alterirte sie doch . Sie mußte etwas Melissengeist auf Zucker nehmen , um sich von denselben Aufregungen zu erholen , von denen Pauline von Harder sich nur ein wenig durch die Wahl der Toilette erholte , die sie eben machen wollte .... Als die Ludmer in das Garderobezimmer , wo ihre Herrin und Freundin noch wählte , nachkam , sagte diese nur die einzigen Worte : Da hast Recht , Charlotte ! Vor diesem Schlurck hab ' ich heute zum ersten Male ein Grauen empfunden . Es ist mir , als hätt ' er über uns Leben und Tod in seiner Hand . Und das Bild ? fragte die Alte . Hat seine Tochter Melanie durch irgend eine Schlauheit , im Einverständniß mit Egon , meinem Mann abgelistet ... Diese Kokette ! Wie war Das möglich ? .... Das Heranrollen eines Wagens vor dem offnen Thore des Hauses , die sichere Anfahrt und die Art der Öffnung des Schlages - man hörte das auf ' s Deutlichste -verrieth , daß der Geheimrath angekommen war . Die Bedienten klopften leise an die Garderobe und berichteten : Excellenz ? Excellenz ! Etwas langsam und bedächtig schallten die Fußtritte , mit denen der zum Beichten beschiedene alte Herr in den ersten Stock aufstieg , den er bewohnte ... Wir werden ja hören ! sagte Pauline ruhiger und entschied sich heute aus Rücksicht auf die zwei schönsten weiblichen Wesen , die man sich nebeneinander denken konnte , Melanie Schlurck und Helene d ' Azimont , für einen Stoff von Silbergrau , auf den Abend aber für ein Costüm , das sie seiner malerischen Einfachheit und eines gewissen orientalischen Turbans wegen immer das biblische nannte . Wir werden Gelegenheit haben , diese von Heinrichson ihr entworfene Toilette später genauer zu berichten ... Von Schlurck aber , den wir zum ersten Male in seinem geschäftlichen Tone kennen lernten , müssen wir gestehen , daß er nicht ganz derselbe war , wie wir ihn beim Kredenzen von Jaquesson und Geldermann - Deutz kennen lernten . Vielleicht findet er bei dem Italiener Lippi wieder den gewohnten Gleichmuth seiner Stimmung und stärkt sich zu den Geschäften , die ihn in das Hotel des Prinzen Egon rufen , von denen das über Ackermann angedeutete ebensosehr unsere Neugier spannen wird , wie die endliche Aufklärung über die Persönlichkeit der Prinzen Egon , mit dem sich Schlurck , nach Allem , was er über die Rückreise seiner Familie von Hohenberg fast Unglaubliches vernommen hatte , jetzt auf die leichteste Art zu verständigen hoffen durfte . Viertes Capitel Die rettende Hand Das große Palais des verstorbenen Fürsten Waldemar von Hohenberg lag im lebhaftesten Theile der Residenz . Der Park und die Gärten , die sich ihm anschlossen , waren von hohen Mauern umgeben und konnten von entgegengesetzten Häuserreihen nicht beobachtet werden . Es standen theils die Bäume des Parkes an den Mauern so hoch , daß sie die innern Parthieen verdeckten , theils lagen in nächster Nähe nur freie Plätze . Das Hauptgebäude selbst war alt und in jenem geschweiften Commodenstil gebaut , der die architektonischen Verzierungen der ausgeschweiften Krümmungen und Windungen wirklich nach der Form der menschlichen Knochen bestimmte , wie Hogarth für den Geschmack seiner Zeit in seiner barocken Ästhetik ausführt . Die hohen Fenster waren mit jenen bekannten Knaufen und Rundungen versehen , die in Sandstein den knöchernen menschlichen Schlüsselbeinen und Gelenkpfannen nachgemeißelt schienen . Dazwischen ein Helm oder der Kopf eines sterbenden Kriegers oder ein Medusenhaupt . Im Einzelnen zergliedert mochten diese Ausschmückungen der Portale , Fenster , Vorsprünge und Friese schwerlich vor der Kritik einer geläuterten Geschmackslehre Stand halten ; allein der Totaleffect , das Ensemble war auch hier , wie beim hohenberger Schlosse , der einer gewissen Würde und vornehmen Stattlichkeit . Auch dies Palais hatte zwei jedoch nur sehr kurz vorgeschobene Seitenflügel mit verschlossenen hohen Eingängen . Der grasbewachsene und etwas verwilderte Vorhof , der durch die Flügel vor der langen Fronte gebildet wurde , war durch Ketten von der Straße abgesondert . In der mittlern Thür war die große Einfahrt eine Façade von sechs dünnen Säulchen , von denen je drei dicht beieinander standen und in der Mitte ein großes eisernes Becken zur Pechbeleuchtung bei feierlichen Gelegenheiten einschlossen . Das Schwärzen der Säulen hatte man dabei nicht zu fürchten , da das ganze Gebäude durch die allmälige Verwitterung des Sandsteins und die in der Stadt neuerdings stark betriebene Steinkohlenfeuerung ein dunkelgraues Ansehen hatte ; nur die weißen Vorhänge an den großen Fenstern der ersten Etage und im Parterre einige Blumenstöcke gaben ihm den Charakter einer gewissen Wohnlichkeit . Hatte Fürst Waldemar auch die äußere Erscheinung seines Palais nach vorn so gelassen , wie er es damals , als ihm vor etwa dreißig Jahren die große Erbschaft zufiel , von einem Seitenverwandten des regierenden Hauses erstand , so hatte er doch im Innern und nach hinten zu auch äußerlich bedeutende Verschönerungen im neuern Stile angebracht . Auf eine harmonische Verbindung dieser Anbauten mit dem Vorgebäude war dabei nicht gesehen worden . Man stellte einen Pavillon dicht hinter das Hauptgebäude und verband ihn mit diesem nur durch einen bedeckten Glasgang . Dicht an diesen Pavillon reihten sich , jedoch ohne Verbindung , die Gewächshäuser . Die eine Seite des von einer hohen Mauer eingefriedigten Gartens war hell und freundlich , die andere der hohen Bäume des kleinen Parkes wegen etwas düster und bei heftigem Sturme , wenn die Gipfel schwankten und krachten , gar unheimlich . Den Park hatte der alte Fürst , dem die schöne Natur sehr gleichgültig war , vernachlässigt , und dem Garten würde es ebenso gegangen sein , wenn ihm sein Pavillon nicht sehr am Herzen gelegen hätte , in dem er kleine Diners und vertraute Soupers gab . Die Jalousieen dieses von ihm mit besonderer Vorliebe gepflegten Gartenhauses waren zwar immer herabgelassen ... doch zeigte er wol einmal seinen Gästen die Aussicht in ' s Freie , Grund genug , sie dem Pavillon entsprechend zu erhalten . Denn wir können annehmen ,