? Die Schonung und die Scheu vor Menschen , denen Benno so dankbar verpflichtet war , hinderte ihn selbst gegen Thiebold sein Erstaunen und seine tieferschütterte Ueberraschung auszusprechen . Unruhig und bewegt stand er auf und schritt in seinem Zimmer , deren Thüren er öffnete , auf und nieder ... Thiebold nahm , während sie dann von den Leuten frei wurden , die Thür schlossen und frühstückten , seine Bemerkung , daß der Assessor von Enckefuß drüben im Hause der Ermordeten wäre , dann Piter ' s Reise und die Gefahr des Hedemann ' schen Ankaufes wieder auf . Letztere stellte jedoch Benno entschieden in Abrede . Nur staun ' ich , sagte er , wie das seit gestern so rasch gegangen ! Schon in Kocher am Fall theilte ich Hedemann und dem Obersten mit , daß ich , wenn etwa Nück der Gesammtgläubiger des Herrn von Enckefuß würde , dafür Sorge tragen wollte , daß Hedemann die Mühle um den Preis bekäme , den er an den auf sie angewiesenen Hypothekengläubiger zahlen wollte . Alle diese Gläubiger lassen mit Freuden ihre Hypotheken mit einem Verluste ab , wenn sie nur überhaupt die Subhastation vermeiden können , bei der sie verlieren ; denn auf diese Besitzungen wurde mehr Geld aufgenommen , als sie jetzt Werth haben . Kauft Nück durch seinen Schwager die Hypotheken auf , so wird er der alleinige Gläubiger des Verschuldeten und ich hoffe - indessen wünscht ' ich doch zu wissen , ob der Assessor lange drüben verweilt und ob er vielleicht - Herüber kommt ? unterbrach Thiebold , sehr befriedigt von der dann nothwendigerweise eintretenden vollständigen Aussöhnung . Und dieser Aussöhnung schon gewiß sagte er : Es ist einzig , welchen Nachdruck der Oberst und Hedemann auf diese Erwerbung bei Witoborn legen ! Beide haben , erklärte Benno und fixirte die Fenster , wo die Ermordung stattgefunden - die Küche selbst lag nach hinten auf eine düstere und einsame Brandmauer hinaus - beide haben den Stolz , da , wo sie zu Hause sind , mit dem gebührenden Nachdruck ihrer ganzen alten Lebensstellung wieder auftreten zu wollen ! Hm ! grübelte Thiebold und setzte kleinlaut hinzu : Wie viel anders könnte das alles sein - wenn - Glauben Sie wol , Asselyn , unterbrach er sich , daß ich einmal , ich will nicht sagen jetzt , aber in einem Jahre oder zwei , einen - Korb bekomme , falls ich als Bürgerlicher - Benno verstand vollkommen , daß Thiebold von einer Werbung um Armgart und den Vortheilen einer Verbindung des Vaters mit seinem Vermögen sprechen wollte . Bürgerlicher ? De Jonge ! sagte er scheinbar ironisch , während ihm alle Nerven zuckten und Thiebold ' s auch nur angedeutete Werbung einen Stich durchs Herz gab . De - de - ? Ach so , Sie meinen - sagte Thiebold verlegen ... De Jonge - ! Wer wird Ihnen einen alten niederländischen Adel abstreiten können ! Einen Adel , der viel Mesalliancen durchgemacht hat ! Wir handeln jetzt mit Brenn- und Nutzholz , aber kein Baum hat uns je so morsch auf Lager gelegen wie unser Stammbaum ! Das De sagt immer etwas - Hören Sie ' mal , meine sel ' ge Mutter war sogar eine geborne Tor - Tor Möhlen ! Zur Mühlen ! Sie sehen , wie alles zusammenkommt , um das Wasser auf Ihre Mühle zu treiben ! Aber Joseph Tor Möhlen - Twist und Baumwolle - Haben Sie denn nicht gehört , daß der Oberst von Hülleshoven nicht übel Lust hat , mit Hedemann die Mühle ganz einfach in eine Papierfabrik zu verwandeln ? Nach dem Dechanten , als die Rede davon war , ein bloßer Scherz ... Scherz , den der Oberst ernst zu nehmen der Mann ist ! Oder haben Sie nicht bemerkt , daß in diesem Sonderling ein Gelüsten lebt , dem ganzen Geiste seiner Provinz gleichsam einen Fehdehandschuh hinzuwerfen ? St ! unterbrach Thiebold , der bei alledem so in Gedanken verloren war , daß er seine Absicht ganz vergessen hatte , die Rückkehr des Herrn von Enckefuß aufs Fenster blickend abzupassen und ihn gemüthlich , als wäre nichts zwischen seinem geliebten Hedemann und dem Assessor im Garten des Wirthshauses am Kreuzwege vorgefallen , anzurufen . Aufhorchend fuhr er fort : Sie bekommen Besuch ! Man hörte auch das gleichmäßige und sichere Ersteigen der Treppe durch einen festen Schritt , der an der Thür Benno ' s Halt machte ... Es klopfte und ohne erst lange ein Herein ! abzuwarten trat der Assessor von Enckefuß ins Zimmer . Vom Schauplatz eines Mordes zu kommen wird den Ruhigsten in Aufregung bringen . Der Assessor war sonst ein Mann von einer seltenen Bestimmtheit und Fassung ; heute , in aller Frühe schon vom Lager gerufen , um den Thatbestand eines seltenen Verbrechens aufzunehmen und den Eifer und Scharfsinn seiner Beigeordneten zur Entdeckung des Urhebers in Bewegung zu setzen , fehlte ihm fast jene Selbstbeherrschung , die ihn nie und nur dann verließ , wenn er sich einmal von einem im Grunde heftigen Temperamente fortreißen ließ . Aus dem Scherze , den er sich im Behagen , von seinem täglichen Amtsverdruß auf einige Tage einmal ausgespannt zu sein , gegen Porzia Biancchi erlaubt hatte , würde ohne Benno ' s Dazwischenkunft leicht gegen Hedemann eine rasche und schwer zu bereuende That geworden sein . Die gewohnte Kaltblütigkeit des etwa im Anfang der Dreißiger befindlichen , wohlgewachsenen und imponirenden Mannes kehrte zurück , als er Thiebold de Jonge sah , der ihn seit dem Zusammenstoß mit Hedemann vermieden und in Kocher ganz an Benno überlassen hatte . In jeder Lage , wo ein anderer durch eine unerwartete Störung in Verlegenheit gebracht wird , knöpft ein Charakter wie der Assessor sozusagen einen Knopf noch mehr zu und wird noch kühler werden , als ohnehin schon in seinem Wesen und Benehmen liegt . Nun also schon wieder in dem gewohnten Tone einer vor nichts erstaunenden Ruhe und Kälte sagte der in seinem