die da draußen lärmt , aber mir , die freundlich von ihm denkt , ist er gewogen , und zugleich fühlte ich , als ob Du mir gut seist , und ich dachte mich von Deinem Arm umfaßt und getrennt durch Dich von der ganzen Welt , und im Herzen spürte ich Dir nach und führte freundliche Gespräche in Gedanken mit Dir , da kam nachher meine Eifersucht , wenn man von Dir sprach oder Deinen Namen sagte , es war , als habe man Dich aus meiner Brust gerufen . Vergesse nicht , Goethe , wie ich Dich lieben lernte , daß ich nichts von Dir wußte , als daß man Dich in meiner Gegenwart böslich erwähnt hatte ; die Tante sprach von Deiner Freigeisterei , und daß Du nicht an den Teufel glaubst , ich glaubte auf der Stelle auch nicht an den Teufel und war ganz Dein und liebte Dich , ohne zu wissen , daß Du der Dichter seist , von dem die Welt so Großes spreche und erwarte , das kam alles später ; damals wußt ich nur , daß die Leute Dich tadelten , und mein Herz sagte : Nein , er ist größer und schöner als alle , und da liebte ich Dich mit heißer Liebe bis auf heut und trotzte der ganzen Welt bis auf heut , und wer über Dich sprach , von dem wendete ich mich ab , ich konnte es nicht anhören . Wie ich aber endlich Deine Herrlichkeit fassen sollte , da dehnten mir große Schmerzen die Brust aus , ich legte in Tränen mein Angesicht auf das erste Buch , was ich von Dir in Händen bekam , es war der Meister , mein Bruder Clemens hatte es mir gebracht . Wie ich allein war , da schlug ich das Buch auf , da las ich Deinen Namen gedruckt , den sah ich an als wie Dich selber . Dort auf der Rasenbank , wo ich wenig Tage vorher zum erstenmal Deiner gedacht und Dich im Herzen in Schutz nahm , da strömte mir eine von Dir geschaffne Welt entgegen , bald fand ich die Mignon , wie sie mit dem Freund redet , wie er sich ihrer annimmt , da fühlte ich Deine Gegenwart , ich legte die Hand auf das Buch , und es war mir in Gedanken , als stehe ich vor Dir und berühre Deine Hand , es war immer so still und feierlich , wenn ich allein mit dem Buch war , und nun gingen die Tage vorüber , und ich blieb Dir treu , ich hab an nichts anders mehr gedacht , womit ich mir die Zeit ausfüllen solle . Deine Lieder waren die ersten , die ich kennen lernte , o wie reichlich hast Du mich beschenkt für diese Neigung zu Dir , wie war ich erstaunt und ergriffen von der Schönheit des Klangs , und der Inhalt , den ich damals nicht gleich fassen konnte , wie ich den allmählich verstehen lernte , was hat dies alles in mir angeregt , was hab ich erfahren und genossen und welche Geschicke hab ich erlebt , wie oft hat Eifersucht gegen diese Lieder mich erregt , und in manchen , da fühlte ich mich besungen und beglückt . - Ja , warum sollte ich mich nicht glücklich träumen ? - Welche höhere Wirklichkeit gibt es denn als den Traum ? - Du wirst nie im Schoß des ersehnten Glückes finden , was Du von ihm geträumt hattest . - Jahre gehen dahin , daß einer dem andern sich nahe wähnt , und doch wird sich nie die eigentümliche Natur ans Licht wagen , der erste Augenblick freier unbedingter Bewegung trennt Freundschaft und Liebe . Die ewige unversiegbare Quelle der Liebe ist ja eben , daß sie Geheimnisse in ihren klaren Wellen führt . Das Unendliche , der Sehnsucht Begehrliche des Geistes ist aber , daß er ewige Rätsel darlege . Drum mein Freund , träume ich , und keine Lehren der Weisheit gehen so tief in mich ein und begeistern mich zu immer neuen Anschauungen wie diese Träume ; denn sie sind nicht gebaut auf Mißverständnisse , sondern auf das heilige Bedürfnis der Liebe . - Mein erstes Lesen Deiner Bücher ! Ich verstand sie nicht , aber der Klang , der Rhythmus , die Wahl der Worte , denen Du Deinen Geist vertrautest , die rissen mich hin , ohne daß ich den Inhalt begriff , ja , ich möchte sagen , daß ich viel zu tief mit Dir beschäftigt war , als daß die Geschichte Deiner Dichtungen sich hätte zwischen uns drängen können ; ach , es hatte mir niemand von Dir gesagt , er ist der größte , der einzige Mensch unter allen , ich mußte es alles selbst erfahren , wie ich Deine Bücher allmählich verstehen lernte , wie oft fühlte ich mich beschämt durch diese machtausübenden Begeistrungen , da stand ich und redete im Spiegel mit mir : » Er weiß von dir nichts , in dieser Stunde läuten ihm andere Glocken , die ihn da- und dorthin rufen , er ist heiter , der Gegenwärtige ist ihm der Liebste , armes Kind ! Dich nennt sein Herz nicht « , da flossen meine Tränen , da hab ich mich getröstet und hatte Ehrfurcht vor dieser Liebe als vor etwas ganz Erhabnem . Ja , es ist wahr , es ist ein höherer Mensch innewohnend , dem sollen wir immer nachgehen , seinem Willen Folge leistend , und keinem andern sollen wir Altäre bauen und Opfer bringen , nichts soll außer ihm geschehen , wir sollen von keinem Glück wissen als nur in ihm . So hab ich Dich geliebt , indem ich dieser inneren Stimme willfahrte , blind war ich und taub für alles , kein Frühlingsfest und kein Winterfest feierte ich mit , auf Deine Bücher , die ich immer lesen wollte , legte ich den Kopf und schloß mit meinen Armen einen Kreis