nur das ewige Licht verbreitete seinen ruhigen Schimmer durch die Kapelle und stimmte ihn friedlich . Er schlug das Auge zur Lampe auf und sagte leise : So zu leuchten im Heiligtum , und vor Gott und für Gott , das Los hat Regina sich gewählt und vielleicht ist es das süßeste , welches uns hienieden zu Teil wird , weil es über dem Wechsel und dem Wandelbaren ist . Dies Schwanken zwischen Wonnen und Qualen , dieser Wechselgesang von Lust und von Weh , diese zitternde Sehnsucht und dies trostlose Ungenügen , diese himmelstürmenden Wünsche und diese gräßliche Nichtigkeit in ihrer Erfüllung : dies Alles , das draußen liegt , außerhalb des Gottesfriedens - ist ' s eine Entbehrung , wenn man es nicht kennt ? ist ' s ein Verlust , wenn man es aufgibt ? - - - Da hub das Angelusgeläute an . Ihm war , als bewege die Glocke sein Herz . Er kniete nieder , barg das Gesicht in den Händen und betete : Mutter Gottes , bitte für uns arme Sünder ! - Dann klirrten Schlüssel in seiner Nähe . Er entwich wie ein Schatten aus der Kapelle , deren Türe hinter ihm geschlossen wurde , und ging nach der Stadt zurück . Die Nacht verging wie alle Nächte . Für Uriel aber hatte sie hundert Stunden und jede Stunde hundert Minuten . Er ging wieder zum Kloster . Der helle frische Wintermorgen mit dem stillen blauen Himmel und der feinen weißen Decke , welche der nächtliche Schnee über die Erde gebreitet hatte , tat ihm wohl und kühlte den Scirocco , der ihm durch den Kopf und die Brust ging . Ist das denn Freude ? fragte er sich selbst . Ich freue mich - und die vorherrschende Empfindung ist - Qual ! An der Pforte fragte er , ob die Schwester Therese jetzt zu sprechen sei . Es wurde bejahet und er in das Sprachzimmer gewiesen . Es war von äußerster Einfachheit : weiße Wände , einige hölzerne Stühle , ein schwarzes Gitter , hinter welchem sich ein geschlossener Laden befand , und dem Gitter gegenüber ein großes schönes Kruzifix . Nach seinem Namen war er nicht gefragt worden und er hatte ihn nicht genannt . Als ein Unbekannter , ein Namenloser sollte er vor sie treten ! Jenseits des Gitters lag das innere Sprachzimmer . Es währte nicht lange , so öffnete sich eine innere Tür . Es trat jemand ein und sagte , zum Gitter vorgehend : » Gelobt sei Jesus Christus . « » In Ewigkeit , Amen ! « erwiderte Uriel mit versagender Stimme - denn das war Regina ! » Uriel ! grüß Dich Gott ! « sagte sie so herzlich , als ob sie beide in Windeck wären . » Weißt Du denn noch von mir ? hast Du mich nicht vergessen ? « rief er überwältigt . » Wähnst Du , wir vergäßen die Unseren ? « fragte sie zurück . » Das wäre ja treulos , herzlos . Gott zerreißt keine Bande des Herzens : er heiligt und verklärt sie . « » Ja , das ist Regina ! « sagte er seufzend . » Wie kommst denn Du zu unserem Karmel ? « fiel sie ein . » Ich möchte von Dir wissen , ob Du glücklich bist , « entgegnete er . » Du wirst es bejahen ; das weiß ich ! Hat der Mensch sich ein ungewöhnliches Schicksal mit freiem Willen bereitet , so ist er oft zu stolz , um später zu gestehen , daß es mit seinem geträumten Glück kaum mittelmäßig beschaffen sei . Darum bitte ich Dich , mir zu sagen , warum oder wodurch Du glücklich bist ; das gibt mir vielleicht einen richtigeren Maßstab , und ich werde Dein Leben besser verstehen . « » Ich bin glücklich , weil ich das höchste Gut liebe und gemäß dem Drang dieser Liebe leben darf . « » Und wohin drängt diese Liebe Dich ? « » Zum Opfer , Uriel . Ich bin glücklich , weil ich mich in jedem Augenblick und mit jedem Atemzug in gottgefälliger Weise der göttlichen Liebe opfern kann . « » Woher weißt Du , daß sie gottgefällig ist ? « » Weil sie auf den evangelischen Räten beruht , welche durch die drei Gelübde besiegelt werden . Das ist die höchste Gnade , welche dem Menschen zu Teil werden kann . Wie gern folgt man nicht in weltlichen Verhältnissen dem Wunsch , dem Wink eines geliebten Wesens , ohne im mindesten zu betrachten , ob sich eine solche Folgsamkeit rechtfertigen lasse vor der Vernunft und der Wahrheit und ob man sie nicht dereinst bereuen werde . Wir aber sind sicher vor solcher Täuschung . Wir folgen einem Wink , der so zart ist , daß Millionen ihn nicht verstehen , und wissen dennoch , daß wir keinem selbstgeschaffenen Wolkengebilde folgen , denn der menschgewordene Gott Selbst winkt uns zur Nachfolge . « » Und worin besteht diese Nachfolge ? « » Im Leiden aus Liebe . « » Leidest auch Du , Regina ? « » Wer die drei Gelübde abgelegt hat und treu zu erfüllen sucht , ist gleichsam durch die drei Nägel Jesu mit ihm an das Kreuz geheftet , denn Armut , Entsagung und Gehorsam allzeit geübt , kreuzigen den natürlichen Menschen auch allzeit . Das tut freilich weh , aber dem göttlichen Heiland haben auch die Nägel weh getan , als er an ihnen in seinen Wunden hing . « » Wie fängst Du es aber an , um dies Bild so fest Dir einzuprägen , daß es Dein Vorbild wird ? « » Man denkt an ihn . « Uriel hätte fast gelächelt über diese Antwort . » Darin liegt eben das Schwierige , « sagte er . » In der bunten , lauten , zerstreuenden Welt - ja ! « antwortete Regina . » Da hat man weder Zeit noch Lust noch Aufforderung ,