jetzt sah sie sie ziemlich kalt und ohne das erwartete Erstaunen aufgenommen . Sie fühlte sich dadurch beschämt und ward bei ihrem empfindlichen Karakter sehr beleidigt . » Ganz nach Ihrem Belieben , mein Herr ! « sagte sie , hochroth werdend ; » ich habe bloß meine Schuldigkeit gethan , bloß den Befehl meiner Mutter erfüllt , die allerdings klüger scheint , als manche anderen Leute , und durch ihre Jahre wohl berechtigt , Dinge zu wissen , von denen die Jugend sich Nichts träumen läßt . Jetzt muß ich überdies sehr um Verzeihung bitten ; denn ich habe noch die letzten Stunden mit Gräfin Franziska gestört . « Vergeblich war Reginald bemüht , die Beleidigte aufzuhalten oder zu versöhnen . Sie enteilte , ihn empfindlich grüßend , und hatte die Gesellschaft erreicht , ehe der Marquis ihre kurze Abwesenheit inne ward . Dagegen müssen wir gestehen , daß Reginald von dem ganzen Zusammensein mit Miß Gray nichts behalten hatte , als ihre letzten Worte . Das Nahen der Abreise hatte sein Herz erfaßt und die Ueberzeugung , Franziska d ' Aubaine mit allen Kräften seiner Seele innig zu lieben , bestätigt . Seit diesem Morgen ihrer Gegenliebe gewiß , trug er in seinem hochschwellenden Busen das höchste Glück , bedroht von dem Schmerze der nahen Trennung ! - Es war kein Augenblick , sein Interesse in Anspruch zu nehmen für eine trübe , Argwohn erweckende Richtung . Viel näher lag es ihm , dem Grafen d ' Aubaine in die Arme zu eilen und um seine Tochter öffentlich zu werben ; aber seine Jugend machte ihn schüchtern ; er hielt sich des Glückes nicht werth , das er begehrte - er wollte durch Reisen entwickelter werden und dann seine Stellung zu erheben suchen für den Anspruch , den sein Herz machte . Auch war dies die Bitte der von ihren Gefühlen überraschten , kindlichen Franziska ; und sie entschied über ein Schweigen , so heilig und süß , wie die Andacht ihrer unschuldigen Herzen ! So verließen die jungen Leute , in Gesellschaft Lord Duncan ' s , Ardoise , das sie erst nach zwei Jahren wiedersehen sollten ; und wir müssen es gestehen , alle Drei das Bild der schönen Franziska d ' Aubaine im Herzen tragend . Der Marquis de Souvré aber eilte nach Paris zurück . » Madame , « sagte er zur Marschallin von Crecy , » Ihr Enkel hat mir seine Liebe zur jungen Gräfin d ' Aubaine gestanden und ist entzückt über die Pläne seiner Großmutter . « Er hielt inne und ließ sie erst den Triumph verrathen , den das Gelingen ihres Planes ihr machte - dann fuhr er fort : » Doch , wie überall , steht auch hier der Chevalier de Ste . Roche im Wege - entschieden war der Vorzug , den die junge Dame dem sterblich in sie verliebten jungen Manne gab , und der Zufall machte mich zum Zeugen ihrer gegenseitigen Liebeserklärung . « Mit verbindlichem Lächeln beobachtete er das aschfarbene Erbleichen der Marschallin , welches plötzlich , durch die Schminke durch , sich in glühende Röthe verwandelte . » Und Sie - Sie ließen das zu ? « stotterte sie endlich . » Ich kannte Ihre Absichten nicht - ich fürchtete voreilig zu sein ! « erwiederte Souvré lächelnd . Die Marschallin verstand vollkommen seine Absicht und war schnell gefaßt . » Sie hatten Recht , Marquis , « sagte sie ruhig , » ich werde Alles selbst ordnen und darf um so weniger an dem Gelingen zweifeln , da es nicht die erste Angelegenheit ist , die ich nach meinem Willen lenkte . « » Ohne Zweifel werden Euer Gnaden es ganz in Ihrer Willkür haben , « erwiederte Souvré verbindlich , » wenn man an das glänzende Beispiel denkt , welches das Schicksal Ihres Herrn Sohnes darüber zum Belege führt . « Ein glühender Blick bitteren Hasses fuhr aus den Augen der Marschallin . Aber sie durfte Souvré nicht verstehen , um nicht noch mehr in Nachtheil zu kommen ; und wünschte auch zu lebhaft , von den Vorfällen in Ardoise unterrichtet zu werden , um ihren böswilligen Vertrauten nicht schonen zu wollen . Sie erfuhr nun den glänzenden Eindruck , den Reginald in Ardoise hervorgebracht , ohne alle Schonung und Milderung , und eben so auch die Anwesenheit der beiden jungen Engländerinnen , die , in einem gefährlichen Zusammenbange mit der Bewohnerin von Ste . Roche stehend , ihr eine nicht ungegründete Besorgniß einflößten ; doch , bevor noch der Marquis seine Erzählung geendet , hatte die Marschallin ihren Plan entworfen , dessen Resultat uns nicht erspart bleiben wird . * * * Ein Jahr nach der Abreise ihres Sohnes blieb über den Zustand der Gräfin Crecy kein Zweifel mehr , und das Frühjahr des zweiten Jahres senkte die ausgezeichnete und edle Frau in ihr frühes Grab . Ihre Aeltern waren ihr Beide vorangegangen , und sie hatte in der Marschallin nie einen andern Anspruch anerkannt , als den der äußeren Sitte . Ihr Gemahl betrauerte sie mit der ganzen düsteren Melancholie eines Gemüthes , das sich kaum das Recht zugesteht , was den Schmerz selbst zu einem süßen Eigenthume machen kann . Fenelon hatte ihre letzten Stunden beseligt und den Athemzug gehört , der sie vom Leben trennte ; er hatte keine Thräne für die Verklärte - begeistert schaute er ihr nach ! Eine süße Befriedigung lag in dem Glauben , daß sie ihn jetzt ganz erkennen werde - und er schmückte seine Seele mit Frieden und Seligkeit , um würdig zu sein , wenn sie sich zu ihm nieder neige . Der Schmerz der Abwesenden war groß - und mit der ganzen Energie der Jugend hielten sie ihn fest , und übertrugen ihn lange auf alle ihre Zustände . Der Graf Crecy zog sich in die tiefste Einsamkeit zurück ; er ward immer düsterer , menschenscheuer und argwöhnischer ; aber die Marschallin fing nach dem Tode seiner Gemahlin wieder an