagen sie den natürlichen Menschen an ' s Kreuz , so heben sie dafür den übernatürlichen zum Himmel hinauf . Sie machen es ihm möglich , seinen Reichtum in Gott allein , seine Freuden in Gott allein , seinen Willen in Gott allein zu suchen und zu finden . Ja , nur sie machen ihm die vollkommene , die Christus ähnliche Hingebung an Gott möglich . Unter dem Gelübde des Gehorsams , welches die beiden anderen sicher stellt , führt der Mensch ein Abbild vom Leben des Gottessohnes , der dreißig Jahre lang in der Hütte und der Werkstatt von Nazareth sterblichen Menschen untertan war . Nein , Uriel ! göttlich ist das ganze Evangelium ! aber die drei Nägel sind seine Krone und seine Glorie . Die bilden büßende Seelen , jungfräuliche Seelen , Martyrerseelen . Nimm diese hinweg - was bleibt übrig im Leben des Christentums ? nur die Gebote , nur das Alltagsbrot , während das himmlische Manna verschwindet . Den Vater behalten wir , aber den Bräutigam verlieren wir . Die evangelischen Räte sind das eigenste Eigen des Christentums . Das Jesukindchen hat sie vom Himmel herunter