hatte , schrieb er im wesentlichen wie folgt : » Ew . Kurf . Durchlaucht fragen , welchergestalt die lang disiderierte christlich-brüderliche Verträglichkeit gestiftet werden könne . Ich halte dafür , das würde helfen , daß beide Teile eine Zeitlang das Streiten ließen , legten beiderseits ihre Partikular-Konfessionen eine Weile an die Seite , nähmen die Bibel und gingen damit zurück in die ersten fünfhundert Jahre der Christenheit , täten , als wenn sie zu derselben Zeit lebten , da diese Spaltung noch nicht war , setzten sich in Demut zu den Füßen der bewährtesten heiligen Väter ... und suchten aus der Väter Lehren , nach Anweisung des Vicentii Lirinensis , das zusammen , quod ubique , quod semper , quod ab omnibus creditum est , womit dann z.B. fortfallen würde , was Augustinus über Gnadenwahl und Prädestination Hartes gesagt hat ... Täte man so , man würde in kurzer Zeit von Luther und Calvin und Formula Concordiae wenig mehr hören , und was die neuen Lehrer auseinander gepredigt haben , das würde Gott durch die alten Lehrer bald wieder zusammenbringen . « Die Formula Concordiae ( » Konkordienformel « ) ist , wie es der Name anzeigt , ein Einigungsbuch , in dem sich die Lutheraner über gewisse Streitfragen einigten , und feststellten , was hinfüro in betreff dieser Fragen das Richtige sein solle und was nicht . Dies Einigungsbuch , das aus einem kürzer abgefaßten und einem weiter ausgeführten Teile ( die aber beide dieselben Fragen behandeln ) besteht , wurde , auf Veranlassung des Kurfürsten August von Sachsen , von zwölf lutherischen Theologen ausgearbeitet und 1580 veröffentlicht . Zweck war : das Eindringen einzelner calvinistischer Lehren in das Luthertum zu verhindern . Es sind elf Streitfragen , worüber die Formula Concordiae Festsetzungen trifft . Die wichtigsten sind : die Lehre von der Erbsünde , vom freien Willen , von den guten Werken , vom heiligen Abendmahl und von der Vorherbestimmung und Gnadenwahl . Die Konkordienformel , in ihrer Bekämpfung dessen , was sie calvinistische Irrlehre nennt , betont selbstverständlich die leibliche Gegenwart Christi im heiligen Abendmahl und lehnt sich gegen die Prädestinationslehre auf . Wer sich zur Formula Concordiae bekannte , hatte dadurch seine Gegnerschaft gegen den Calvinismus ausgesprochen . 12 Solche » Reverse « existierten in verschiedener Fassung . Eine Formel lautete wie folgt : Daß Wir Endes benannte Prediger bei der Lutherischen Kirchen zu Berlin in Unserm Lehr-Ambte bey den Glaubens- und Lebens-Lehren , und namentlich auch in denen zwischen Uns und den Reformirten schwebenden streittigen Puncten bey Dr. Lutheri Meinung und Erklährung , wie selbige in Augustana Confessione und deren Apologia enthalten , und demnach auch in Gemeinschaft der Allgemeinen Lutherischen Kirchen beständig zu bleiben gemeint seien , jedoch aber bei Tractirung der gedachten Controversien Uns zugleich unverbrüchlich halten wollen , wie in den Churft . Brandenburgischen Edictis de anno 1614 , 1662 und 1664 Uns anbefohlen ist , Solches thun wir mit diesem eigenhändig unterschriebenen Revers angeloben , urkunden und bekennen . Diese Edikte , die sich untereinander ergänzen , verboten das Studieren in Wittenberg , ordneten Rückberufung der dort Studierenden innerhalb drei Monaten an und äußerten sich in betreff der Zänkereien wie folgt : » So mögen denn die Wittenberger sich des unseligen Verdammens und Verketzerns , sowie der Verhöhnung der Personen und aller höhnischen Vorstellung ihrer Lehren enthalten und sich also bezeigen , daß sie neben der Wahrheit auch den Frieden suchen , und die brüderliche Liebe unter den Christen eher erwecken als dämpfen . « Ähnliche Ermahnungen , besonders aber die Aufforderung , gewisse Hypothesen nicht als die alleinige Wahrheit anzusehen , kehren in den Edikten vielfach wieder . Es war unbedingt hart für die Lutheraner , darüber einen » Revers « ausstellen zu sollen . 13 Ausführlicher über die Lehninsche Weissagung spreche ich bei Gelegenheit von » Kloster Lehnin « , in einem späteren Bande dieser Wanderungen . Hier nur so viel , daß bekanntlich der Streit noch immer schwankt , ob die Lehninsche Weissagung wirklich von einem Lehniner Mönche ums Jahr 1300 , oder aber , als Falsifikat , in einer späteren Epoche geschrieben wurde . Die meisten Stimmen vereinigen sich dahin , daß die sogenannte Prophezeiung am Schluß des siebzehnten Jahrhunderts in den letzten Lebensjahren des Großen Kurfürsten oder doch nur wenig später entstanden ist , trennen sich aber in der Frage , wer der Verfasser gewesen sei . Jeder , der sich mit der › Weissagung ‹ beschäftigt hat , hat auch seinen eigenen Kandidaten aufgestellt . Der Kandidat unseres Otto Schulz heißt – Andreas Fromm . Drei Beweise bringt er für die Verfasserschaft des letzteren bei : 1. er hatte vor vielen anderen die Fähigkeit und 2. vor vielen anderen die Veranlassung ( Groll , Bitterkeit ) dazu ; endlich 3. war er der spezielle Freund Martin Seidels , in dessen Bibliothek man ( nach Seidels Tode ) das Manuskript der » Weissagung « vorfand . Diese drei Punkte sind sehr geschickt zusammengestellt , aber sie genügen keineswegs . Nach der ganzen Charakteranlage Fromms liegt kein Grund zu der Annahme vor , daß er seine Sicherheit und seine Muße zu einem Angriff auf die Hohenzollern ( die dem Unfrieden und den Zänkereien gerade ebenso abhold waren , wie er selbst ) hätte benutzen sollen . Das lag nicht in ihm . Außerdem sprechen Einzelheiten , besonders in den acht Zeilen , die sich auf George Wilhelm und den Großen Kurfürsten beziehen , gegen diese Annahme , teils durch das , was sie sagen , noch mehr durch das , was sie nicht sagen . 14 Gleich nach seinem Eintreffen in Ruppin fand zu Ehren der neuen Uniform ( das Goltzische Regiment hatte bis dahin blau und Gold getragen ) folgende Szene statt . Der Kronprinz lud die Offiziere vor eins der Tore , wo sie einen brennenden Holzstoß fanden . Erfrischungen wurden gereicht . Als alles guten Humors war , begann der Prinz : » Nun , meine Herren , da wir hier alle versammelt