Wartung angedeihen zu lassen , wenn ihm das Geld hiezu mangelt . Zuweilen hebt die Polizei wohl auf Verdacht hin so ein Nest aus , aber sie sind verflucht schlau und nehmen sich in Acht . « » Und die Kinder haben es dort sehr schlecht ? « fragte ängstlich das Mädchen . » Meistens , ja , « entgegnete der Doktor nach einigem Ueberlegen ; » von zehn sterben sieben bis acht . « » Gerechter Gott ! - Aber doch wohl nur von ganz kleinen Kindern müssen so viele sterben ? « » Ja , wenn sie älter sind , halten sie schon mehr aus . - Wie alt war das Ihrige ? « » Zwei Jahre vorbei . « Der Arzt schüttelte mit dem Kopfe und zuckte die Achseln , als er bemerkte , wie das Mädchen mit höchster Aufmerksamkeit , den Athem an sich haltend , ihn mit ihren unheimlich glänzenden Augen anschaute . - » Aber beruhigen Sie sich , wenn Ihre Angaben richtig sind und das Kind noch lebt , so kommt ja Alles darauf an , wo es sich befindet . Es gibt auch unter den Leuten welche , die ordentlich sind und ihre Pflicht erfüllen . « » Die Tänzerin Marie , « fuhr Katharine zu erzählen fort , » kennt einen Zimmermann des Theaters , und dieser erfuhr , nachdem er sich umgehört , daß ein anderer Angestellter der Bühne , der Garderobegehilfe Herr Schellinger , draußen in der Vorstadt in einem Hause wohne , wo solche kleine Kinder aufbewahrt werden . « » Welche Vorstadt ist es und welches Haus ? « » Es ist , wenn man zum E ' schen Thore hinaus geht , sich dann rechts wendet und zur Vorstadt des Flusses kommt ; das Haus liegt zwischen Gärten an der alten Stadtmauer und ist so versteckt , daß die Nachbarschaft selten etwas von dem erfährt , was dort vorgeht . « » Aha ! « machte der Doktor . » Der Garderobegehilfe wohnt in einem kleinen , sehr baufälligen Vorderhause , und hinter demselben ist die Wohnung des Meister Schwemmer , dessen Frau die kleinen Kinder aufzieht . « » Ah ! der Meister Schwemmer ! « rief der Doktor , indem er sich aufmerksam empor richtete . » Ei ! ei ! - Und nun glauben Sie , daß da Ihr Kind sei ? « » Und ist das eine von den schlimmsten Anstalten ? « fragte das Mädchen , erschreckt von dem Gesichtsausdruck ihres Gegenübers . Dieser zögerte einen Augenblick , Antwort zu geben , dann aber sagte er : » Ich will Ihnen nicht die Wahrheit verbergen : man spricht von diesem Meister Schwemmer nicht viel Gutes ; natürlicherweise bin ich noch nie dorthin gekommen ; unsereins läßt man nicht da eindringen . - Aber es soll ein gar böses Hauswesen sein . « » Und wären die wohl im Stande , mein armes Kind umzubringen ? « » Mit offener Gewalt gewiß nicht , denn die Leichenschau nimmt es dort außerordentlich genau . Aber - « er zuckte die Achseln und schwieg . » O , ich verstehe ! « rief das Mädchen , dessen Augen flammten , während sie ihre Hände heftig auf die Brust drückte , als wollte sie es dadurch möglich machen , daß der pfeifende Athem leichter aus- und einzöge . - » O , ich verstehe Sie ; nicht einen schnellen schmerzlosen Tod gönnen sie den armen Geschöpfen , sondern sie lassen sie langsam verkümmern durch elendes Leben , durch Frost und Hunger . Und da ist auch mein kleines unglückliches Mädchen ! « » Seien Sie ruhig ! seien Sie ruhig ! « bat der Doktor , während er ihre Hände , die wild umher fuhren , sanft unterdrückte ; » das geht nicht so schnell , daß so ein zweijähriges Kind vor Hunger und Frost umkommt ; und wenn Sie wirklich auf der Spur sind , so muß man schnelle Hilfe zu bringen suchen . « » Ja , Sie haben Recht , « erwiderte Katharine , die nach einer Pause der Ermattung nun wieder ihre Kräfte zusammen nahm . » Herr Schellinger , dem wir also unser Leid mittheilten , - es ist das ein alter , sehr braver Mann , - versprach , sich auf Kundschaft zu legen und hat das gethan . - Richtig , Herr Doktor , das Kind lebt und befindet sich dort in dem Hause ; er hat es gesehen , obgleich er so recht nicht mit der Sprache heraus und mir sagen wollte , wie es sich befände . Es hatte noch sein blaues Wollenkleidchen an , das letzte , welches ich ihm gemacht , und es saß auf dem Boden und spielte . « » Nun , sehen Sie , « sagte gutmüthig der Doktor , » es spielte . Da wird ' s denn doch nicht so schlimm mit ihm stehen . « » Jetzt vielleicht noch nicht , « entgegnete das Mädchen ; » aber es ist mein Kind und ich soll es nicht sehen und küssen dürfen , ich soll es vielleicht nie mehr wieder haben , denn auf gütlichem Wege geben sie mir es nicht heraus . « » Das glaube ich auch , « meinte der Arzt ; » denn sonst würden sie ja den Tausch eingestehen sowie den unterschobenen Todtenschein . « » Aber was soll ich machen , wenn ich es nicht in Gutem heraus kriege ? - Ich weiß dann nur ein Mittel , und das ist das gleiche , mit dem sie mir mein Kind entwendet , die Gewalt . Und so muß ich es auch wieder zu bekommen suchen . « » Das wird aber ein schwieriges Unternehmen sein ; denn bei den Leuten Gewalt anzuwenden und mit Gewalt etwas zu erlangen , ist wohl , kaum möglich . « » Vor den Schwierigkeiten , die es hat , schrecken wir nicht zurück , « entgegnete Katharine