« rief ihn hier ein Bekannter an , » will ihm die Beine ein bischen heben , daß er ' s bequemer hat . « » Zurück da , Bredschaw - zurück ! « schrie aber der junge Bootsmann - » hinauf schleifen will ich ihn , wenn die Bestie nicht mehr gehen kann , aber kein Mann weiter soll Hand an ihn legen . « Mit wildem Jauchzen schleppte , in fast wahnsinniger Aufregung , der wilde Bootsmann sein heulendes Opfer die Straße hinauf , des Richters Wohnung zu ; einzelne der Männer folgten ihm , aber er sah sie nicht - nur vorwärts - vorwärts strebte er . » Marie ! « war das Wort , das er manchmal zwischen den zusammengebissenen Zähnen vorknirschte , - » Marie , ich bring ' ihn Dir - ich bring ' ihn Dir . « Jetzt erreichte er das Haus - Niemand war in dem Vorsaal - die Hausthür nur angelehnt - Adele hatte , selbst kaum stark genug , sich aufrecht zu erhalten , die über den Kampf zum Tod erschrockene Hedwig hinauf in ihr Zimmer geführt , daß sie das Gräßlichste noch nicht hören , noch nicht erfahren sollte . Unten aber in dem kleinen kühlen Gemach , das man erst heute der Kranken angewiesen , - an dem Lager , auf dem eine bleiche Mädchengestalt starr und regungslos ausgestreckt lag , standen zwei Frauen - Mrs. Smart und Nancy - und der ersteren liefen , während sie mit gefalteten Händen vor sich nieder sah , die klaren , hellen Thränen über die Wangen hinunter , indeß sich Nancy zu Füßen des Bettes niederkauerte und die großen dunkeln Augen fest und ängstlich auf die Züge der - Leiche geheftet hielt . » Ich bring ' ihn , Marie - ich bring ' ihn ! « schallte die wilde , jubelnde Stimme des Rasenden in das Zimmer der Todten - » hier herein , hierher , und jetzt auf die Kniee nieder vor einer Heiligen - herein hier , Bestie ! « Und mit gewaltigem Griff , dem selbst der in verzweifelter Angst sich sträubende Verbrecher nicht widerstehen konnte , riß er den Verräther in den schmalen Hausgang und in die erste offene Thür , die er erreichte . Mrs. Smart und Nancy stießen einen Schrei der Angst und Ueberraschung aus , und Tom , der den Verbrecher nachschleppte , schlug jetzt selbst erschreckt die Augen auf und starrte verwundert umher . Sein Blick flog über die beiden entsetzt zu ihm aufsehenden Frauen , über die ganze wohnliche Umgebung des kleinen Gemachs , über die dichtverhangenen Fenster hin , durch die sich nur hier und da ein einzelner schimmernder Strahl die leuchtende Bahn erzwang ; - es war fast , als ob er Jemanden suche und sich doch fürchte , nach ihm zu fragen . - Da - erkannte er das Bett , das in der dunkelsten Ecke stand ; nur dort , wo sich der Vorhang ein klein wenig verschoben hatte , stahl sich , von der dünnen Gaze noch gemildert , ein lichter Glanz hindurch und legte sich wie ein Heiligenschein um das bleiche , ruhige Todtenantlitz . Der Bootsmann zuckte , wie von einer Kugel getroffen , zusammen - er sah weiter nichts mehr , als jene blasse , rührende Gestalt - seine Hand ließ bewußlos in ihrem Griff nach , mit dem sie ihr Opfer bis dahin in eisernen Fängen gehalten ; Sander aber , den vielleicht nie wiederkehrenden Augenblick zur Flucht benutzend , schlüpfte , von jenem unbeachtet , rasch aus der Thür und in ' s Freie . Tom sah ihn nicht mehr - als ob er die vielleicht nur Schlummernde zu wecken fürchte , trat er auf das Bett zu , faltete die Hände und schaute ihr lange still und ernst in das liebe bleiche Angesicht . - - Viele , viele Minuten stand er so ; kein Laut entfuhr seinen Lippen , kein Seufzer seiner Brust , und die Frauen wagten kaum zu athmen , der stumme Schmerz des Armen hatte etwas gar zu Ehrfurchtgebietendes und Gewaltiges - sie konnten es nicht über ' s Herz bringen , ihn zu stören . Endlich beugte er langsam den Kopf zum todten Liebchen hinab , ein einzelner Wehelaut : » Marie ! « rang sich aus seiner Brust , und laut schluchzend sank er neben der Leiche in die Kniee nieder . 37. Schluß . Wenn die wilden und zerstörenden Aequinoctialstürme ausgetobt , den Wald recht tüchtig abgeschüttelt und die heißen , drückenden Sommerlüfte mit polterndem Brausen gen Süden gejagt haben ; wenn die Wildniß ihr in den wundervollsten Farben und Tinten prangendes Herbstkleid angelegt ; wenn der Sassafras seine blutrothen Flecken bekommt , die den Jäger so oft irre führen und necken ; wenn die Hickoryblätter , während das übrige Laub sich noch einmal , um nur nicht alt zu scheinen , von Frischem schminkt und putzt , ganz allein jenes herrliche hellleuchtende Gelb annehmen ; wenn die Wandervögel lebendig werden , und die fallenden Eicheln und Beeren das Wild schrecken und scheu machen : dann beginnt im nördlichen Amerika die schönste , herrlichste Zeit - der » indianische Sommer « - und blau und wolkenlos spannt sich das ätherreine Firmament Monate lang über die fruchtbedeckte Erde aus . Dann kommt die Zeit , wo im fernen Westen der naschhafte Bär Fensterpromenaden unter den Weißeichen macht , die schönsten und reichsten aussucht , hinaufklettert und mit einem Kennerblick und leisem behaglichen Brummen die schwerbeladenen Aeste faßt und niederbricht . Dann zieht der Hirsch auf den Fährten der Hirschkuh durch den Wald , die Truthühner thun sich in Völker zusammen und geben sich nicht einmal mehr die Mühe , ihrer Nahrung nach in die Bäume hinauf zu fliegen , denn die süßesten , herrlichsten Beeren decken ja den Boden ; das graue Eichhörnchen raschelt im Laub und hascht nach den fallenden Nüssen ; der blaue Heher schreit und lärmt in den Zweigen , und