Verdrießliches geschehen ! Leider mehr , als das ! sprach der Caplan . Am Mittwoch vor Pfingsten langte der Wagen in Richten an , den man zum Abholen des Standbildes nach der Stadt gesandt hatte , und der Verabredung gemäß wurde es gleich nach Rothenfeld gebracht , um dort vor der Kirche abgeladen und ausgepackt zu werden . Da die Vorbereitungen für die Aufstellung im Voraus getroffen waren , gab der Bauführer denn auch die Weisung , mit der Errichtung der Gruppe sofort zu beginnen . Und durch die Ungeschicklichkeit unserer Arbeiter ist sie beschädigt worden ! rief der Freiherr . Nein , Herr Baron ! Der Bildhauer selbst hat sie , wie er übernommen , herausgebracht und auch die Auspackung besorgt . Und die Arbeit , wie ist sie ausgefallen ? unterbrach der Freiherr den Geistlichen noch einmal . Es war eine lobenswerthe Arbeit ; die Gestalt des Christus recht edel , der Kopf voll Ausdruck , und auch die Figur der büßenden Magdalena nahm sich schön und charakteristisch aus . Sie sagen : es war eine schöne Arbeit , die Figur nahm sich gut aus - was soll das heißen ? fragte der Freiherr . Das Standbild ist zerstört ! berichtete der Geistliche , und sein Ton und seine Miene verriethen die Empfindung , welcher er das Wort nicht gab . Zerstört ? Und wie , durch wen ? rief der Freiherr lebhaft . Durch geflissentlich erregten Glaubenshaß ! antwortete der Caplan mit jener Selbstbeherrschung , welche ihm zur Natur geworden war . Den Freiherrn jedoch verließ in diesem Falle seine Fassung , und mit dem Fuße stampfend , rief er heftig : Unerhört ! Das ist ganz unerhört ! Sind denn jetzt alle Teufel los ? - Aber er bereute diese Aufwallung eben so schnell , und sich niedersetzend , während er auch dem Geistlichen einen Sessel anwies , sprach er : Man sollte sich eigentlich in diesen Zeiten über nichts mehr wundern und auf jede Art von Ausschreitungen vorbereitet sein ; dennoch überrascht uns , wenn uns widerfährt , was wir Andere in gleicher Weise erleben sahen . Verzeihen Sie meine Aufwallung und fahren Sie fort . Halten Sie mir nichts zurück , mein Freund , ich bin jetzt vollkommen vorbereitet . Am Mittwoch , fuhr der Caplan fort , war , wie gesagt , die Gruppe angekommen , Samstags , als die Feierstunde nahte , hatte man die Arbeit des Aufstellens beendet ; ich fuhr also nach Rothenfeld , das Geleistete zu betrachten . Die Gruppe gereichte dem ganzen Baue zur Zierde ; man konnte in jeder Weise seine Freude daran haben . Man hatte keine Schwierigkeiten , keine Störungen irgend welcher Art bei der Aufrichtung gehabt . Die Arbeiter , welche niemals ein Kunstwerk gesehen , hatten es angestaunt ; nun standen die Kinder draußen an dem Gitter und betrachteten es neugierig . Des Försters Sohn , ein aufgeweckter Knabe , fragte mich , ob das die Mutter Maria sei , die an dem Kreuze kniee . Als ich ihm Bescheid gab , ging der Candidat vorüber . Er war , wie immer , zum Pfingstbesuch zu seinen Eltern nach Neudorf gekommen , aber er hatte sich , was er doch sonst zu thun pflegte , bei mir nicht sehen lassen . Der Bursche war mir stets zuwider , bemerkte der Freiherr , den Erzähler unterbrechend , und er weiß es , daß seine ehrgeizige Scheinheiligkeit , wie man diese Richtung von oben her jetzt auch beschützt , bei mir ihre Wirkung verfehlt ! Um so größer und unheilvoller war aber die Wirkung , welche er auf die Gemeinde übte , berichtete der Geistliche , der sich geflissentlich jedes Urtheils enthielt und sich nur auf die Mittheilung der Thatsachen beschränkte . In der Absicht , die Leute an ihn zu gewöhnen , hatte der Pfarrer seinen Sohn , wie seit Jahren , auch jetzt wieder am zweiten Feiertage für sich die Predigt halten lassen , und der Candidat mochte die Abwesenheit der Herrschaften für den geeigneten Zeitpunkt angesehen haben , in welchem er seinem Zorne gegen unsere Kirche einmal Luft machen und bei seinen Vorgesetzten sich damit eine geneigte Anerkennung verdienen könne . Die Aufstellung des Standbildes , meine zufällige Unterredung mit dem Knaben , deren Zeuge der Candidat eben so zufällig geworden war , boten ihm dazu den erwünschtesten Stoff und Anlaß , und er hat sich denn in den heftigsten Ausdrücken , in jenen landläufigen Redensarten gegen den Baalsdienst , gegen die Götzenanbetung , gegen die heimliche Verführung zu derselben und gegen unsere Kirche überhaupt , so lange gehen lassen , bis er es der Gemeinde endlich förmlich an das Herz gelegt , sich über die Gewalt zu beschweren , die man ihr mit dem Baue der Kirche angethan habe , und die Errichtung von Götzenbildern in dem Lande der reinen Lehre nicht zu dulden . Die Frechheit kennt nicht Maß , nicht Ziel ! rief der Freiherr , sich von seinem Sessel erhebend . Und die Leute , wie verhielten sie sich ? Was thaten sie ? Es traf sich übel , daß ihrer Aufregung eine Gelegenheit , sich zu bekunden , dargeboten wurde . Mißgestimmt waren sie seit langer Zeit , und die Menge liebt es ja , Alles , worunter sie zu leiden hat oder wovon sie sich beeinträchtigt glaubt , auf eine und dieselbe Ursache und Quelle zurückzuführen . Als die Leute von Neudorf aus der Kirche nach Rothenfeld zurückkehrten , machten die Kammerjungfer der Frau Herzogin und der Koch eben ihren Feiertags-Spaziergang . Aus ihrer Heimath des Anblicks gewohnt , den das Standbild ihnen darbot , warfen ihr religiöses Gefühl und ihre Rührung bei dem Gedanken an das verlassene , unglückliche Vaterland sie betend zu den Füßen des Heilandes nieder . - Sie knieend im Gebet erblicken , an ihrer Andacht Aergerniß nehmen und diesem Aerger Ausdruck geben , war bei den vorübergehenden Leuten Eines . Wir wollen unseren Sabbath nicht durch Götzendiener schänden lassen ! rief