mit stumpfer Teilnahme , mit einer seltsamen Art von Neugier aus der Höhe zu , wie die beiden gegen das offene Tal hinausliefen , wie der Fischer , den seine Eingeweide zu brennen schienen , von seinem Genossen unterstützt aus dem Bache trank und wie den Zusammensinkenden ein draußen vorbeikommender Wagen aufnahm . Die Leute liefen im Tale von den Feldern zusammen , und er hörte in seiner waldigen Höhe das Geschrei : » Meuchelmord ! « Es wurde still in dem engen Tal des Todes , so still , daß alle Hirsche des Waldes sich darin hätten versammeln können . Nach einiger Zeit kam eine Kuh langsam aus dem Walde den Weg daher . Sie mochte sich von einer nahen , im Walde gelegenen Weide hierher verloren haben . Sie lief auf die Wiese , wo der Fischer den Todesschuß erhalten hatte , und begann sich an dem von der Sense verlassenen Grase zu ergötzen . Wieder verging einige Zeit , da kam ein Mann aus der Tiefe des Tälchens den schmalen Weg dahergegangen , eine vom Alter gebeugte und gebrochene Gestalt . Es war der Sonnenwirt , der in dieser frühen Stunde auf einem benachbarten Hofe einen Viehhandel abgeschlossen hatte und jetzt dem Tale zuging , um auf den Wiesen im Vorübergehen nach seinen Mähern zu sehen . Sein bleiches , mit tiefen Furchen gezeichnetes Gesicht verriet , daß seine guten Tage gezählt waren . Er schritt , kummervoll zu Boden blickend , seinen Weg dahin . Da rief eine Stimme über ihm , wie mit Donnerton : » Sonnenwirt von Ebersbach ! « Er fuhr zusammen und blickte in die Höhe . War das sein Sohn an dem steilen Waldabhange über ihm ? Er stand auf einer Lichtung , so daß die Bäume unter ihm nur bis an seine Brust reichten und ihn als eine Gestalt von übermenschlicher Größe erscheinen ließen . » Sonnenwirt von Ebersbach ! « rief er , auf sein Gewehr gestützt , » wo hast du deinen Sohn ? « Dem Alten ging ein Schauer durch Mark und Bein . » Sieh her « , fuhr die Erscheinung fort , auf ein junges Bäumchen deutend , das ohne Stütze überhing , und dann auf einen knorrig verkrüppelten Baum daneben : » sieh , wenn ich den jungen Schößling in die Höhe ziehe und ihm eine Stütze gebe , so wächst er aufrecht und lustig fort , aber an dem alten Knorren , der in seiner Jugend versäumt worden ist , ist alle Kunst verloren . Du hast deinem Sohn gesagt , du wollest ihm die Äst abhauen , wenn er zu krattelig werde . An dem alten , verwachsenen Knorren kannst du sehen , wie weit du es gebracht hast . Du hast deinen Schößling üppig aufwachsen lassen , da ihm strenge Zucht nötig war , und zur Zeit des freien Wachstums hast du ihn zu Schanden geschnitten . Dein Bub ist jetzt ein Mann geworden , ein Räuber und ein Mörder . - Laß dein Weib nicht für mich beten , wie sie einmal gesagt hat : ihr Gebet hat keine Kraft . Wenn du aber glaubst , alter Mann , daß du dir mit deinem Handel und Wandel eine Ansprache im Himmel eröffnet habest , dann bete du für mich . - Meine Zeit ist um , Vater , Ihr braucht keine Angst mehr vor mir zu haben , denn es riecht hier nach Blut . Der Abgrund hat sich aufgetan , und ich fühl ' s , wie ich zusehends tiefer and tiefer hineinsinke . Ich höre rufen : Komm ! Und ich komme . Lebt wohl , Vater , mög Euch Gott verzeihen - ich verzeihe Euch ! « Die Knie zitterten dem alten Manne , und er mußte sich an dem Rande des Weges zu Boden setzen . Erst nach langer Zeit wagte er in die Höhe zu blicken . Die furchtbare Erscheinung war verschwunden . » Ist das mein Sohn gewesen oder - ? Was er predigen kann ! Hätt ich ihn denn vielleicht einen Pfarrer werden lassen sollen ? Dummes Geschwätz ! Wenn er ein Räuber und Mörder ist , wie er sagt , so ist er ein schlechter Prediger . Aber ich hab ' s ja immer gesagt : er ist im Kopf nicht recht . « Mit diesen Worten hatte er sich wieder zurechtgefunden . Er erhob sich , schüttelte den Schrecken aus den Gliedern und schickte sich an , das Tälchen , in welchem er von demselben überfallen worden war , eilig zu verlassen , als er die Kuh bemerkte , die sich auf dem Eigentum eines Mitbürgers gütlich tat . Er jagte sie aus dem Grase heraus und trieb das unvernünftige Tier sorgfältig auf dem Wege vor sich her , während sein verlorener Sohn sich den Berg hinaufzog , um unwiderruflich einem Leben zu verfallen , das ihm selbst als die Hölle erschien . 38 Obwohl frei ohne jedes andere Maß und Ziel , als das sie selbst sich setzt , folgt doch die Dichtung gern dem Gefangenen in die Kerkerzelle und zum Schafott , aber sie verstummt unter dem Geräusche der christlich-deutschen Justiz . Wie sie es verschmäht , ihm in die schmutzigen Höhlen des gewerbsmäßigen Verbrechens zu folgen , so bleibt sie auch vor jenen verschlossenen Türen stehen , hinter welchen das Leben des Menschen stückweise an die Paragraphen eines fremden , toten Rechts gehalten wird . Sie läßt an ihrer Statt ihre Schwester mit dem stillen , unbewegten Auge , die Geschichtschreibung , eintreten und in dem Aktenstaube wühlen . Drei Jahre waren seit dem Tode des Fischers verflossen , der den Amtmann von Ebersbach und den Vogt von Göppingen gegen den Meuchelmörder in Bewegung gesetzt hatte . Es gab keine Vögte mehr im Lande , der Herzog hatte ihnen den Oberamtmannstitel erteilt , weil man , wie er sich in seinem Reskripte ausdrückte , den vorgesetzten Stabsbeamten zu ihrer Amtsführung , Erhaltung der fürstlichen Rechte und Vollziehung der