daß sie sich auf Schlurck jetzt nur noch halb verlassen konnte . Zu blind hatte sich ihr seine Liebe für das einzige Kind zu erkennen gegeben . Prinz Egon und Melanie im Bunde waren , das sah sie , unüberwindlich ... Und da in demselben Augenblicke die Ludmer schon mit einem zartduftenden Antworts - Briefchen von der d ' Azimont kam , worin diese schrieb : » Das erste Wort der Freundschaft , das mich hier begrüßt , kommt von Ihnen , Pauline ! Von Ihnen ! Edles Herz ( noble coeur , der Brief war französisch ) , Edles Herz , ich kann nicht um Eins kommen , aber um Sechs ... heut Abend um Sechs umarm ' ich Sie « - als Pauline diese Zeilen gelesen und von der Ludmer noch leise vernommen hatte , daß all ' ihr erneutes Suchen nach dem Bilde vergebens gewesen wäre , entwarf sich ihr in solchen Dingen rasch erfindender Geist einen andern Plan , der so lautete : Mögen Egon und die d ' Azimont stehen , wie sie wollen , so groß sind noch ihre Ansprüche an diesen jungen Mann , daß eine bürgerliche kleine Kokette nicht wagen wird zu ihm aufzublicken , sieht sie erst die vielbewunderte junge Frau , der nach allgemeiner Übereinkunft in der Gesellschaft der wahre Besitz dieser von Melanie gemachten flüchtigen Landstraßen - Eroberung gehört .... Sie hoffte die d ' Azimont noch nach sechs Uhr festzuhalten bis zum Thee , durch sie auf Egon zu wirken , durch sie den Bund zwischen Melanie und Egon zu sprengen . Als einzigen und ausdrücklichen Beweis der Freundschaft verlangte sie jetzt vom Justizrathe nur noch , daß er heut ' Abend zur nähern Besprechung dieser Angelegenheiten vor dem Thee wiederkäme und zugleich endlich seine bewunderte Tochter Melanie ihr aufführe . Ich muß den schönen Bösewicht kennen lernen , sagte sie verschmitzt , den Engel , der es gewagt hat , die alten schlummernden Empfindungen des Geheimraths in Aufruhr zu bringen . Ist hier ein komischer Roman im Gange , so soll er unter meinen Augen fortgespielt werden . Ich bin eifersüchtig , ich will Melanie sehen . Verlass ' ich mich darauf , daß sie kommt ? Schlurck erwiderte , er wolle versuchen , seine Tochter zu überreden . Nichts überreden ! Sie befehlen ! sagte Pauline . Befehlen ? sagte Schlurck und griff verlegen nach seiner Perücke . Nun ja ... wir wollen befehlen . Und wenn das Bild noch zu retten und nicht in Egon ' s Händen ist , sagte Pauline , indem sie dem Justizrath lächelnd die Hand hinhielt , wer erhält es ? Der Prinz das Bild , sagte Schlurck ; etwaige Contrebande - Die Denkwürdigkeiten seiner Mutter ? ... Die ... jetzt wurde Schlurck schelmisch ... die trag ' ich zum Buchhändler und lasse sie als zweiten Theil des Nadasdi drucken . Mit dieser humoristischen Wendung wollte er zur Thür Nein ! Nein ! So entkommen Sie mir nicht ! sagte Pauline in wirklicher Angst . Ein klares Wort , keine Galanterie ! Kein Humor ! Ich bin überhaupt keine Frau für den Humor .... Haben wir nur erst das Bild ! sagte Schlurck drängend . Justizrath , können Sie mich auf dieser Folter zurücklassen - ? Ludmer , setzte sie rasch hinzu , nimm ihm Hut und Stock ab ! Nein , nein , sagte Schlurck fast sich flüchtend , ich muß zu Lippi und griechischen Wein kosten und nachher noch einmal zu den Wildungens , dann zum Prinzen , wohin ich einen gewissen Ackermann bestellt habe , der sich zur Pachtung seiner Güter meldete . Auch die Krankheit der jungen Durchlaucht bekümmert mich ... Er ist denn doch der Sohn des alten Fürsten , dem ich soviel Beweise ... Und kein Wort der Beruhigung , der Theilnahme , des Dankes für mein Vertrauen ? unterbrach Pauline mit allem Aufwand von Liebreiz , dessen ihr Auge und ihre Mundwinkel noch fähig waren . Schlurck küßte ihr wiederholt die magere Hand und sagte : Bezaubern Sie mich nicht ! Ich bin im Geiste noch nicht so alt wie im Kirchenbuch steht ! Ah ! Frau von Zeisel sollte nur hier sein ! Die sollte nur ihre Bitten mit den meinigen vereinen und gewiß , wir würden das harte Herz schon erweichen - Es war viel Anmuth in diesen Worten der Geheimräthin . Schlimme Frau , was sprechen Sie ? lächelte Schlurck . In der That , man weiß nicht , soll man Sie fürchten oder lieben ? Ich will Sie lieben , Frau Geheimräthin ! Verlassen Sie sich auf meinen Verstand und beten Sie zu irgend einem der Götter , zu dem Sie das meiste Vertrauen haben , daß es noch Zeit sein möge , bösen und albernen Dingen der Art , wie Sie sie fürchten und wie ich sie selbst niemals habe leiden mögen , mit Klugheit vorzubeugen . Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort . Mein Instinct spricht für Ihre Interessen ! Heilig und gewiß ! Auf Wiedersehen , vielleicht heut ' Abend ... Damit ging Schlurck ... Nein , ganz gewiß ! rief ihm Pauline noch nach , blieb dann eine Weile , um die beengte Brust durch einen tiefen Athemzug zu lösen , stehen , erwiderte nichts mehr auf die besorgten , fragenden Blicke der Ludmer und winkte nur , die halb tonlosen Worte ausstoßend : Er ist fort ... Auf alle Fälle macht man jetzt Toilette ! Damit hob sie den Vorhang ihres Schlafcabinets und schritt aus dem gelben Boudoir durch den Alkoven in das grüne und von diesem in ihr Toiletten- und Garderobe - zimmer . Die Ludmer war gleichfalls verstimmt ... Ihre Nichte hatte ihr ein altes Bettelweib geschickt , um wieder von ihr eine Unterstützung zu begehren ... Sie hatte zwar draußen nur die einfachen Worte gesagt : Ich kenne keine Auguste Ludmer , die sich meine Nichte nennt ! ... Sie hatte die Thür dem Bettelweib von der Nase zugeworfen , aber es