mit seinen Gesellen eingeschlichen war . Er habe im Wirtshause das erste Feuer einlegen sollen und sei fast damit fertig gewesen , als er in der Kammer von einem fremden Knaben ein Gebet vernahm , der sich und die ganze Stadt in die gnädige Vorsorge Gottes befohlen und bekreuziget habe ; die Stimme habe aber auf eine Stelle in seiner Seele getroffen , die er hart zugefroren gemeint und jetzt so weich gefunden , daß sein ganzer Vorsatz darin versunken . Gleich habe er das eingelegte Feuer gelöscht und einige Häuser weiter eingelegt , er habe sich erkundigt , wer der Knabe sei , und man habe ihn Kurt genannt , er sei mit Seger gekommen ; was ihn aber über alle Beschreibung geärgert , denselben Knaben habe er am Morgen im Gefechte überall gegen sich gefunden und ihm doch nichts anhaben können , er wisse selbst nicht , wie ihn das so wild gemacht , daß er darum auf Anton so unermüdlich losgestoßen . Dieses war seine letzte Erzählung , seine Notseufzer verkündigten sein Ende , ein Kinnbackenkrampf schloß ihm den Mund , durch den nur ein dumpfes Schlucken hervorscholl . - Die allgemeine Ermüdung machte der Sitzung ein Ende , die nötige Vorsicht für die nahende überschattende Nacht auf den Wällen und bei der Brandstätte beschäftigte Anton noch einige Zeit , dann führte ihn der Ratsherr Ehinger , der Vater der schönen Gertraud , nach seinem Hause , um ihn dort zu bewirten und zu betten . Vergebens weigerte sich Anton aus einer Bescheidenheit , die ihm im Glücke immer eigen war , bei ihm zu nachten , doch drang er sehr ernstlich darauf , erst von seinen beiden Gefährten , Güldenkamm und Susanna Nachricht zu bekommen . » Für die ist längst bei mir gesorgt « , sprach der dienstfertige Mann , » was werdet Ihr aber sagen , werter Ritter , wenn ich Euch versichere , daß jetzt die Zeit gekommen , wo die Schmetterlinge aus ihren Larven fliegen und in der Sonne glänzen . « Anton verstand ihn nicht , jener fuhr fort : » Ihr werdet sehen , daß ich eine neue Tochter gewonnen , da mein Sohn verloren und meine Tochter durch Heirat mir entfremdet wird , und einen Sohn wohl zugleich , wenn ich die jungen Leute recht verstehe . Ihr seht mich groß an und legt den Finger an den Mund , ich will ' s Euch erklären , der Kurt von hier , der in früheren Jahren zu Waiblingen bei einem reichen Vetter sich aufhielt , von dem nach Augsburg geschickt wurde auf die Stadtschule und dort durch böse Lust verführt , mit einem öffentlichen Mädchen flüchtete , jetzt hört , leise , denn mein Schmerz kann es Euch nicht laut sagen : ist eben der fahrende Schüler , der durch Euch und Güldenkamm gefallen ist ; macht keine Entschuldigung , ich lese sie auf Eurem Gesichte ; Ihr tatet ein herrlich Werk , ich hätte es selbst vollbringen müssen , wärt Ihr nicht gewesen , es war ein Ausbund von Verderben in diesem Knaben . Der Himmel hat ihn mir schon reichlich in Eurem Kurt ersetzt , der Susanna heißt , und in edler weiblicher Tracht alle unsre Mädchen an Ausdruck und edlem Leben übertrifft , ein Hieb hatte den Wams gelöst , ich erkannte ihr Geschlecht und gebe sie ihrem Geschlechte zurück , Güldenkamm ist zum Vergehen in sie verliebt und verläßt sie keinen Augenblick . « Mit diesem Gespräche hatten sie sich dem Hause des Ratsherren genähert , Anton , von allen Gefühlen bestürmt , nahm doch mit tiefem Schmerze wahr , daß ein Jammer über den nahen Verlust Susannens diese alle überwältigte ; schweren Herzens trat er in den Saal und mit einem freudigen Rufe sprang ihm Susanna entgegen , die auf einem Ruhebette eingeschlummert war . Er staunte , als er sie jetzt anschaute , und vergaß darüber , Güldenkamm für die Kühnheit zu danken , mit der er dem Gefechte zwischen ihm und dem fahrenden Schüler ein Ende gemacht hatte ; er sah sie in vollendeter weiblicher Reife vor sich stehn , so schnell hatte das tätige Leben , worin er sie gestürzt , ihre Entwickelung beendigt . Ihre verbrannte Haut , im Antlitz und an den Händen , wie eine fremde Färbung neben dem weißen Schnee ihrer Arme und ihres Halses , erinnerte an einen Übergang aus einem sehr verschiedenen Lebensklima ; in aller Bewegung erschien sie sonst in dem Ebenmaße und der geschickten Verbindung einer Frau , die lange in den besten Gesellschaften ihres Geschlechts gelebt hatte ; der Anstand war ihr etwas Eingebornes , kein Angelerntes , sie konnte ihn nicht lassen , also konnte sie auch nicht dagegen sündigen . Bald erhoben sich noch andere befreundete Hausgenossen ; Ritter Blaubart , der an seinen früheren Wunden litt und an diesem Tage wieder ein paar leichte Wunden erhalten hatte , bat Anton zu ihm zu treten und bot ihm seine Hand , um damit allen vergangnen Streit auf ewig aus seinem Herzen auszulöschen . Anton gab ihm mit freundlichem Entgegenkommen beide Hände und schwor ihm , daß er sich auf ihn verlassen dürfe , wo er ihn irgend brauchen könne . Fräulein Gertraud war bei dieser ganzen Verhandlung in einer wunderlichen Bewegung , die aber Anton wenig beachtete , weil er innerlich ganz mit Susannen beschäftigt war ; sie wandte sich mit einer Unruhe , mit einer fliegenden Röte so oft zu ihm , schien um ihren Bräutigam so gar nicht mehr unruhig , und während sie jenem mit steter Aufmerksamkeit Wein und Früchte und was die Küche vermochte darbot , ließ sie diesen mehrmals nach einer Labung bitten , die sie ihm dann eilig darreichte , um von Anton etwas Neues zu vernehmen . » Mein Kranz hat sich auf Eurer Stirn verrückt « , sagte sie plötzlich , als nichts seine Aufmerksamkeit gewinnen wollte , stellte sich vor ihn , rückte an dem Kranze und drückte ihm zuletzt einen