meinetwillen ihn nicht mehr lange zu halten brauchen . Nun , setzte er schnell zu seinem gutmüthigen Tone zurückkehrend hinzu , ich habe Dir nichts Unangenehmes sagen wollen , mein Prinz , komm näher und thue mir die Liebe und vertrage Dich mit dem , der hinter Dir steht und nach Deinem gnädigen Angesicht verlangt . Mein gnädigster Vater , erwiederte der Prinz , ohne sich umzusehn , hat zu befehlen , wen ich sehn soll , und aus Gehorsam werde ich selbst das thun , was meinem Gefühl widerstrebt . Aber ich möchte es dem zu überlegen geben , der dies Opfer veranlaßt , ich könnte nicht immer in der Stimmung sein , mich dessen mit Nachsicht zu erinnern . Höre , sagte der König , nach seiner Weise entrüstet , Du mußt nicht drohen , denn da Du bald König sein wirst , ist Dein Zorn viel fürchterlicher , wie der meinige . Abgesehen davon , wie er mir erscheinen muß , da ich Dein König und Dein Vater zugleich bin , sage ich Dir , mein Prinz , Du hast schon viel von unserm lieben Herzog gelernt , und obwol mir Eure Freundschaft lieber ist , als Eure Feindschaft vor der spanischen Reise , ist mir doch nicht sonderlich lieb , daß Du eben so störrisch wirst , wie Buckingham . Aber Du wirst jetzt gut sein , denn Du bist immer lenksamer , als Buckingham , gewesen . Drum bitte ich , mache mir die Freude und sieh Dich gnädig um . Ich muß glauben , gnädigster Herr , sprach der Prinz im hartnäckigen Ton einer festgefaßten Meinung , daß der , den Ihr mir empfehlt , weder den Wunsch hat , meinen Blicken zu begegnen , noch den Muth des reinen Gewissens , mir , dem schwer Gekränkten , gegenüber zu stehn . Doch diese Worte waren kaum ausgesprochen , als ein paar tönende Schritte den Grafen von Bristol vor den Prinzen führten , und ihn nach einer ehrfurchtsvollen Verbeugung ruhig und fest , wie in die Erde gewurzelt hinstellten . Ich konnte in Demuth harren , sprach er sanft und ernst , so lang mein gnädiger König für mich sprach , aber ich kann nicht irren , wenn ich annehme , diese letzten Worte Eurer königlichen Hoheit waren an mich gerichtet . Ich bin hier , und der Muth eines reinen Gewissens leitete den heißen Wunsch eines treuen Unterthanen , das Antlitz der hohen Herrscher in Gnade zu schauen , für die er redlich und treu gearbeitet , bis grausamer Verdacht seine Kräfte lähmte und sein Haar bleichte ! Der Prinz blieb vor seinem Anblick nicht ohne Eindruck . Dieser schöne Mann hatte so den unverkennbaren Ausdruck einer hohen Seele , daß es fast unmöglich war , an Verrath und bösen Willen ihm gegenüber zu glauben . Der Prinz entging diesem Eindruck nicht , und erwiederte fast unwillkürlich des Grafen Gruß . Aber wenn er auch nicht glauben konnte , er habe seine Verbindung mit der Infantin getrennt , war er doch von Buckingham so heftig bestürmt , ihn als den Urheber des Krieges anzusehn , und zuletzt so gegen den Grafen eingenommen worden , daß er sich fast angewöhnt hatte , die oft wiederholt gehörte Lüge wegen jener Verbindung , selbst gegen die Stimme seines Innern , als wahr ihm anzurechnen . So hielt der Eindruck der ehrwürdigen Persönlichkeit des Grafen gegen so viele eingeimpfte Täuschungen nicht aus , die überdies noch ein Unrecht verkleiden mußten und ein Geheimniß , dessen der Prinz sich bewußt war . Ich darf jetzt nicht länger übersehn , Graf Bristol , sprach er kalt , daß Ihr es seid ; doch wenn ich mich weigerte , Euch früher anwesend zu glauben , denke ich , bezeigte ich damit eben meine Ehrfurcht gegen den Willen des Königs , der Euch von London verbannte , wo ich Euch dennoch jetzt anwesend finde , ohne daß mir in dem Willen des Königs eine Aenderung bekannt ward . Dieser Vorwurf Eurer königlichen Hoheit trifft mich um so schmerzlicher , erwiederte Bristol sanft , als ich ihn mir lange genug als Einwurf gegen die wohlwollenden Absichten meiner Freunde vorhielt . Aber möge ein sanfteres menschliches Gefühl die strengste Gerechtigkeit Eurer königlichen Hoheit unterstützen und den Gründen Eingang verschaffen , die mich ungehorsam werden ließen . Schon wandte sich der Prinz ungeduldig ab , aber der König , neugierig zuhorchend , bog sich mit dem halben Leibe aus dem Bette hervor und rief lebhaft : Erzähle , Bristol , erzähle , Du hast sicher gute Gründe , wenn Du mir ungehorsam warst , was Dir überdies schon vergeben ist , aber laß nur hören , wie das Alles zuging , ich hatte ganz vergessen , danach zu fragen . Der Prinz blieb nun , aber mit allen Zeichen finsteren Widerwillens und trotz der Bitten des Königs , sich nieder zu lassen , steif von Bristol und dem Marquis abgewendet . Als ich dem Befehl Eurer Majestät gehorchend , sprach nun Bristol zum Könige gewandt , mich von London entfernte und mich auf die Güter meiner Familie zurückzog , geschah es nur mit dem festen Willen , von der Gerechtigkeit Euer Majestät die Widerrufung eines Befehls zu begehren , der den unangetasteten Namen eines Mannes beleidigte , den Euer Majestät bisher durch die schwierigsten und gefahrvollsten Aufträge zu ehren gewußt hatten . Aber es war unmöglich , diese unablässig wiederholten Bitten , die in Demuth nur um Gelegenheit zu meiner Vertheidigung nachsuchten , bis zu Euer Majestät gelangen zu lassen ; sie sind alle an dem bösen Willen gescheitert , mir diese meinen Feinden gefährliche Gunst zu versagen . Mylord , sprach hier der Prinz heftig , es steht dem Angeklagten schlecht , anklagend aufzutreten und Mißtrauen als Vorbereitung einer sehr zweifelhaften Rechtfertigung redender Thatsachen auszustreuen . Angeklagt , betonte mit hoher Stimme der Graf , angeklagt und ungehört , zurückgewiesen von dem Richterstuhle meines Vaterlandes , von dem Throne meines Königs ! Angeklagt