beschäftigt , die Schaufeln nothdürftig wieder herzustellen . Ich hatte während meiner Gefängnißzeit von Zimmermannsarbeiten genug gesehen und mitgethan , um sofort Hand anlegen zu können . Die Augenblicke waren kostbar und es war mir nicht unlieb , auf diese Weise mich den forschenden Blicken Herminens und Fräulein Duff ' s entziehen zu dürfen , welche letztere das Talent hatte , eben so schnell aus der Ohnmacht zu erwachen , wie sie in Ohnmacht fiel , und jetzt mit ihrer Schülerin und Freundin in einer Unterredung begriffen war , deren Gegenstand wohl mit meiner Person in irgend einer Verbindung stand . » Blick Du nur immer ! « sagte ich bei mir ; » ich bin trotz dem nicht schlechter als mancher andere , auf den Du Deine schönen Augen schon geworfen hast und noch werfen wirst . « Dennoch war es mir nicht unlieb , daß ich , als sie jetzt Miene machte , zu der Stelle , wo ich mich befand , herüberzukommen , in den geöffneten Radkasten kriechen konnte , wo es toll genug aussah . Es stellte sich heraus , daß wir , zumal bei dem starken Seegang , uns auf das Nothwendigste beschränken mußten . In einer Stunde war die Arbeit gethan ; und wir wurden nach dem Vorderdeck beordert , wo das Bugspriet des vorbeistreifenden Schiffes einen Theil der Brüstung weggerissen hatte . Ich war , als ich aus dem Radkasten auftauchte , erfreut gewesen , das Verdeck so gut wie leer , und vor Allem Hermine nicht zu sehen ; aber , als ich eben oben um das Cajütenhaus herumkam , stand sie plötzlich mit ihrer Gouvernante vor mir . Die Begegnung konnte keine zufällige sein , denn die Duenna trat sofort zurück ; die junge Herrin aber blieb stehen und sagte , mit den großen blauen Augen keck zu mir aufblickend : » Sind Sie Georg Hartwig , oder sind Sie es nicht ? « » Ja , « erwiederte ich . » Wie kommen Sie hierher ? was wollen Sie hier ? sind Sie ein Matrose oder Heizer , oder was ? und warum ? Können Sie nichts Besseres thun ? Schickt sich das für Sie ? « Diese Fragen folgten einander so schnell , daß ich mich begnügte , auf die letzte zu antworten , indem ich sagte : » Warum nicht ? Es ist keine Schande ein Heizer zu sein . « » Aber Sie sehen so - so schwarz - so rußig - so - abscheulich aus ; ich mag solche schwarze Menschen nicht leiden ; Sie sahen früher viel , viel besser aus . « Ich wußte nicht , was ich darauf erwiedern sollte und begnügte mich , die Achseln zu zucken . » Sie müssen von hier fort , « sagte die junge Schönheit eifrig , » Sie gehören hier nicht her ! « » Und doch ist es recht gut , daß ich heute hier gewesen bin ; « sagte ich , mit einer Regung von Stolz , deren ich mich alsbald schämte . » Ich weiß es ; « erwiederte sie . » Der Kapitän hat es uns gesagt ; es sieht Ihnen gleich ; aber darum eben dürfen Sie nicht hier bleiben ; Sie sind zu etwas Besserem bestimmt . « » Ich danke Ihnen , mein Fräulein , für Ihre gütige Theilnahme , « erwiederte ich ernst ; » aber wozu ich bestimmt bin , das muß die Folge lehren ; vorläufig will ich meinen Weg gehen , wie er mich eben führt . « Sie blickte mich halb mißmuthig , halb , ich möchte sagen , traurig an , und sagte dann schnell : » Sie sind arm , vielleicht sind Sie darum hier , und sehen so - so - gar nicht hübsch aus ; mein Vater soll Ihnen helfen ; mein Vater ist sehr reich . « » Ich weiß es , liebes Fräulein , « sagte ich ; » aber gerade deshalb möchte ich von ihm nicht geholfen sein . « Eine tiefe Gluth flammte über ihre Wangen ; ihre blauen Augen blitzten und ihre rothen Lippen zuckten . » Nun denn , « sagte sie , » so will ich Sie nicht weiter aufhalten . « Sie wandte sich mit einer schnellen Bewegung um , und eilte von mir fort . Ich stand noch ganz verwirrt auf demselben Fleck , als plötzlich hinter der Ecke des Cajütenhäuschens hervor , wo sie jedenfalls eine aufmerksame , wenn auch unsichtbare Zeugin dieser Unterredung gewesen war , Fräulein Duff zu mir trat . Ihre wässrigen Augen , in denen jetzt zum Ueberfluß einige mitleidige Thränen schwammen , waren zu mir empor gerichtet und sie flüsterte in ihrem weichsten Ton : » Suche treu , so findest du ! « Dann eilte sie , auf eine Antwort meinerseits klüglich verzichtend , ihrer jungen Herrin nach . Eine Stunde darauf legten wir an der Landungsbrücke in dem Hafen von St. an . Ich war unten im Maschinenraum , wo es jetzt genug zu thun gab . Und das war mir lieb . Ich hörte so doch nur halb das Rumoren auf dem Deck , welches die Passagiere , die hier so böse Stunden durchgemacht , zu verlassen eilten . Auch sie verließ es - vielleicht in diesem Augenblick . Es war nicht sehr wahrscheinlich , daß ich sie jemals wiedersehen würde . Warum sollte ich sie auch wiedersehen ? Die Frage schien mir selbstverständlich ; dennoch seufzte ich , als ich sie mir vorlegte . Mein Abschied von dem Maschinenmeister war kurz , aber nicht unfreundlich . Er hatte mir schon vorher gesagt , daß die Sache mit dem Kapitän ausgeglichen sei . Es schien im Grunde ein braver Mensch und so ging ich beruhigt von ihm . Ich hatte gehofft , im Uebrigen unbemerkt von dem Schiffe wegzukommen , aber der Kapitän rief mich an , als ich mit meinem Bündel über das Vorderdeck schritt . Er sagte mir , er