Es wurde ihm schnell gebracht , und so bekamen wir dieses vielgepriesene Wunder nun endlich einmal zu sehen . Es war Taki-Zucht , nicht Araber , doch auch nicht Perser , von jeder Rasse eine Muskel oder ein Knochen . Aber gut , sehr gut sah der Kerl aus ! Doch nicht für die Augen des Kenners , der sich vielmehr sagen mußte : Trügerische Formen , Paraderenner , aber nicht für den Ernst ! » Den nehme ich getrost mit meiner Sahm ! « sagte der Ustad . » Er verdient keinen berühmten Gegner . « Wir hatten nach Hause geschickt und unsere » Trümpfe « kommen lassen . Sie standen in der Nähe und wurden von den Gegnern in ausgiebigster Weise behaßäugelt . Der Scheik ul Islam erklärte , daß er sein Pferd selbst reiten werde , und so stellte sich ihm der Ustad mit der Sahm als Gegenpartner vor . Beide Pferde und beide Reiter wurden ausgerufen , und es ging wie ein Rauschen von Mund zu Mund und laut um den See , wen man jetzt im Kampfe zu sehen bekommen werde . Beide Reiter warfen ihre Oberkleider ab und stiegen auf . Sie hielten neben einander . Der Hornist hob die Kärna zum Munde , um das Zeichen zu geben . Noch aber erscholl es nicht , so jagte der Scheik ul Islam schon davon . Es galt für die drei Pferderennen je eine Doppelrunde . Man schrie laut auf über diese Unehrlichkeit ; aber der Ustad rief : » Ich protestiere nicht ! Aber ich reite ehrlich ! Heraus mit dem Zeichen ! « Die Kärna schmetterte . Die Stute ging regelrecht fort , erst Schritt , dann Trab , dann Galopp . Es sah aus , als reite der Ustad nur spazieren . Das » beste Pferd von Luristan « aber flog da draußen , als sei es aus einem Böller geschossen worden , denn der Scheick ul Islam hatte das Geheimnis schon gegeben . Tiefe Stille herrschte . Die Sahm lag jetzt in glattem Galopp . Ich sage mit Absicht , sie » lag « . Wie eine jener einst so hochberühmten amerikanischen Briggs mit kühner Schonertakelage , die man nicht » gehen « sieht , wenn sie vor dem Winde » liegt « , und aber doch nie einzuholen ist ! Und sie » blieb liegen ! « Die Entfernung der beiden Pferde blieb die gleiche , fort und fort , und um den See . Das Rennen kam von drüben wieder herüber - - an uns vorbei . Der Scheik ul Islam voran , mit tiefgeröteter Gesichtshaut zwischen den weißen Pflastern . Sein Pferd troff von Schweiß , und weiße Flocken flogen ihm vom Maule . Dann der Ustad , mit unveränderter Miene , uns vertraulich zunickend . Die Sahm war trocken und noch ganz bei Atem . Sie arbeitete nicht , sondern sie » lag « noch immer . » Er siegt ! « sagte Schakara neben mir . » Er hat das Geheimnis ja noch gar nicht angewendet ! « Es war , als ob er in innerer Verbindung mit der Sprecherin sei , denn kaum hatte sie es gesagt , so warf der Ustad den Arm hoch empor , und die Sahm bekam einen Ruck , dessen Schnellkraft nicht etwa verschwand , sondern von jetzt an ununterbrochen weiterwirkte . Und nun begann der bisherige Abstand , sich zusehends zu verringern . Das » beste Pferd von Luristan « war zu früh gezwungen worden , herzugeben , was es hatte . Die Kräfte ließen nach ; die Lunge versagte den Dienst . Der fliegende Galopp verwandelte sich in ein unregelmäßiges Springen . Die Sahm aber » lag « nun wieder , aber im Geheimnisse ! Sie holte den Gegner ein ; sie schoß an ihm vorrüber . Noch eine kleine Weile , so nahm der Ustad das Geheimnis wieder ab , um sie zu schonen , denn er hatte zurückgeschaut und bemerkt , daß das Pferd des Scheikes nun nicht mehr rannte , sondern sich gegen seinen Reiter sträubte , weiter zu gehen . Er schlug mit der Peitsche zwar unbarmherzig auf das arme , so töricht ausgepumpte Tier los , aber vergeblich . Es blieb einfach stehen , so daß er ihm schließlich seinen Willen oder vielmehr Unwillen lassen mußte und langsam durch den Duar herbeigeritten kam . Als er die Tribüne erreichte und abstieg , saß der Ustad schon längst wieder an seinem Platze ! Der Besiegte lies » das beste Pferd « stehen , ging , ohne ein Wort zu sagen , zu seinem Sitz und sank ermattet auf demselben nieder . Ahriman Mirza aber sprang auf , warf ihm einige grimmige Worte in das Gesicht und verkündete hierauf laut , daß jetzt der unbesiegbare Iblis erscheinen und uns eines ganz Anderen belehren werde ! Natürlich war man allgemein gespannt , dieses Pferd zu sehen . Es wurde gebracht . Wir gingen hin . Ahriman stand bei ihm und pries es mit überschwänglichen Worten . Schakara sah ihn dabei aufmerksam an und sagte uns dann leise : » Nehmt Euch in acht ! Ich fühle eine schlimme Absicht , die er hat ; nur weiß ich nicht , welche . « Wir wußten , daß der Iblis eine Khorassan-Schecke sei . Dieses Pferd hier war eine Schecke , ja , aber auf keinen Fall aus Khorassan stammend ! Freilich , man konnte uns falsch berichtet haben , und sie war dann doch der Iblis . Aber da sagte der Mirza , daß sein » Freund « sie reiten werde , und da stand es bei uns fest , daß ein Betrug oder wenigstens eine List beabsichtigt werde . Der Ustad war der Meinung , man wolle uns verleiten , unsern besten Trumpf an dieses vorgeschobene Pferd zu verschwenden , und es stellte sich dann auch heraus , daß dies richtig war . Da keiner der Matadore zweimal rennen durfte , hätte dann der echte Iblis