muß wandern , damit ihre Füße geschmeidig bleiben , sie muß frei einhergehen , damit sie nicht verlernt , die Haut des Musethiers zu gerben , die Mokassins ihres Gebieters mit den gefärbten Kielen des Stachelschweins zu schmücken . Meine jungen Leute fürchten , die Mandanenwaise werde entfliehen . Ich sage sie entflicht nicht . Schnürt den bleichen Jäger auf ein Pferd und treibt es vor Euch her , und die Mandanensquaw wird ihm folgen , wie ein Büffelkalb , dem die Mutter getödtet wurde . Ader schlaft mit offenen Augen , oder die wilde Mandanenkatze wird des bleichen Jägers Banden lösen und mit ihm davongehen . Sie hat scharfe Zähne und ein schnelles Auge , dort liegt einer unserer Genossen , der von der Hand eines Weibes getödtet wurde ; es ist seine eigene Schuld , warum waren seine Augen nicht überall ? « » Will der Häuptling die Mandanensquaw für sich behalten ? Was haben seine jungen Krieger dafür , daß sie ihn auf dem weiten Wege begleiteten ? « fragte ein grimmig dareinschauender Blackfoot , indem er sich mit der Faust dröhnend auf die Brust schlug . » Blackbird ' s Wigwam steht leer , « antwortete der Häuptling , und ein Zug von Mißvergnügen breitete sich über sein durch schwarze und rothe Farbe entstellte Antlitz aus ; » Blackbird ist der nächste zu der Mandanensquaw ; meine jungen Leute mögen sich schadlos halten an dem bleichen Jäger und ihn nach ihrer Ankunft im heimathlichen Dorf zur Zielscheibe für ihre Kugeln und Pfeile machen . « » Der bleiche Jäger gehört den Knaben der Blackfeet , « versetzte der junge Krieger erbittert , denn auch auf ihn schien Schanhatta einen tiefen Eindruck ausgeübt und alle seine wilden Leidenschaften entstammt zu haben , » sie mögen ihre stumpfen Pfeile an seiner weißen Haut versuchen ; er ist leine Zielscheibe für Männer . Aber das Mädchen gehört uns Allen ; es soll der weise Zauberer der Blackfoot-Nation sagen , in wessen Wigwam die Mandanensquaw einziehe . Nur Einer kann sie besitzen , aber dieser Eine soll Jedem , der sich an dem Unternehmen betheiligte , ein Pferd zahlen ; ich habe gesprochen ! « Dieses entschiedene Auftreten des jungen Kriegers verdroß den Häuptling noch mehr ; er unterdrückte indessen schlau jeden Ausbruch des Zorns , und sei es nun , daß er das Gerechtfertigte eines solchen Vorschlages einsah , oder weil er von den Aeltesten und namentlich von dem erwähnten Zauberer ein seinen Wünschen günstiges Unheil erwartete , genug , er erklärte sich mit den geäußerten Ansichten einverstanden und wiederholte , daß er sich dem Ausspruch des Medicinmannes willig unterwerfe . Nachdem dieses Uebereinkommen getroffen war , erhob sich die unheimliche Gesellschaft . Zwei derselben setzten sich als Nachen in meiner und Schanhatta ' s Nähe nieder , worauf die Andern an ' s Wert schritten , die Hütte auszuräumen und meine geringen Habseligkeiten zur Verkeilung an das Feuer zu bringen . Ueber die Decken , Munition , Waffen und einen kleinen Vorrath von kostbarem Pelzwerk verständigte man sich schnell ; der Eine erklärte sich mit Diesem , der Andere mit Jenem zufrieden und Niemand wendete Etwas dagegen ein , als Blackbird , darauf hin , daß er durch meine Schuld seinen Karabiner eingebüßt habe , meine Büchse für sich beanspruchte . Eine längere Verhandlung knüpfte sich indessen an die Frage , wem das Manuscript zuerkannt werden solle . Jeder wünschte dasselbe zu besitzen , indem sie das sogenannte » sprechende Papier « für ein überaus wirksames Zaubermittel hielten , welchem im Allgemeinen die großen Erfolge der fremden weißen Eindringlinge zugeschrieben werden müßten . Einzelne schlugen vor , die Blätter von einander zu trennen und gleichmäßig zu vertheilen , doch stand man davon ab , sobald man entdeckte , daß die verschiedenen Bogen mittelst feiner Riemen sorgfältig zusammengeheftet und demnächst wieder unter sich fest verbunden waren . Man befürchtete , durch das Zertrennen derselben die ihnen innewohnende Zauberkraft zu brechen , und kam schließlich überein , die Entscheidung über das ungetheilte Manuskript sich ebenfalls für spätere Zeiten vorzubehalten . Während dieser ganzen Zeit halte man weder mich , noch Schanhatta eines Blickes gewürdigt . Ich lag auf dem Rücken ; meine Füße , lang ausgestreckt waren dicht über den Knöcheln so fest zusammengeschnürt worden , daß mir das Blut in denselben auf höchst schmerzhafte Weise zu stocken begann und namentlich meine kaum geschlossene Wunde mir viel Qual verursachte . Weniger unbequem und straff schlangen sich die Fesseln um meine Arme , doch nicht in Folge , daß mau etwa Rücksicht mit mir genommen hätte , sondern weil der Indianer , der dieselben band , in demselben Augenblick , in welchem er den Knoten fester anzog , von Schanhatta niedergeschossen wurde . Indem aber die Riemen mir nicht nur die Oberarme an den Körper preßten , sondern jede Hand auch noch besonders unter dem gegenüberliegenden Ellenbogen festgebunden war , fühlte ich mich dennoch unfähig , mich ohne fremde Hülfe zu rühren oder aufzurichten . Schanhatta , ihre zusammengefesselten Hände über den Knieen gefaltet , kauerte zwei Schritte weit von mir regungslos auf der Erde . Der Schein des Feuers beleuchtete den oberen Theil ihrer verkürzten Gestalt , so daß mir nur ihr Haupt und ihre Schultern sichtbar waren . Was sie dachte und was sie fühlte , ließ sich aus ihren gleichsam versteinerten Zügen nicht entziffern ; dieselben schienen die letzte Probe von Leben verloren zu haben , und weder ein Seufzer noch ein Klageton schwellte vorübergehend ihre Brust . Aber wenn sie zeitweise ihre thränenleeren Augen auf mich richtete , und dieselben gleich darauf , ohne daß sie ihr Haupt bewegt hatte , im Kreise herumblitzten und spähten , dann verstand ich , welch namenloser Schmerz ihre Seele zerriß , und wie sie , trotz dieses Schmelzes , nur einzig und allein darauf bedacht war , ein Mittel zu meiner Befreiung zu ersinnen . Zwei Stunden etwa waren in dieser Weise dahingeschlichen , und außer den beiden Wachen hatten