- Erkaltende Asche , verglimmende Kohle Könnt ' ich nur all meinen Spiritus Phosphorisch leuchten lassen zum Schluß In einer Geistesflamme ! Statt dessen Die Flammen nach Innen weiterfressen , Den wahren Zündstoff so verzehrend , Des Schaffens Ausbruch ihm verwehrend . Mitternacht ist lange schon vorüber . Einsam irr ich durch die regennassen Von dem Morgenwind durchheulten Gassen . Röthliche Laternen brennen trüber . Fort die Kaufmannsstraße lang-langweilig ! Rings im Ehebett schnarcht der Philister . Schnee und Hagel , tückisches Geknister . Und den Tod im Herzen , weiter eil ich . Schaudernd hin am kalten schwarzen Flusse ! Springe ! Welt und Gott hat Dich verlassen . Warum blöde nur das Dasein hassen ? Wirf es ab mit einem raschen Gusse ! Wer im Strom des Genusses zu baden gewillt , Darf nimmer zaudern und zagen , Wo die Naphtaquelle der Wollust quillt , Hineinzutauchen wagen . Ausbranden muß sich die Leidenschaft , Bis der letzte Schaum zerronnen . Vergeudet ist nur die geopferte Kraft , Wenn nicht durchgekostet die Wonnen . Den Wermuth schüttelst vom Mund Du Dir , Den Kelch zur Hefe genossen ! Doch grämelt die halb gesättigte Gier Ueber Freuden , die halb zerflossen . Und willst Du Dich spröde entziehen der Lust , Wird heimliche Brunst Dich verzehren . Einlullt die Wollust die müde Brust , Wird Dir Behagen bescheeren . Und wenn Dir das Laster Gewohnheit wird , So wolle es nicht mehr bezwingen ! Folg ' der Gewohnheit unbeirrt , Die Tugend kann nie mehr gelingen ! Mit einem feierlichen » Pfui ! « unterbrach hier Dr. v. Feichseler die Vorlesung der einzelnen Stücke . » O wie widerlich , wie widerlich ! Diese Versündigung an sich selbst , dies Wühlen in Unzucht und Größenwahn ! Wohin , meine Herrn , wohin flieht die Moral , die Moral ! « Die kahle Glatze des eleganten Männchens strahlte von sittlicher Entrüstung . Alle Haare , die er je verlor , schienen sich in Gedanken emporzusträuben . So vertheidigt man nur die Moral , wenn man die traurigen Folgen kennt , welche das Abirren vom Pfad der Tugend strafen . War er nicht besonders berufen , als getreuer Ekkart zu warnen , er , den der Venusberg in stürmischer Jugend so grausam gerupft ? » Mich chokirt weniger die Immoralität , « docirte Dondershausen , » als die Zuchtlosigkeit dieser jungen Schwärmer . Wie kann man dichten , ohne ein Privatissimum in der Logik und exacten Philosophie gehört zu haben ! Kant ' s Kritik der reinen Vernunft , meine Herrn , das erhabenste Werk , so der Menschengeist geschaffen , kann diesen jungen Herrn zur Lectüre nicht dringlich genug empfohlen werden . Bezüglich der Sinnlichkeit in der Kunst denke ich bekanntlich anders , als unser verehrter Wirth . Allein , es muß eine geadelte Sinnlichkeit sein . Man lese meine Elegieen vom Mügelsee in Hexametern , von welchen , wie ich wohl sagen darf , eine ganz neue Kunstanschauung der Sinnlichkeit herdatirt . Herr Graf haben sie ja gelesen ? « Krastinik verbeugte sich schweigend . Es war ihm widerlich , diese beiden abgelebten Pedanten ihr Gequatsch wiederkäuen zu hören . - Der Eine als moralischer Akademiker , der Andre als » vornehmer « » ritterlicher « Idealist , der seine greisenhafte Brunst mit ledernen philosophischen Phrasen verbrämte . Man las weiter in der Anthologie . Heinrich Edelmann . Pfingsten eines Gottsuchers . Rastlos wandernd ohne Grauen , Würde es auch spät und später , Wirst Du blauen klaren Aether Durch des Urwalds Dickicht schauen . Das ist der ruhige Fyord , Der seinen Gruß entboten Vom Heimathort zum Meere fort Als sichrer Port dem ringenden Piloten . Ist gleich des Glücks Symbole Das Alpenglühn versunken , Strahlt noch ein letzter Funken Auf höchster Alp , des Ruhmes Aureole . Das ist am Lebenshorizont Der Abendstern , der später gern Umwandelt sich zum Morgenstern , Der durch des Todes Schatten bricht , Bis sich an neuem Lebenslicht Die auferstandne Seele sonnt . Dem Edlen ist das Leben hold : Der Ruhe Balsam und der Weisheit Gold Vertraulich spendet jede Nacht . Die Glorie der Kunst , das Meteor der Träume Durchzuckt der Seele Sternenräume In ungeahnter Wunderpracht . Die auserkornen Geister aber hören Egerias Geheiß in unhörbaren Chören , Sich unsichtbare Geister zu beschwören . Im Walde über Stock und Stein Irrt König Artus , hinterdrein Irret die Tafelrunde . » Merlin , Merlin ! « so hallt ihr Schrei ' n Aus weheklagendem Munde . Merlin , der mystische Seher , hört Kein einzig Wort , er starrt bethört Nur in die Augen seiner Trauten , Die ihm den Weisheitsstolz bethört , An dem Jahrhunderte bauten . An der Weißdornhecke sitzt er nun , Sein Bart ist Moos , seine Füße ruhn , Von Sommerfäden umschlungen . Er ist verzaubert und merkt es nicht , Starrt in der Nixe Angesicht , Von ihrem Reiz bezwungen . Die Seele verkauft sich der Liebeslust Und dem üppigen Außenleben , Doch der Liebesschmerz in des Denkers Brust Wird neue Flügel ihr geben , Abschüttelnd den eiteln Maienblust , Bis der Sehnsucht Schwingen sich heben . Die getrennten Glieder sind dann vereint , Der Völker Tafelrunde . Und Artus ' Schwert mit dem letzten Feind Sank zu der Vergangenheit Schlunde . Zum Feeenschloß Avillion , Zu den Inseln der Seligen , pilgern schon Alle Templeisen im Bunde . Und dort , von Sinnlichkeit erlöst , Merlin das Saisbild entblößt , Des Grals geheimnißvolle Kunde . Gerhart Heidenauer Messiasleiden eines Promethiden . Zu Schmerz und Sünde wird der Mensch geboren , Sein innerst Wesen nur ist Schmerz und Sünde . Laokoon , durch alle Deine Poren Gift spritzen dieser Schlangen Eiterschlünde . Der Dichter aber wurde auserkoren , Daß der Dämonen Walten er verkünde . Er trägt der ganzen Menschheit Sündenschmerz . Ein Heiland , der gekreuzigt , ist sein Herz . Nur einen wahrhaft Glücklichen ersinne , Dem weder äußre Noth noch innre Qual