des Herrschers . Ratlos sagte er zu Schlick : » Was soll ich tun ? « Lächelnd flüsterte der junge Rat : » Eine gütige Strenge wählen , die für heute zu nichts verpflichtet . Und warten , bis Vetter Heinrich sprach . Der Schatzturm von Burghausen hat eine Stimme , auf die man in knappen Zeitläuften hören muß . « Alles Redliche in Sigismund wallte auf . » Schlick ! Das ist ein Grauenvolles an meinem Leben . Immer will ich das Gute und Gerechte und muß es biegen und beschmutzen - « » Warum ? « piepste der Zwerg . » Weil wir sonst den Schneid der , Schuster und Bäcker nicht bezahlen können . « » Schweige , Narr ! Deine Spaße lügen . Den König belügen alle . Vor dreißig Jahren hat mir einer , den ich vom Schwert zum Leben begnaden wollte , ins Gesicht gerufen : Ich nehme nichts geschenkt von dir , du böhmisches Schwein ! Und hat seinen Kopf auf den Block gelegt . Seit damals hat mir keiner mehr die Wahrheit gesagt ! - Nur einer . Wo ist er ? Narr ! Hole mir den Fritz ! « Das großköpfige Männlein zappelte davon . Dann trat mit ihm ein kraftvoller Mann von fünfzig Jahren in das Zelt , schwer und schmucklos gepanzert , ohne Helm , mit dem roten Adler zwischen den schwarzweißen Gevierten des Waffenrockes . Der Kopf hatte in der Art des Braunhaares und des geteilten Vollbartes eine leichte Ähnlichkeit mit der Majestät , doch das sonnverbrannte Gesicht war gröber , fester und ruhiger ; dazu ein Mund , der gerne und kräftig lachte , und kluge , graublaue Augen wie blanker Stahl - Friedrich von Zollern , der Burggraf von Nürnberg , der neue Herr der Brandenburger Mark . In Erregung fragte der König : » Weißt du , wer kommt ? « » Er ist schon da . « Der Markgraf lachte . Er redete laut und rasch . » Rom setzt ihn bereits auf glühende Kohlen und röstet ihm das christliche Fundament . Ich besorge , man wird ihn um mancher Sünde willen brennen , die er nicht beging . « » Hinter deinen Worten ist Erbarmen . Bist du nicht sein Feind ? « » Ich ? Nein ! Ich keines Mannes Feind . Schlägt einer her , so schlag ich hin , um ein gut Teil gröber als der andere . Kann er sich vertragen , so bin ich friedsam . Oheim Ludwig ist ein Baum mit Ästen , die gut sind . Die maßlos aufgeschossenen sind ihm gestutzt worden . Jetzt mögen die gesunden treiben . Das sollte die Majestät in Güte fördern . « » Du weißt nicht , was bei München geschehen ist . Schlick ! Gib ihm das Blatt zu lesen ! « Der Markgraf nahm das Pergament . Als er las , bedeckte sich seine Stirn mit harten Falten . » Ein garstiges Ding ! Macht Waffenruhe mit mir , vertrödelt den wohlgemeinten Friedenshandel mit Landshut und nützt die unbedrängten Ellenbogen , um ruhige Leute zu puffen . Die gesunden Hiebe von Alling vergönn ich ihm . Das Leben hat heitere Gerechtigkeiten . Ich merke , daß er mich täuschte . Aber das haben die Münchener wettgemacht . Das friedsame Wort , das ich ihm sagte , soll gelten . « » Lies weiter ! Da wirst du von deinem Schwager Heinrich hören . Der Kleine hat wieder flinke Arbeit getan . Und sein treues Glück ist mit ihm gelaufen . « » So ? « Der Markgraf schien das gerne zu vernehmen . Doch als er weiterlas , fuhr ihm eine dunkle Blutwelle ins Gesicht . Die Lippen vorschiebend , faltete er das Pergament zusammen , bot es dem Kanzler hin und schwieg . » Rede ! « mahnte der König ungeduldig . » Das fällt mir schwer . Der eine täuschte mich , der andere tat ' s noch übler . Man muß da immer wieder lernen , von neuem zu glauben . Die Majestät möchte mich eines Ratschlages entbinden ! Den einen will ich nicht tiefer hinunterstoßen , als er fiel . Und ich kann nicht reden wider den Bruder meines Weibes , das mir eine tapfere Hausfrau ist und mich beschenkte mit dem Besten des Lebens , mit gesunden Jungen . « Sigismund , der ohne Sohn war und dieses Wort mit Mißvergnügen gehört hatte , rief ärgerlich : » Versagst du auch ? Was soll ich tun ? « Hinter dem Rücken der Majestät guckte der Kanzler mit verständlicher Trauer in seine Gürteltasche . » Ach so ? « Für den Markgrafen schien die Stunde plötzlich an Ernst verloren zu haben . Er nickte . » Freilich , der Fink muß Hanf haben , wenn er nicht unschön pfeifen soll . An schöne Lieder bei Darbenden glaub ich nicht . « » Was soll ich tun ? « wiederholte der König gereizt , während man vor dem Zelt einen heftigen Wortwechsel zwischen dem Kardinal Branda und Herzog Ludwig vernahm . » Was soll ich tun ? « » Was kein Verständiger schelten darf . Geld kann man von den Juden borgen . Wenn ' s nicht billiger geht , um hohen Zins . Man braucht sie drum nicht zu verbrennen . Man kann sie auch bezahlen . Das ist minder schmerzhaft . Ich will gutstehen . Und der Fink kann pfeifen , wie er soll . « » Gutstehen ? « fragte Sigismund freundlicher . » Selber geben kannst du nicht ? « » Nicht jetzt . Die Majestät möge verzeihen . Ich bin erschöpft . « » Du schüttest zu viel in den Sand deiner Mark . « » Ohne Samen kein Weizen . « Der König lächelte auf eine Art , die dem Markgrafen zu mißfallen schien . » So muß ich schauen , wo Samen sich findet . « Vor dem Zelt die erregte Stimme des Kardinals : » Um