nicht . « » Und wie sie nur gestorben sein mag « , fuhr Renate fort . » Ich glaube nicht , daß sie einen christlichen Tod gehabt hat . Und nun sehe ich sie im Sarge liegen , blaß , mit ihrer schwarzen Witwenhaube , und die Schnebbe daran noch tiefer in die Stirn gerückt als gewöhnlich . Und vor diesem Bilde fürchte ich mich . Es mag nicht recht sein . Aber dir darf ich es sagen , liebe Schorlemmer , daß ich lieber hier in Bohlsdorf als in Guse bin . Ist es ein Unrecht ? « Die Schorlemmer streichelte ihr die Hand und sagte : » Wenn es ein Unrecht ist , mein Renatchen , so ist es ein kleines . Ich weiß wirklich nicht , ob es unsere Christenpflicht ist , einem Toten ins Gesicht zu sehen . Und sie hatte etwas Unheimliches . Alle , die Jesum verachten , haben nichts von seinem Gnadenschein . « » Und was nun aus Guse wird ? Es war Allod , und als Kaufgut fällt es nicht an die Pudaglas zurück . « » Ich wüßte schon einen Erben . « » Welchen ? « » Renate von Vitzewitz . Aber du hättest dann einen andern Namen . « » Geh doch . Was du nur sprichst . Ich armes Fräulein und das schöne Gut . « » Ja , mein Renatchen , die Menschen sind nicht immer , was sie scheinen , und während du glaubst , daß ich nur an Grönland und Neu-Herrnhut denke , denk ich an ganz andere Dinge . Ich habe auch so meine kleinen Passionen und verheirate die Menschen gern , und wenn ich so in die Zukunft sehe , da seh ich nichts als ... « » Nun ? « » Nichts als Hochzeitszüge , kleine und große : du , Marie , Maline . Selbst für die Eve hab ich schon gesorgt , trotzdem sie hochfahrend ist und es eigentlich nicht verdient . « » Und Kathinka ? « » Nein , Kathinka nicht . Die tut alles selbst und braucht meine Vorsorge nicht . « » Ach , wie beneid ich dich , daß du so Hübsches denken kannst . Ich sehe keinen Hochzeitszug . Und jetzt , wo ich mir einen solchen vorstellen will , seh ich ihn schwarz . « » Das ist , weil du mit deinen Gedanken in Guse bist . « » Ich glaube , daß du recht hast , wenigstens wünsche ich es . Ach , wie lieb ist es , daß du bei mir bist . Ich muß an den Abend vor Silvester denken , wo du mir die Gespensterfurcht wegerzähltest . Es war die Geschichte von Kajarnak , dem ersten Getauften ; du siehst , ich habe den Namen gut behalten . Aber nun will ich schlafen . Sage mir noch eines von euren Liedern , ein recht hübsches , keins von den süßen mit Lämmlein und Englein . Die kann ich nicht ertragen . « » Nun , dann wollen wir ein recht festes und kerniges nehmen « , sagte die Schorlemmer : » Schau von deinem Thron , Vater , Geist und Sohn . « Renate nickte zustimmend , und die Alte fuhr mit immer leiser werdender Stimme bis an die dritte Strophe fort : » Reinige mein Herz Auch mit meinem Schmerz ; Gib , daß sich mein Eigenwille Ruhig in dem deinen stille ; Alles , was noch mein , Eigne dir allein . « Sie sprach nicht weiter . Renate hatte die Hände gefaltet , lächelte und schlief . Zweites Kapitel Eine Begegnung Die Sonne des nächsten Vormittags schien hell auf die Bohlsdorfer Dächer . Renate war bei der Amtmannsfrau gewesen , um ihr einen Gegenbesuch zu machen , und kam eben von dem Gutshofe zurück , als sie ein herrschaftliches Fuhrwerk vor dem Kruge halten sah . Der Herr , dem es gehörte , ging inmitten der Dorfgasse auf und ab . Er war von hoher Gestalt , trug Pelzrock und Pelzstiefel und sah von Zeit zu Zeit nach dem Kirchturm hinauf , dessen grotesk geformte Schneehaube seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen schien . Im Näherkommen erkannte Renate den alten Geheimrat . » Onkel Ladalinski ! « rief sie und eilte ihm entgegen . Der Geheimrat war ersichtlich befangen , und eine kurze Pause folgte den ersten Begrüßungsworten , bis Renate fragte : » Du bist auf dem Wege nach Guse ? « » Ja , liebe Renate ; zum Begräbnis der Tante . Aber was führt dich in dieses Dorf ? Ich erwartete , dich in Guse zu sehen , dich und Lewin und den Papa . « » Du wirst nur den Papa in Guse treffen ; Lewin ist hier . « » Lewin ist hier ? « » Ja , krank und bewußtlos ; nun schon den vierten Tag . Die Leute schickten uns einen Boten . Es war denselben Morgen , wo die Nachricht von dem Tode der Tante kam . Papa fuhr nach Guse , ich nach hier . Die Schorlemmer begleitete mich , und wir fanden Lewin , wie wir nach allem , was uns der Bote gesagt hatte , erwarten mußten . Er lag in tiefem Schlaf . Alles ist in Dunkel , und wir raten hin und her , was ihn in naßkalter Nacht von Berlin fort und hierher geführt haben mag . Ein Knecht fand ihn wie tot neben den Chausseesteinen . « Der Geheimrat schwieg eine Weile ; dann nahm er Renatens Arm und sagte : » So weißt du von nichts ? Ach , Kind , welche Tage haben wir durchlebt ! Kathinka ist fort , und wir werden sie nicht wiedersehen . « Das also war es . Renate sah nun klar , schien aber weniger überrascht , als der Geheimrat bei seinen letzten Worten erwartet haben mochte . » Kann ich Lewin sehen ? « fragte dieser . » Ja