sich geduldig fügen , den Mann abzutreten , den sie doch nie ganz glücklich machen könne , der hinter Liebkosungen bisher den inneren Vorwurf versteckt habe , der unvermeidlich bei jeder Erinnerung früherer Zeit ihn belasten müsse . » Ich allein « , rief die Fürstin , » verstehe ihn ganz , ich allein kann ihm ein neues Leben und einen angemessenen Wirkungskreis geben in seinem Lande , unter seinem Volke , wohin er sich so oft zurückgewünscht . « - » Freilich « , sagte Dolores , » mag er sich oft nach Deutschland zurücksehnen , er verschwieg es mir aus Schonung , weil er es meinetwegen meidet ; doch hat er auch mir diesen Wunsch zur Rückkehr entdeckt , als ihm ein guter Fürst einen großen Wirkungskreis versprach ; ich konnte den Gedanken nicht ertragen . « - Die Fürstin ergriff dieses Wort : » Ich gebe ihm einen Wirkungskreis im Vaterlande , worin ihm alles Vergangene schwindet , und meine Liebe schenk ich ihm obenein , mein Land wird alle seine Tätigkeit fordern , und dankbar anerkennen , er soll ein Vorbild werden deutscher Fürsten und wie ein Gott in der entarteten Zeit auftreten ; sein ganzes Leben , seine ganze Ausbildung führen ihn dahin , mit mir erfüllt er seine unbewußte höhere Bestimmung . « - Gedenken wir der hohen , fast abergläubisch vergötternden Verehrung der Gräfin gegen ihren Mann , des herrschenden Ansehens der Fürstin , ihrer überzeugenden Stimme ; diese Worte erweckten den ganzen Edelmut der Gräfin , der jetzt als ein neuer Feind gegen ihre Liebe und gegen das Zutrauen zu ihrer Liebe auftrat ; schmerzlich sah sie das Bild des Grafen an , das an der einen Wand des Zimmers hing . » Gib mir ein Zeichen « , betete sie zu dem Bilde , » was dein Wille ist , zu wem wendest du deine lieben Blicke ? « - » Zu mir , zu mir « , rief die Fürstin , » mich sieht er an mit der ganzen Freundlichkeit und Hingebung wie am Ätna . « - Die Gräfin wandte sich von dem Bilde , denn zum erstenmal kam ihr eine Bitterkeit gegen den Geliebten in die Seele , sie erklärte mit gebrochener Stimme : Sie wolle dem Grafen entsagen , wenn es sein Wille sei ! - Jetzt glaubte die Fürstin alles gewonnen , sie hätte mit ihrem halben Leben der Gräfin den Schmerz dieses Entschlusses lindern mögen , sie selbst wollte alles schriftlich aufsetzen , um nichts zu übereilen , und um ihr schmerzliche Mühe zu ersparen ; die Gräfin ließ alles geschehen , es drehte sich um sie die Welt in schrecklicher Verwirrung und sie stürzte in fürchterlichen Krämpfen nieder , als eben die Fürstin das Zimmer verlassen wollte . Die Fürstin war erschrocken und wagte sich nicht zu ihr , sie glaubte sie sterbend und dachte : Wenn sie stirbt , ist alle Not und Verwirrung aus ! - Und dann war ihr der Gedanke ein Vorwurf , sie betete zum erstenmal seit vielen Jahren , aber sie wußte nicht zu wem : » Laß mich nicht grausam werden in meinem Herzen , laß sie leben ! « - So schwebend zwischen der Gräfin und der Türe , stand sie wohl ein paar Minuten , ehe sie die Türe entriegelte , und die Kammerfrau zum Beistande für die Gräfin herbei rief . Alles eilte der Gräfin zu Hülfe , niemand dachte die Fürstin als Ursache dieser Zufälle , die sie in der letzten Zeit mehrmals , aber freilich unendlich schwächer gehabt hatte . Die Fürstin fand ihre Hülfe überflüssig , es schien ihr notwendig , die Entsagung , schriftlich unterzeichnet dem Grafen bei seiner Rückkehr vorzulegen ; sie eilte nach ihrem Gartenhause alles aufzuschreiben , um das wiederkehrende Bewußtsein der Gräfin zur Unterzeichnung dieser Entsagung schnell benutzen zu können . Die Fürstin erscheint uns vielleicht in diesem Augenblicke unnatürlich hart , doch hing diese Härte in ihr mit ihren schönsten Kräften zusammen , die sie sonst zur Beglückung ihres Landes so wohltätig entwickelt hatte ; wo sie handelte , war sie mit festem Entschlusse auf alle Fälle gefaßt , mit ihrem Gemüte , mit allen äußeren Eindrücken hatte sie dann abgerechnet ; ihr Wille war ihr der Mittelpunkt der Welt , und sie glich in solchem Falle einem tüchtigen Wundarzte , der gar nicht das Geschrei des Unglücklichen hört , wo es des schmerzhaften Schnittes bedarf , sondern mit allen Kräften zum schnellen Ende der Qual arbeitet . Indem sie hastig nach ihrem Gartenhause schritt , trat ein wunderschöner Mann , anständig gekleidet , hinter einem Pinienbaume hervor , und erkundigte sich , ob wohl die Fürstin zu sprechen . Ungeachtet der Mann ihr auffiel , wollte sie dem Geschäfte doch keine Zeit versäumen , und sagte flüchtig , daß sie erst spät Abends von einer Reise zurück erwartet werde ; der Mann zog sich ängstlich mit vielen Entschuldigungen seiner dreisten Anrede in den Garten zurück . Die Fürstin eilte nach ihrem Zimmer , und suchte ihr Schreibzeug , konnte es aber nicht finden , da der Graf es den Abend vorher zum Skizzieren einer Aussicht mitgenommen , und im Garten hatte stehen lassen . Sie rief dem Schreiber , der auf die Jagd gegangen , vergebens , sie brauchte ihn nie zu dieser Zeit , und doch ward sie jetzt sehr böse , daß er ausgegangen , sie mußte sich selbst Schreibegeräte in dessen Zimmer suchen , welches er wegen der Mineraliensammlung , die darin aufgestellt , immer offen lassen mußte . In Gedanken suchte sie schon die besten Ausdrücke für die Entsagung der Gräfin , daß ihre Großmut nicht neue Liebe in dem Grafen erweckte , als sie sich nach Tinte und Feder umsah ; sie ward sehr ungeduldig , als sie nichts fand , denn der junge Mann verschloß alles das Seine mit einer Ordnung , als sollte er sterben . In ihrer heftigen Art versuchte sie an dem verschlossenen Schreibepulte ,