Nachrichten von der Ankunft seines Schwiegervaters , die er allen geheim halten sollte . Der Graf eilte mit einem leichten Handkusse fort , und die Fürstin sah ihm mit dem wunderlichsten Gefühle nach , als er nach flüchtiger Begrüßung seiner Frau den blendend hellen Weg hinunterritt . Sie zählte an den Blumenblättern ab , ob sie sich der Herzogin oder der Gräfin erklären sollte , ihrer Tätigkeit war dieser unerklärte Zustand der drückendste ; Bestimmtheit in allem war nicht bloß ihr Grundsatz , sondern auch ihre Art. Die Herzogin war ihr zu ernst , zu ehrwürdig ; sie überlegte mit pochendem Herzen noch einmal alles und ging dann zur Gräfin . Die Gräfin war nicht allein , die Kinder hatten allerlei heftige Streitigkeiten , die sie zu schlichten suchte , es waren der liebreichen Hyolda allerlei Papiere entrissen , die sie heimlich bewahrt hatte , erst war sie darüber sehr böse gewesen , endlich mußte sie selbst lachen . Die Fürstin wartete mit Ungeduld auf den Augenblick , wo die Kinder entlassen würden ; aber die Herzogin kam früher , es begann ein Gespräch über neue Zeitungen , die sie mitbrachte , inzwischen wurde der Mittagstisch angezeigt , wo einige reisende Fremde die Gesellschaft mit den besten Anekdoten aus ihrem Vaterlande erfreuten , die Fürstin konnte aus Ungeduld nichts essen . Als alle entlassen waren , fand sich die Fürstin endlich mit der Gräfin allein , um die Nachmittagsruhe zu halten , sie brachte zitternd die ersten Worte heraus und bat die Gräfin , die Türen verriegeln zu lassen , weil sie ihr eine merkwürdige Geschichte aus ihrer Familie vertrauen wolle . Die Gräfin erfüllte ihre Bitte . Die Fürstin entwarf nun mit der ganzen Gewalt ihrer Rede ein Gemälde ihres Zustandes und wie sie in des Grafen Seele zu lesen glaubte , wie er zu ihr gezogen werde und seiner Frau doch nicht entsagen könne . Sie wollte eigentlich die wahren Menschen noch nicht erkennbar machen ; aber ihre Heftigkeit hatte alles so deutlich gemacht , daß die Gräfin , die sich in ihrer Seele schämte , mit niedergeschlagenen Augen ihr versicherte ; sie erkenne alle , die sie ihr beschrieben , leider möchte alles wahr sein , es wäre ein schmerzliches Geschick , denn sie wäre innig überzeugt , wenn ein Mann auf Erden ganz schuldlos sei , so wäre es der Graf , auch vertraue sie ihm ganz , er werde das heilige Sakrament der Ehe gegen eine wilde Leidenschaft verteidigen , - aber Trennung sei notwendig und so lieb ihr die Fürstin - sie flehe in ihr die Freundin , die Mutter an , Sizilien bald zu verlassen . Eine so freie Hingebung und Offenherzigkeit hatte die Fürstin nicht erwartet , sie fuhr verlegen in ihrer Erzählung fort , und gestand ihr stammelnd , daß diese Rettung , diese Warnung zu spät ; sie ging in heftiger Bewegung im Zimmer auf und nieder und bekannte in gebrochenen Worten , wie nahe sie sich seit jener Nacht am Ätna dem Grafen verbunden glaube , sie sei mit ihm eins und unzertrennlich , er selbst sei bedacht , heute diese Verbindung zwischen ihnen öffentlich zu begründen , das sei die Ursache seiner Abreise nach Palermo , deren Geheimhaltung er ihr anbefohlen . » Warum wäre er auch nicht mein « , rief die Fürstin mit Begeisterung , » bin ich doch ganz sein ! « - Die Gräfin erblaßte bei diesen Worten , sie litt schon seit einiger Zeit an Ohnmachten ; in süßer Vergessenheit ihres Schmerzes sank sie in die Arme der Fürstin . Jetzt stieg das Mitleid wieder heiß in die Gedanken der Fürstin , es kam ihr der Gedanke , wie dieselbe Frau , die Mittags so fröhlich im Kreise der Ihren gesessen , jetzt bleich und tot in ihren Armen liege , sie fürchtete sich davor , daß der Graf eintreten möchte , alle Aufmerksamkeiten und Liebkosungen , mit denen er so oft in ihrer Gegenwart seine Frau erfreut hatte , fielen ihr ein , und sie wurde auf einmal an der Leidenschaft irre , die sie in ihm vorausgesetzt hatte ; - die menschliche Betrachtung drängt auch in ihrer höchsten Verirrung noch in Augenblicken und gegen den bösen Willen zur Wahrheit und Gerechtigkeit . Angstvoll drückte sie die Ohnmächtige an ihre Brust , die mit Schauder an ihrem Busen erwachte , sich matt erhob , ihre Hände faltete und rief » Gott , du bist gerecht ! « - Der Fürstin klang dieser Ausruf in der Seele wie ein Freudengeschrei wider , es ist doch alles wahr , und noch viel mehr , es wird mir alles noch werden , Glück und Freude , so sagte sie in sich , hier ist ein Geheimnis , das mich beglückt ; sie drang in die schwache Gräfin , ihr alles zu enthüllen , sie wisse alles , sagte sie , Gott sei gerecht , so müsse es kommen , wenn es gleich schmerzlich . - Die Gräfin meinte , der Graf habe der Fürstin jenes Geheimnis , ihre alte Schuld mit dem Herzoge verraten , es tat ihr wehe , aber sie verzieh es ihm , sie mußte sprechen , die Welt lag auf ihrer Brust und so erzählte sie mit vielen Tränen , wie sich damals alles zu ihrem Verderben gefügt habe , sie berichtete ihr alles , was sie bis dahin niemand als ihrem Manne , ihrer Schwester , dem alten Diener und ihrem Beichtvater bekannt hatte . - Die Fürstin war so verwundert von diesem Bekenntnisse , wie ein Räuber , der vor Gericht sich überzeugt , es sei sein Eigentum gewesen , was er entwendet ; die wilde Heftigkeit verschwand ihr , sie konnte sich in Ruhe erklären ; mit klarem Blicke schien sie noch zu schützen , was sie zerstören konnte , sie rührte sich selbst mit ihrer Milde , indem sie der Gräfin versicherte : des Himmels Wille sei deutlich , er strafe Gleiches mit Gleichem , sie solle