das Getümmel meiner Sinne fiel und kein Gedanke des Heils ihm in mir entgegentrat . Meine Augen schlossen sich und doch sah ich den Weg vor meinen Füßen , den die Füße , wie von unsichtbaren , weichen Händen gelenkt , wandeln mußten . Ich schlief und schlief doch nicht , es war ein unbeschreiblicher Zustand , in dem ich endlich unter jener Laube auf weichem Moose niedersank . Es sprach und sang alles um mich her , in mir fühlte ich den Wogenschlag der jubelndsten Wonne , jeder Tropfen Blutes leuchtete und tanzte durch die Adern und doch saß mir im tiefsten Herzen das alleräußerste Grauen vor dieser Verfassung und die heißeste Bitte um Erweckung aus meinem Schlafe . Aber ich spürte , daß von dem Grauen nichts in mein Antlitz trat , wunderbarerweise konnte ich mich selbst schauen und sah , daß meine Wangen von der Wonne lächelten , als würden mir himmlische Freudenlieder zugesungen . Immer weiter griff die Wonne in mein Herz , immer weiter drängte sie das Grauen zurück , eine furchtbare Angst befiel mich , daß dieses Pünktchen ganz aus mir getilgt und ich eitel Wonne werden würde . In dieser Not , und dem Verschwinden alles Bewußtseins nahe , gelobte ich mich dem , der mich erwecken und befreien werde , zu eigen . Ich sah nun durch meine geschlossenen Augenlider eine dunkele Gestalt sich über mich beugen . Das Antlitz war edel und groß , und doch fühlte ich einen tiefen Widerwillen gegen diesen und es flog wie ein Schatten durch meine Empfindung , daß er es gewesen sein möchte , der das verdammliche Wort gesprochen habe . Aber immer rief ich stumm in mir und doch laut für mich : Wenn er dich weckt und befreit , so mußt du ihm für diese überschwengliche Wohltat angehören , denn du hast es gelobt . - Er hat mich nicht geweckt ! « » Ich , ich habe dich geweckt , mein teures Lieb , und nicht mit Zauberspruch und Segen , nein , mit heißem Kuß auf deine roten Lippen ! « rief der junge Ritter entzückt und hielt die schöne Emma fest umschlungen . - » Das sind wohl rechte Wunder im Spessart gewesen , die uns zusammengeführt haben . Ich hatte mich draußen am Heerweg von meinem geliebten Freunde Petrus getrennt nach seltsamen verfänglichen Gesprächen . Als ich einige hundert Schritte geritten war , überfiel mich noch einmal eine große Sorge um ihn , ich saß ab und wollte wiederholt ihm ans Herz legen , seine dunkelen Wege zu lassen und mit mir gen Mainz zu ziehen . Als ich mich wandte , sah ich ihn in den Wald schlüpfen . Ich rief seinen Namen , er aber hörte mich nicht . Die Sporen verhinderten mich am raschen Gehen ; ich konnte ihm nur von weitem folgen , doch ließ ich nicht ab , hinter ihm her zu rufen , was aber vergeblich blieb . Endlich verschwand mir sein schwarzer Mantel zwischen den Bäumen . Auch ich sah die schöne grüne Wiese schimmern und wollte mir den lichten Blumenschein besehen . So kam ich her , nachdem ich noch die Kreuz und Quer nach meinem Freunde gesucht hatte . Auch mich umgab es hier im Walde aus den Lüften wie ein Wühlen und Schwingen , das Gewürm war in einer Bewegung , die Vögel verführten ein so eigenes Flattern und Zirpen . - Weil ich aber an die helle gute Straße dachte , auf die ich den Petrus gern bringen wollte , so hat mir vermutlich das Wesen nichts anhaben können . Als ich dich schlummernd fand , drang mir mit der Gewalt der süßesten Liebe ein ungeheures Mitleid um dich in das Herz , ich frohlockte und weinte doch Tränen , die heißesten , die je aus meinen munteren Augen gekommen . Ich glaube , daß mir vergönnt war , in den Winkel zu schauen , wo dir das Grauen wohnte . Schluchzend und lachend rief ich : Die schönste Rose , die da blüht , Das ist der rosenfarbne Mund Von wonniglichen Weiben ; Am Kuß des Mai ' n die Ros ' erglüht , Es soll der schönste Rosenmund Nicht ungeküsset bleiben ! und da boten meine Lippen in Gottes Namen den deinen ihren Gruß ... « » Und die Fesseln fielen ab von mir , ich erwachte , und mein erster Blick traf in dein treues weinendes Auge « , rief die schöne Emma . » Ich dankte Gott , auf dessen Namen ich mich jetzt wieder besann , daß ich erlöset sei , und dann dankte ich ihm , daß du es gewesen , der mich befreiet habe , und nicht jener Dunkle . « Der junge Ritter war nachdenklich geworden . » Ich fürchte « , sagte er , » alle diese geheimnisvollen Waldwunder stehen mit Petrus in Zusammenhang . Ich fürchte , daß ich an dem Tage , wo ich meine Liebe gewann , meinen Freund verloren habe . Wo mag er nur geblieben sein ? « Das Paar fuhr erschreckt auseinander ; denn sie sahen in dem Wasser zu ihren Füßen zwischen ihren blühenden Häuptern ein eisgraues , greises abgespiegelt . » Hier ist er « , sagte ein zitternder , gebeugter , schneeweißer Alter , der hinter ihnen stand . Er trug den neuen , schwarzen Mantel des Schülers . » Ja « , sagte der Alte mit schwacher , erloschener Stimme ; » ich bin dein Freund Petrus von Stetten . Ich stand schon lange hinter euch und hörte eure Reden , und die Geschicke sind klar geworden . Es ist noch der Peter- und Paulstag , an dem wir uns trafen und trennten draußen auf dem Heerwege , der kaum tausend Schritte weit von hier läuft und seit wir voneinander gegangen sind , mag eine Stunde verstrichen sein , denn der Schatten , den der Strauch da auf den Rasen wirft , ist nur um ein Geringes gewachsen .