an der Frau , die ja am Ende doch seine Mutter ist . Vielleicht wird es bei ihrem Anblick von der alten Liebe zum Waldesleben erfaßt , und es giebt zum mindesten eine peinliche Scene . Oswald sprach die Worte leise , denn Czika regte sich in seinen Armen . Czika will mit , sagte das Kind plötzlich ; Czika will in den Wald und den Mond und die Sterne durch die Zweige tanzen sehen . Czika kennt jeden Baum und jeden Busch . Sie stand auf dem feuchten Waldboden und klatschte vor Vergnügen in die Hände und tanzte und lachte und rief : Kommt , kommt ! Du , Herr und Du , Mann mit den blauen Augen ! Czika will Euch einen schönen Platz zeigen , Czika kennt jeden Baum und jeden Busch im weiten Wald . Sie huschte auf einem schmalen Pfad , der sich von dem Wege , auf dem der Wagen hielt , seitwärts in den dichtesten Forst schlug , worauf , wie eine wilde Katze durch die Büsche schlüpfend , deren dünne Zweige wieder hinter ihr zusammenschlugen . Nur mit großer Mühe folgten die beiden Männer . Czika war nicht zu bewegen , ihren Lauf zu hemmen . Ihre einzige Antwort auf das : nicht so schnell , nicht so schnell , Czika ! nimm uns mit , Czika ! war der helle , lustige Schrei des jungen Falken , den sie wieder , lauter und schriller , wie Antwort heischend , erschallen ließ . Plötzlich ertönte die Antwort durch den stillen Wald , derselbe stolze Schrei , dessen sich Oldenburg und Oswald noch so deutlich von jenem Morgen erinnerten , als die Zigeunerin aus der Ferne den Ruf der Kleinen erwiderte . Da leuchtete ein rother Schein , der mit jedem Augenblick heller und heller wurde , durch die hohen Stämme der Bäume . Wir sind gleich am Ziele , sagte der Baron , welcher voranging . Wirklich traten sie nach wenigen Minuten auf die Lichtung heraus , die Oswald von dem Nachmittage , als er sich auf dem Wege zu Melitta verirrt hatte , so unvergeßlich war . Auf derselben Stelle , nicht weit vom Rande des Sumpfes , wo damals die Zigeunerin ihre Mahlzeit kochte , brannte jetzt wieder ein Feuer , aber groß und mächtig , wie um die Scene in das hellste Licht zu setzen . Die Kronen der mächtigen Bäume glühten purpurroth oder tauchten in schwere Schatten , je nachdem die Flamme des Holzstoßes emporloderte oder zusammensank ; von dem dunklen Wasserspiegel des Sumpfes erglänzte der Wiederschein - und , umflossen von dieser magischen Beleuchtung , erblickten die Männer , als sie athemlos den Saum der Lichtung erreichten , die braune Gräfin auf den Knieen vor Czika , die sie mit Küssen und Liebkosungen überhäufte ; während das Kind sich vergeblich bemühte , sie vom Boden empor zu ziehen und sich endlich zu ihr auf die Kniee warf , ihr Haupt an dem Busen des Weibes verbergend . Schweigend und regungslos standen die beiden Männer , tief ergriffen von dem Schauspiel einer so leidenschaftlichen Zärtlichkeit . Da erhob sich die Zigeunerin und das Kind an die Hand nehmend , trat sie auf die Beiden zu und sagte zu Oldenburg , der sie mit weit aufgerissenen Augen anstarrte : Kennst Du mich , Herr ? In diesem Augenblick leuchtete die Flamme hoch auf und jeder Zug in dem edelstolzen Gesicht des ägyptischen Weibes und jede Linie ihres schlanken , hohen Leibes war wie vom Tageslicht erhellt . Xenobi ! schrie der Baron , seine Arme ausbreitend , Xenobi ! Das braune Weib stürzte sich mit einem Geschrei wahnsinnigen Entzückens an seine Brust und klammerte sich an ihn , als ob sie sich nie wieder von dem geliebten Manne trennen wolle . Aber im nächsten Moment schon riß sie sich los , trat ein paar Schritte zurück und stand da , unbeweglich , die Hände über dem vollen Busen faltend . Czika stand zwischen ihr und dem Baron , die großen dunklen Augen voller Verwunderung von diesem zu jener , von jener zu diesem wendend . Der Baron nahm sie bei der Hand und sagte , näher an die Zigeunerin tretend , in einem Tone , der , so sehr er sich auch zu beherrschen suchte , deutlich die ungeheure Erregung , die in ihm wühlte , verrieth : Xenobi , ist dieses Kind - Er vermochte nicht weiter zu sprechen ; er rang mühsam nach Worten . Endlich stammelte er : Dein und mein Kind ? Ja , Herr ! sagte die Zigeunerin , ohne sich zu regen ; die dunkeln glänzenden Augen fest auf das Antlitz des Barons heftend . Oldenburg hob das Kind in seinen Armen empor und drückte es an seine Brust . Oswald fühlte , daß er die Drei allein lassen müsse und zog sich bis an den Rand des Waldes zurück . Dort setzte er sich . Es war dieselbe Stelle , auf der er an jenem Nachmittage gelegen hatte , als er den köstlichen Traum von Melitta träumte , und von wo aus er hernach Czika auf dem Cymbal hatte spielen hören , während die braune Gräfin am Feuer schaffte und mit ihrer tiefen , weichen Stimme die ungarische Volksweise sang . Wie vieles hatte sich nicht seit jenem Tage geändert ! was hatte er nicht Alles gewonnen und wieder verloren ! Damals hatte sein Herz der schönen Frau so sehnsuchtsvoll entgegengeschlagen ; heute erfüllte die Erinnerung an sie seine Seele mit Trauer und Schmerz . Warum hatte sie ihn so unendlich glücklich gemacht , wenn ihre Liebe doch nur die souveräne Laune eines Augenblicks war , nur ein hübsches Spiel , der Stunden Einerlei auszufüllen , über den momentanen Bruch ihres Verhältnisses zu Oldenburg besser hinwegzukommen ? Würde die hochgeborene Dame , die stolze Aristokratin , ihn über kurz oder lang nicht verleugnen , verleugnen müssen , wie der Mann da das arme Zigeunermädchen vor seinen Freunden verleugnet ? Und hatte er