bekämpften Kuß auf die Lippen , von dem sie aus Verlegenheit überlaut lachend , sich zu ihrem Vater umdrehte und sagte : » Lieber Vater , den Kuß war ich unserm Befreier noch für alle jene schuldig , die ich gestern auf meinen Knieen verschwendet habe , um ihn schnell hinrichten zu lassen . « - Der Vater lachte und sprach : » So seid ihr Mädchen , so war auch meine Frau selig ; wenn ich an einem Tage alles getan hätte , worum sie mich gebeten , sie hätte mir dafür am nächsten Tage die Augen ausgekratzt ; was wird aber der fremde Ritter dazu sagen , von einem Mädchen geküßt zu werden . « - » Ihr seht ja , daß ich schweige « , sagte Anton , » denn im Grunde küßt das Fräulein in mir nur ihren Ritter , weil sie ihn nun ungestört besitzt und mir etwas Verdienst darum zuschreiben will . « Fräulein Gertraud schien mit dieser Auslegung nicht zufrieden und durfte es sich doch nicht merken lassen ; als sie aber Antons Seite beim Nachtessen besetzt hatte , da drückte sie ihm zärtlich die Hand , und er mußte es erwidern , weil er überhaupt niemand leicht etwas abschlagen konnte . Doch beschäftigten ihn diese Zeichen wenig , er sehnte sich nach einem Augenblicke mit Susannen allein zu sein , und doch fand sich keiner durch die stete Gegenwart und Gesprächigkeit des Fräuleins , die immer lebhafter in ihn drang , alle kleinen Umstände dieser Tage zu erfahren . Anton erzählte endlich den ganzen Vorgang ausführlich , vergaß auch der Goldstücke nicht , die in sein Gefängnis geworfen worden und die dem Ratsherren durch ihre Jahreszahl als äußerst selten bekannt waren , er behauptete , daß niemand in der Stadt einer solchen Freigebigkeit fähig sei . Anton erzählte dann auch von seinem wunderbaren Traume und von den Blumen , die er am Fenstergitter gefunden , dabei bemerkte er , daß sich Susanna entfärbte , er brach also ab , weil er eine weibliche Gespensterfurcht in ihr voraussetzte , und ging zu der fröhlichen Unterredung mit dem Obersten der Bauern über , den er zu diesem Zwecke ins Zimmer kommen ließ , nachdem er sich einen Teller voll kleiner Kieselsteine bestellt hatte . » Konrad « , sagte Anton , als jener besorglich eingetreten und an der Türe stehen geblieben war , » Konrad , wie geht es dir ? « - » Den armen Konrad hungert « , antwortete Konrad , » und da sage ich immer , ein Mensch ist doch immer ein Mensch und alle Menschen sind Sünder , ich bin freilich ein Sünder , aber ein Mensch muß doch immer essen . « ANTON : » Konrad , möchtest wohl gern mit deinem Herrn an einem Tische essen . « KONRAD : » Und aus einer Schüssel noch lieber . « ANTON : » Meinst du denn , wir essen mehr als ihr armen Leute ? « KONRAD : » Ihr eßt doch , so viel Ihr wollt und was Ihr wollt . « ANTON : » Das weißt du nicht , sieh Konrad , wenn ich so feste Bauernklöße sehe , womit Ihr Euch die Köpfe einschlagen könntet , da hab ich immer große Eßlust , aber die sind zu schlecht auf einem Herrentische , die darf ich nie fordern , komm einmal her , ob dir unsre Kost schmeckt und ob sie dir wohl bekommt . « Konrad setzte sich ohne Umstände Anton zur Seite , der einige Kieselsteine vom Teller nahm , mit einer Brühe übergoß und herunterschluckte ; der arme Konrad war freilich schon von dem Geklapper dieses Gerichts überrascht , meinte aber , es seien indianische Eier , nahm sich eine tüchtige Portion und biß sich darauf einen Zahn aus . Anton fragte , ob er sich den Backenzahn ausgebissen hätte . » Ich bin der arme Konrad « , sagte er und ging unter dem Gelächter der Ratsherren heraus , » und will der arme Konrad bleiben , Hoffart will Zwang haben , von solcher Speise kriegt unser einer Zahnweh . « Anton warf ihm einen Braten zu , der stehen geblieben war ; Konrad vergaß den Schmerz und rief : » Heida , hier ist ' s besser unterm Tische als an dem Tische sitzen . « Anton sehnte sich jetzt nach Ruhe , es wurde seine Gesundheit getrunken und die Stadtpfeifer ließen sich mit einer Musik vor den Fenstern hören , er nahm ein Licht und dankte allen , da nahm ihm Susanna nach alter Gewohnheit das Licht ab und wollte vorleuchten , Anton sah sie traurig an . » Seit du in diesen Kleidern umhergehest , kannst du mir nicht mehr als ein dienender Knabe vorgehen , Kleider machen Menschen ! « » Lieber Herr « , sprach sie züchtig , » ich möchte mit Euch ein Wort allein sprechen , ist mir das auch nicht vergönnt ? « » Nicht zu aller Zeit und an jedem Orte « , sagte er , » führe mich nicht in Versuchung , sondern erlöse mich vom Übel . « SUSANNA : » Lieber Herr , es ist etwas sehr Gutes , was ich Euch sagen möchte . « Anton wollte sie eben mitnehmen , als Fräulein Gertraud dazwischen trat und Susanna mit der Bitte an sich zog , sie möchte bei ihr schlafen , der Ritter sei müde und bedürfe der Ruhe . Susanna schien sich ihr ungern zu fügen , Anton ging auf sein Zimmer , schlaftrunken und von Susannen erfüllt , vergaß er aller Zärtlichkeit des Gespenstes , dann wollte er einschlafen , aber die zärtliche Gestalt stand wieder mit unendlich freundlichen Reden vor ihm . » Wer lohnt deine Mühe , wer preist deinen Ruhm « , sprach sie , » ich allein , alle andern denken nur an sich , wenn es dunkel wird , ich sehe dann , ob du schläfst , und wache , wenn du